Der einfache Weg zum Erfolg

Mehr verdienen, weniger riskieren und besser schlafen!

 

Wie das geht und noch viel mehr Tipps und Tricks bei Geldgeschäften und Börsenaktivitäten, lesen Sie im großen Disy-Interview. TV-Moderator Holger Scholze im Gespräch mit dem renommierten Fondsmanager, Vermögensverwalter und Autor Gottfried Heller im Rahmen des 7. Sächsischen Finanzsymposiums in Dresden.

 

Lieber Herr Heller, ist es denn so, dass in der Börsenwelt das gegenseitige Vertrauen noch existiert oder sogar weiter an erster Stelle steht?
Heller: Konfuzius hat gesagt: "Ohne Vertrauen können wir nicht existieren." Das, was in den letzten zehn Jahren im Börsen- und speziell im Bankensektor im Finanzbereich passiert ist, hat leider furchtbar viel Vertrauen zerstört. Wir erleben heute nicht nur eine Finanzkrise, sondern auch eine Vertrauenskrise.

Sie haben jahrelang mit der berühmten Börsenlegende André Kostolany zusammengearbeitet. Nervt es Sie eigentlich, immer wieder nach ihm befragt zu werden?

Heller: Nein, er war wie ein väterlicher Freund zu mir und hat sich auch so genannt. Er hatte ja keine Kinder. Wir waren ein sehr harmonisches Paar. Er war mehr der ungarisch-jüdische Venture-Mensch, risikofreudig und auch etwas rhapsodisch in seiner ganzen persönlichen Organisation, wie halt die Ungarn sind. Ich war der Ingenieur, der akribisch die Dinge analysiert. So haben wir uns sehr gut ergänzt und uns auch persönlich geschätzt. Auf dieser Basis haben wir sehr gut zusammengearbeitet. Bei dieser Gelegenheit möchte ich erwähnen, dass wir schon 1974 das erste Börsenseminar in Deutschland durchgeführt haben.

Sie haben gerade schon die Risikobereitschaft ihres Freundes und Partners angesprochen. Vor einigen Jahren erzählten Sie mir mal, dass André Kostolany eine Lebensversicherung abgeschlossen hatte, die Selbstmord beinhaltete. Was war denn das für ein "verrückter Kerl"?

Heller: Ich weiß nicht, vielleicht haben die Ungarn so einen Hang zum Suizidalen (lacht). Er hat mir diese Police auch gezeigt. Da stand als Sonderbemerkung drin, dass die auch im Falle von Selbstmord leistet, was üblicherweise nicht der Fall ist.

Kostolany soll die Oper sehr geliebt haben. Doch da gibt es Geschichten, dass er mitten in der Vorstellung aufgestanden und herausgegangen sein soll, wenn er sich wegen einer bestimmten Position, die er hielt, unwohl fühlte. Und nachdem er dann seinen Broker damit beauftragt hatte, den Wert glattzustellen, zu veräußern, ging er wieder hinein, um in Ruhe seine Oper genießen zu können. Ist das tatsächlich so gewesen?

Heller: Ja, das war so. Bei einer Gelegenheit war er in der Oper und - das hat er mir erzählt - die ganze Oper sei ihm verdorben gewesen, weil er dauernd daran denken musste, dass er Goldminen-Aktien hielt. Das hat ihn dann so geärgert, dass er alle Goldminen-Aktien verkaufte. Als Lehre für Sie und auch für mich könnte gelten: Sobald Ihnen eine Geldanlage schlaflose Nächte bereitet, glattstellen! Das Leben Leben ist zu kurz, um es sich mit falschen Geldanlagen verderben zu lassen.

Kostolany galt und gilt noch immer als einer der bekanntesten "Börsen-Gurus" überhaupt. Was ist denn das eigentlich und war er das wirklich?
Heller: Börsen-Gurus sind so ähnlich wie Sternschnuppen am Himmel. Die verglühen sehr schnell. Und dann steht die gläubige Gemeinde wieder im Finstern da.

In seinem Fall war das ja nicht so...
Heller: Nein, er war kein Guru, ich auch nicht. Er hat es immer abgelehnt, Guru genannt zu werden und ich lehne es auch ab. Wir haben kein besonderes Wissen, wir haben vielleicht Erfahrung. Wir können nicht die Zukunft voraussagen. Wir können aus dem, was wir in der Vergangenheit gelernt und erfahren haben, gewisse Dinge extrapolieren in die Zukunft und können denken, das war so, in diesem Falle ist es etwas anders oder diesmal ist es ähnlich. Das nennt man dann Erfahrung. Und das hilft mir sehr, weil Ich nun seit mehr als vierzig Jahren in dieser Branche bin, so dass ich sehr schnell einschätzen kann, ob eine Situation, ähnlich, gleich oder anders ist, als es früher war. Zum Beispiel habe ich 2008 an verschiedenen Stellen Deutschlands, einschließlich Dresden, Vorträge gehalten. Es war im Oktober, am tiefsten Punkt der Finanzkrise, als die Börsen im freien Fall waren. Damals habe ich gesagt: Das wird nicht ablaufen wie 1929. Es wird keinen Crash geben, weil die Notenbanken und die Regierungen ganz anders handeln. Das war die Erfahrung aus dem, was ich schon wusste. Und es war dann auch so. Das ist die Erfahrung, die nicht mit Gold aufzuwiegen ist. Das hat Kostolany auch immer gesagt.

Nun gibt es immer wieder verschiedene Stimmungsindikatoren, die analysiert werden. Sie und auch André Kostolany haben da offenbar eine ganz eigene Methode entwickelt, nämlich in einem Gespräch mit der Kellnerin eines Caféhauses oder mit einem Taxifahrer. Immer dann, wenn die besonders oft nach einem guten Tipp gefragt haben, dann hat zumindest André Kostolany - wie in seinen Büchern beschrieben - gedacht: "Oh, jetzt sind zu viele Aktien in zittrigen Händen, jetzt müssen wir aufpassen!" Funktionieren solche Stimmungsindikatoren denn heute noch?
Heller: Nun, das sind nicht die einzigen Indikatoren. Aber wenn ein Taxifahrer oder ein Friseur Sie fragt, ob Sie die und die Aktie kennen oder ob Sie die gekauft haben, dann ist da allerdings Gefahr im Verzug. Aber in letzter Zeit hat mich kein Taxifahrer und kein Friseur gefragt.

Das heißt, die "Zittrigen" sind noch nicht unbedingt am Werk? Würden Sie sagen, da besteht noch kein Grund zur Beunruhigung?
Heller: Nein! Kostolany hat ja die "Zittrigen" und die "Hartgesottenen" so unterschieden: Die Hartgesottenen haben das Geld und die Nerven. Die "Zittrigen" haben oft nicht das Geld, vielleicht die Nerven, aber manchmal auch nicht die Nerven. Wenn eines fehlt, dann ergreift sie die Panik und dann machen sie Dummheiten, verkaufen am tiefsten und kaufen am höchsten Punkt. Es ist die übliche Verhaltensweise von rund 90 Prozent der Anleger, dass sie dem Herdentrieb anheimfallen. Das ist eines der schwierigsten Dinge, die Sie persönlich ausschalten müssen. Es ist das Wichtigste, dass Sie die Emotionen soweit wie möglich unterdrücken! Denn das Anlegen allein ist nicht eine rein faktische, fundamentale, intellektuell-rationale Angelegenheit, sondern es ist auch eine emotionale. Und der Anleger ist das schwächste Glied in der Kette. Schon der berühmte amerikanische Investor Benjamin Graham hat Mitte der 30er Jahre bereits gesagt: "Der Anleger ist wahrscheinlich sein eigener schlimmster Feind." Darum hat Kostolany auch das mit den Schlaftabletten erfunden, als er gesagt hat, die Leute sollen sich ein Depot anlegen, dann Schlaftabletten kaufen und wenn sie in fünf Jahren aufwachen, würden sie wahrscheinlich eine gute Erfahrung machen. Das wurde ausgelegt als eine "Buy-and- Hold", eine "Kaufen- und Liegenlassen"-Strategie. Nein! Es hatte damit zu tun, dass der Mensch die größten Dummheiten macht, wenn es blitzt und kracht. Und damit er das nicht mitkriegt, wenn es an der Börse blitzt oder kracht, soll er schlafen - im metaphorischen Sinne.

Der volkswirtschaftliche Nutzen der Aktie für Fortschritt und Wohlstand wird in vielen Büchern, auch in Ihren, immer wieder hervorgehoben. Ist die Bedeutung der Aktie heute noch dieselbe?
Heller: Auf jeden Fall! Die Aktie hat ja eine Doppelfunktion. Zum einen beschafft sie das Eigenkapital für eine Firma. Ohne die Aktie wären so große Firmen wie Daimler, BMW, BASF oder Bayer gar nicht vorstellbar. Die Aktie ist sozusagen die Unabhängigkeitserklärung des Unternehmers, während das Darlehen oder der Kredit die Unterwerfungsurkunde unter eine Bank ist. Ich plädiere immer dafür, dass sich die Eigentümer der Firmen Eigenkapital beschaffen und nicht nur auf Kredit arbeiten. Zum anderen ist die Aktie das beste Vermögensvehikel, um für das Alter vorzusorgen. Es bringt nämlich eine deutlich höhere Rendite als jede andere Geldanlage, sei es Festgeld oder eine festverzinsliche Anlage oder eine Versicherung. Die Aktie hat dadurch, dass sie schwankt, einen Risikoaufschlag. Mit anderen Worten: Dadurch, dass sie auch mal Minus macht, mal fällt und dann mal steigt, sagen die Anleger: Ich kaufe eine Aktie nur, wenn sie eine Rendite bringt, die sieben oder acht Prozent beträgt, denn das wären mindestens drei oder vier Prozent mehr als bei einer festverzinslichen Anlage. Eben weil die Aktie ein Risiko in sich trägt. Dieser Risikoaufschlag wird aber überbewertet. Denn die Aktie hat langfristig im Durchschnitt zwischen acht und zehn Prozent Rendite pro Jahr geliefert, inklusive Dividenden. Heute bekommen Sie bei Aktien allein schon vier bis fünf Prozent Dividende pro Jahr, während Sie bei Festverzinslichen gerade mal 1,6 Prozent pro Jahr bei zehnjährigen deutschen Bundesanleihen bekommen. Schon 1956, als Deutschland noch in Trümmern lag, hat Ludwig Erhard gesagt: Wenn jeder kleine Sparer mit seinem Geld auch Aktien kaufen würde, dann würde er zwei gute Dinge für sich tun. Erstens würde er für die deutsche Wirtschaft Investitionskapital bereitstellen, das wiederum seinen eigenen Arbeitsplatz sowie neue Arbeitsplätze sicherstellt. Und zweitens wäre das gut für seine Altersvorsorge.

Wir haben an den Finanzmärkten ja auch diese "Spielermentalitäten", diese sehr, sehr kurzfristig orientierten Akteure. Es gibt auch viele Instrumente, die dies begünstigen. Und möglicherweise sorgen sie für die nötige Liquidität. Könnten diese "Spieler" am Markt dennoch auch den langfristig orientierten Anlegern gefährlich werden?

Heller: Nein, im Gegenteil! Die sind das Kanonenfutter der langfristigen Anleger. Wie Sie richtig sagen, beschaffen diese Akteure der Börse die Liquidität. Dadurch, dass so viele Leute herumzocken, entsteht Umsatz. Dieser Umsatz sorgt dafür, dass Sie jederzeit eine Aktie kaufen oder verkaufen können. Nehmen wir mal an, es gäbe keine Spieler. Dann wären viel weniger Börsenteilnehmer aktiv und die Kurse würden unter Umständen viel stärker ausschlagen. Die Spieler selber sind keine Gefahr für die Börse. Die sind höchstens eine Gefahr für sich selbst. Kennen Sie die Geschichte: "Da hat einer seine Steuererklärung vom Finanzamt zurückbekommen. Auf dieser hatte der Finanzbeamte vermerkt: Ich vermisse die Gewinne aus Spekulationsgeschäften. Da hat der Betreffende zurückgeschrieben: Ich auch." (lacht)

Allerdings haben wir auch die Situation, dass zum Beispiel in den Vereinigten Staaten die Hälfte der Börsenumsätze durch Computer generiert werden, die von hoch intelligenten Menschen programmiert worden sind und dann nach bestimmten Algorithmen handeln. Das führt doch auch immer wieder zu großen Marktverwerfungen. Könnte dies das Vertrauen in die Aktienanlage nicht gefährden?

Heller: Es ist tatsächlich so, dass heutzutage die Hauptumsätze durch Börsencomputer generiert werden. Ich würde sogar sagen, es sind insgesamt zwischen 70 und 80 Prozent im Gegensatz zu den Akteuren aus Fleisch und Blut. Aber diese Computer haben zwei große Fehler. Der eine ist, dass sie Riesengeldsummen hinter sich haben, so dass ein Verkauf nicht bei 100 Stück BASF, sondern bei 10.000 oder 100.000 Stück auf einen Schlag liegt. Der zweite Fehler ist, dass sie natürlich von Menschen programmiert worden sind. Diese Programme basieren wiederum auf den Erfahrungen, die die Menschen gesammelt haben. Und diese sind sich sehr ähnlich. Das heißt, an bestimmten Punkten wird gekauft und an anderen Punkten wird verkauft. Und dadurch entstehen in der Tat sehr viel größere Schwankungen. Weil die Computer in Tokio, Frankfurt, London, New York undsonst wo auf ähnliche Programme reagieren und das mit sehr viel Geld. Auf diese Weise ist es im vergangenen Jahr passiert, dass der Dow Jones innerhalb weniger Minuten aus keinem zunächst ersichtlichen Grund um acht Prozent abgestürzt ist. Kurze Zeit später war er aber wieder auf demselben Stand. Man hat erst nachträglich erfahren, was der Grund für die heftige Schwankung war. Und dieser stellte sich als vergleichsweise nichtig heraus.

Da passt jetzt eigentlich die alte Weisheit: Nicht die Nachrichten bewegen die Kurse, sondern die Kursbewegungen generieren oft erst die Nachrichten. Das heißt, wir sollten auch bei solch heftigen Marktbewegungen lieber "cool" bleiben?

Heller: Ja, richtig! Wie jeder texanische Sheriff sagen würde: "Erst zielen, dann schießen." Erst nachdenken und sich die Frage stellen, was ist es denn wirklich gewesen. Denn die meisten Börsenkommentare sind irgendwelche Erfindungen. Man erfindet irgendwas, warum gestern die Börse leichter oder fester war. Das sind aber oft nicht die richtigen Gründe. Die tieferen Gründe erkennt man meistens garnicht. Deswegen stimmt ja auch die ganze Theorievon der effizienten Markttheorie überhaupt nicht, weil sie davon ausgeht, dass die Menschen rational handeln. Aber der Mensch handelt nicht rational, sondern emotional. Wenn das nicht wäre, würden die Börsenkurse gar nicht schwanken.

Ihr neues Buch trägt den Titel: "Der einfache Weg zum Wohlstand - Mehr verdienen, weniger riskieren und besser schlafen". An wen richtet es sich? Wen möchten Sie damit erreichen?
Heller: Ich habe jetzt mehr als 40 Jahre in diesem Metier gearbeitet. Als unabhängiger Nicht- Banker, der eher vom Ingenieurwesen kommt, habe ich natürlich meine Erfahrungen anders verarbeitet und anders gewichtet, als wenn ich ein Banker wäre. Das, was ich niedergeschrieben habe, ist eigentlich eine Art Testament dessen, was ich gerne weitergeben möchte. Dabei wurde ich von meinem sechsjährigen Aufenthalt in den USA geprägt. Dort ist es üblich, dass jemand - sei es der Präsident von General Electric oder von IBM - in seiner Kommune verpflichtet ist, gratis einen Vortrag zuhalten, weil er dem Gemeinwesen verpflichtet ist. Ich spüre diese Pflicht auch in mir, dass ich weitergebe, was ich erfahren habe, so dass der eine oder andere davon profitieren kann, was ich niedergeschrieben habe. Wichtig war mir dabei, dass mein Buch jeder, der nicht jeden Tag oder niemals etwas mit Finanzen zu tun hat, genauso verstehen und nachvollziehen kann, wie ein erfahrener Anleger.

Bevor wir näher auf den Inhalt Ihres Buches eingehen, würde mich interessieren, was genau "Wohlstand" für Sie persönlich bedeutet. Wie definieren Sie das?

Heller: Ich definiere ihn so ähnlich wie Ludwig Erhard es getan hat. Wohlstand ist kein Lebensziel, sondern eine Grundlage für die Lebensgestaltung. In dem gleichen Sinne sehe ich den Wohlstand auch. Ich sehe Wohlstand nicht als ein Streben nach Reichtum. Mir hat Reichtum nie etwas bedeutet. Ich bin zwar zu etwas Geld gekommen, aber nicht, weil ich mein ganzes Streben darauf gerichtet habe. Denn ich bis ein leidenschaftlich unabhängiger Mensch, der vorwiegend FDP wählt.

Auch in diesem Jahr?
Heller: Jetzt gerade!

Im Frühjahr lag die FDP noch bei drei Prozent. Inzwischen sieht es für sie besser aus. Erwarten Sie Überraschungen?
Heller: Ich sage, die werden zehn oder mehr bekommen. Wollen wir eine Wette machen? (lacht)

Wenn wir gerade schon darüber sprechen, dann bleiben wir doch kurz bei dem Thema. Wir haben ja im vergangenen Jahr die Präsidentschaftswahl in Amerika gehabt. Dort kann man statistisch einen gewissen Zusammenhang nachweisen, dass Wahljahre auch gute Börsenjahre sind. Gilt das für Deutschland auch?

Heller: Ja, sicher. Demokratie funktioniert immer mit gewissen Wohltaten oder auch Folterwerkzeugen. Der demokratische Zyklus läuft so ab, dass man im ersten Jahr nach der Wahl die Folterwerkzeuge ansetzt. Und im letzten Jahr vor der Wahl macht man die Geschenke. Im klassischen Sinn hat das auch Frau Merkel auch getan: Die Renten wurden erhöht, die Beiträge gesenkt, das Kinderbetreuungsgeld wurde eingeführt, die Praxisgebühr abgeschafft.

Nun bin ich aber auch noch auf Ihre Einschätzung zur Konstellation in den USA gespannt...

Heller: Nun, die derzeitige Situation in Amerika ist die beste für die Börse.

Warum?
Heller: Ja, weil einerseits der Senat noch mehrheitlich in den Händen der Demokraten ist, aber das Repräsentantenhaus in den Händen der Republikaner. Die Statistik zeigt, dass es, so lange diese Konstellation herrscht, schwierig ist, extrem einseitige, drastische Gesetze durchzupeitschen, weil immer ein Gegengewicht da ist. Und das ist gut für die Börse. Ein weiteres Positivum für die Börse ist ein Präsident von den Demokraten. Weil ein Demokrat mehr die Arbeitnehmer vertritt und deshalb vor allem mehr Jobs will. Diese bekommt er aber nur, wenn er der Wirtschaft Gutes tut. Deshalb ist das Wirtschaftswachstum unter einer demokratischen Regierung meist höher als unter einer republikanischen, weil die Republikaner die Vermögenden sind. Die möchten inflationsfrei sein, aber nicht unbedingt großes Wachstum haben. Die Demokraten möchten mehr Wachstum und mehr Jobs, aber auch unter Inkaufnahme einer höheren Inflation. Das alles fördert natürlich die Aktienkurse. Die derzeitige politische Konstellation in den USA ist also für dieses und für die nächsten drei Jahre günstig für die Börse. Aber das ist nicht der einzige Grund.

Ein schöner Ausblick... Was wir von den kommenden Börsenjahren zu erwarten haben, möchte ich dann später mit Ihnen vertiefen. Vielleicht kehren wir zunächst noch einmal zum Inhalt Ihres Buches zurück?

Heller: Einverstanden. Sehr gerne.

Sie beschäftigen sich ausführlich mit dem Thema Rente und Altersvorsorge. Eine Ihrer Thesen lautet dabei: "Mehr Rendite statt mehr Kinder." Wie meinen Sie das?
Heller: Der Rüttgers hatte in Westfalen vor ein paar Jahren Wahlkampf geführt mit dem Spruch: "Mehr Kinder statt mehr Inder", oder so ähnlich. Das war ein ziemlich chauvinistischer Slogan. Er hat dann auch zu Recht verloren. Unter Adenauer und Erhard gab es in der 50er Jahren, als das umlage-basierte Versicherungssystem, die Rentenversicherung, wieder neu konzipiert wurde einen Zwist. Erhard meinte, dass die Rente wie einstmals unter Bismarck kapitalgedeckt sein sollte, dass ein Stock von Geld angelegt werden müsse, der Zinsen bringt und aus sich selbst heraus mehr generiert, während Adenauer für ein umlagefinanziertes System plädierte. Das heißt, auf der einen Seite zahlt jeder ein und auf der anderen Seite nehmen diejenigen, die Anspruch haben, Geld heraus. Adenauer vertraute darauf, dass die Leute immer Kinder bekommen würden. In meinem Buch habe ich das Thema ausführlich beschrieben. Die Deutschen bekommen natürlich Kinder, aber es sind zu wenige. Und diejenigen, die sie als Rentner füttern müssen, werden immer älter. Sogar ein Sozialdemokrat wie Müntefering hat gesagt: Weniger Kinder,mehr Rentner, da genügt die Volksschule Sauerland, um zu begreifen, dass das nicht funktionieren kann. Das heißt, wir werden immer abhängiger vom Staat. Der kann aber immer weniger liefern. Die Rentenquote ist schon abgesenkt worden von ursprünglich über 70 Prozent auf heute inzwischen um die 52 Prozent. Vorgesehen ist, dass sie weiter abgesenkt wird auf 40 Prozent. Gerade im Hinblick darauf ist mein Buch umso wichtiger. Die Menschen müssen ihr Geld klüger anlegen, um auf eigenen Beinen zu stehen, damit sie so wenig wie möglich von den staatlichen Zufälligkeiten abhängig sind. Gerade Geringverdiener und manche Frauen, die unterbrochene Karrieren haben oder auch zu Unrecht schlechter bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen, müssen in ihrem eigenen Interesse, weil sie meistens auch älter werden als ihre Ehemänner, klüger anlegen.

Und wie legt man nach Ihrer Erfahrung klug an?

Heller: Das habe ich exemplarisch in dem Buch Gezeigt - mit einer Mischung von Aktien und Rentenpapieren, je nach Gusto. Auf jeden Fall Aktien, egal wie alt man ist! Wenn ich jung wäre, würde ich 100 Prozent in Aktien anlegen. Dann habe ich ja noch lange Jahre vor mir, bis ich in Rente gehe. Der Ansatz meines Buches ist, dass zwei Sicherheitsnetze eingebaut werden. Das eine sind die Rentenpapiere, mit denen man einen Stoßdämpfer hat, wenn an der Börse mal knallen sollte. Und das andere ist die Zusammensetzung des Portefeuilles.

Sie erklären dies gern mit der Aufstellung oder der taktischen Ausrichtung einer Fußballmannschaft, nicht wahr?

Heller: Ja! Sie müssen mal untersuchen, wie in der Bundesliga die Mannschaften aufgestellt sind. Von elf Spielern sind sieben vorwiegend mit der Verteidigung beschäftigt und nur vier mit dem Angriff. So müssen Sie auch ein Depot aufbauen. Denn wenn Sie es nach dem Gusto oder nach dem Zufallsgenerator machen, wie es Ihnen von der Bank vorgeschlagen wird, wird das nichts. Da ruft der Berater an und sagt: Wir haben eine günstige Anleihe, die rentiert gerade mit fünf Prozent. Die anderen Sachen, die man so kaufen kann, liegen nur bei drei. Das sind zwei Prozentpunkte mehr. Ich würde ich Ihnen dringend zum Kauf raten. Und Sie kaufen das Papier dann halt. Dann sagt er: Ja, die Siemens sind jetzt gerade günstig, die würde ich jetzt kaufen. Dafür würde ich die BASF verkaufen. Umsatz muss sein... Die Bank lebt nicht davon, dass sie nix tut an der Börse. Die müssen Umsatz machen, dann verdienen sie was. Auf diese Weise kommt ein Depot zustande von Kraut und Rüben, rein zufällig. Da steckt kein Konzept dahinter! Und dann kommt noch die menschliche Psyche dazu. Sie haben ein Wertpapier-Depot und die menschliche Psyche sagt Ihnen, dass Sie auf keinen Fall einen Verlust realisieren dürfen. Also verkaufen Sie die Aktien, die im Gewinn sind. Die im Verlust sind, verkaufen Sie nicht, weil Sie verdammt noch mal wollen, dass Sie den Kaufkurs wiederbekommen. Aber die Börse kümmert sich nicht darum, dass Sie das wollen. Aber dadurch, dass Sie so handeln und nur die im Gewinn stehenden Aktien verkaufen, kommt noch ein weiteres Schrott-Depot zusammen. Das heißt also, auf zwei Ebenen leben Sie in der Gefahr, ein Depot zusammenzubekommen, bei dem keine Idee, kein Konzept dahinter steckt.

Also wie sollte man es dann angehen?

Heller: Ich habe exemplarisch gezeigt, dass ein rein deutsches Depot mit DAX und REX, also deutschen Aktien und Anleihen, in 30 Jahren pro Jahr 8,8 Prozent gebracht hat. Mit einem Depot, das international angelegt war, mit Emerging Markets, also Schwellenländern, Substanzaktien und Nebenwerten hat man die Rendite von 8,8 auf 10,1 Prozent pro Jahr inklusive Dividende gesteigert und das Risiko um ein Drittel gesenkt. Das heißt also, die These, dass man eine höhere Rendite immer mit einem größeren Risiko erkaufen müsse, habe ich in meinem Buch widerlegt.

Nun hat Ihr Freund, André Kostolany, immer die vier großen "G" betont, die man an der Börse braucht, um Erfolg zu haben: Geld, Gedanken, Glück und Geduld. Aber eben auch Geld. Wenn ich Ihren Ausführungen so folge, dann stellt sich mir die Frage, ob wirklich jeder Anleger mit einfachen Mitteln und Methoden, wie Sie es beschreiben, ein stattliches Vermögen aufbauen kann... Heller: Als ich vor mehr als vierzig Jahren an der Börse begonnen habe, gab es solche fantastischen Vehikel und Vorkonstruktionen, wie es sie heute gibt, noch nicht. Damals haben wir noch zum Teil Kurse von Hand nachgezogen. Wer es sich leisten konnte, hat Hoppenstedt- Chart-Hefte gekauft. Heute stehen uns Datenbanken, wie Reuters und Bloomberg oder das Internet zur Verfügung. Auf Knopfdruck können Sie alles darstellen, was Ihnen gerade einfällt. Zweitens gab es solche Produkte wie die so genannten ETFs noch nicht. Das sind "Exchange Traded Funds" - börsengehandelte Fonds. Diese bilden einen Index nach, zum Beispiel den DAX. Wenn Sie einen DAX-ETF kaufen, dann kaufen Sie die 30 DAX-Werte in einem Produkt. Sie müssen sie also nicht einzeln kaufen, was Sie viele Spesen kosten würde. Sie können also diese ETFs wie eine Aktie kaufen zu vielleicht einem halben Prozent Provision, je nachdem bei welcher Bank Sie sind. Und damit kommen wir auf die Frage zurück, ob man auch mit einem kleineren Geldbeutel an die Börse gehen kann. Kann man sich mit einer Anlagesumme von 10.000 oder 20.000 Euro ein Depot stricken, das auch eine deutlich bessere Risikostreuung beinhalten würde, als man mit Einzelaktien erzielen könnte? Die großen, glamourösen Wachstumsaktien sind langfristig die Verlierer. Kaufen Sie lieber die biederen Substanzaktien, die auch eine anständige Dividende zahlen. Die sollten Sie übergewichten. Dann sollten Sie Nebenwerte kaufen. Nebenwerte dürfen Sie nicht zehn kaufen, sondern lieber 100, weil einige davon pleitegehen können. Also geht das wiederum nur über Fonds. Und Schwellenländer sollten Sie auch einbeziehen. Auch das geht eigentlich nur über Fonds, so dass Sie zum Schluss ein Depot haben, das weniger Einzeltitel enthält, aber dafür gut gemanagte Fonds oder auch die sogenannten ETFs. Deswegen kann ich aus ehrlichem Herzen sagen. Heute kann sich jeder auch mit kleinem Geld ein kluges Depot zusammenstellen. Das war früher in diesem Maße nicht möglich.

Wir leben in einer Informationsgesellschaft und werden von Nachrichten überflutet. Haben Sie eine Methode, wichtige von unwichtigen Informationen zu unterscheiden? Wie können wir diesem "Information Overload" begegnen, ohne dabei verrückt zu werden?

Heller: Da hilft natürlich die Erfahrung, dass man weiß, welche Sachen man liest und welche man nicht mehr liest. Ich weiß zum Beispiel, welchen Kommentator ich beachte oder welche Analysten ich lese und welche Berichte ich gar nicht lese, weil ich das jeweilige Urteil nicht schätze. Im Wesentlichen richte ich mich aber nicht nach Kommentaren von irgendjemandem, sondern nach fundamentalen Fakten. Das heißt also, ich filtere schon im Voraus das, was ich überhaupt lesen will, heraus. Außerdem habe ich mich mit dem, was ich angelegt habe, so postiert, dass ich mich jetzt nicht jeden Tag neu informieren muss, was jetzt gerade die BASF, Bayer oder Daimler macht. Ich bin so strukturiert, dass Ich gelassen ins Bett gehe und gelassen aufstehe.

Sie haben ja auch schon einige "Crashs" miterlebt...

Heller: Ja, es gehört schon eine gewisse Kaltblütigkeit dazu, die man sich im Laufe der Zeit angewöhnt, und auch ein etwas dickeres Fell. Ich erinnere mich noch, an den Tag nach dem Crash 1987. Da wurde ich vom Bayerischen Rundfunk zu einem Gespräch eingeladen, als die Börsenkurse an einem Tag um 23 Prozent gefallen waren, stärker als jemals zuvor in der Geschichte. Ich habe damals gesagt, dass ich heute schon Aktien gekauft hätte und morgen weiter kaufen würde. Die anderen haben alle nur verkauft. Doch ich lag richtig.