Die Franzosen

Coco Chanel

Coco Chanel, eigentlich Gabrielle Bonheur Chasnel, (geboren 1883 in Saumur, Pays de la Loire; gestorben 1971 in Paris) war Modedesignerin und Begründerin des Chanel-Modeimperiums sowie eine bedeutende Persönlichkeit der Mode-Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Ihr Einfluss auf die Haute Couture war von solch außerordentlicher Güte, dass die US-Zeitschrift Time Magazine sie als einzige Person dieser Berufsgruppe auf ihre Liste der 100 einflussreichsten Personen des 20. Jahrhunderts setzte. Ab 1916 war sie Wegbereiterin einer funktionellen Damenmode mit wadenlangem Rock, lose gegürtetem Oberteil und Kurzhaarschnitt. In den 1920er Jahren kreierte Coco Chanel das "Kleine Schwarze". 1923 brachte sie das Parfum "Chanel Nº 5" auf den Markt. Ab Mitte der 1950er Jahre wurde ihr Chanel-Kostüm mit einem losen, meist bordierten Jäckchen und einem ausgestellten Rock weltbekannt. Nach ihrem Tod konnte das Modehaus Chanel nicht an die Erfolge unter Coco Chanels Leitung anknüpfen. Es geriet in den wenig schmeichelhaften Ruf, Mode für reiche ältere Damen zu kreieren. Das änderte sich erst 1983, als Karl Lagerfeld begann, Mode für Chanel zu entwerfen und dem Haus zu seinem früheren Ruhm zurück zu verhelfen. Eigentümer ist nun die Familie Wertheimer.

Christian Dior

Christian Dior (geboren 1905 in Granville, Normandie; gestorben 1957 in Montecatini Terme, Italien) war Gründer des nach ihm benannten Mode-Unternehmens.

Dior wurde als Sohn eines Großindustriellen in der Normandie geboren. Zunächst entwarf er Hutmode für die Zeitung Le Figaro und Modeskizzen für Pariser Haute Couture Modehäuser. 1946 wurde er von dem vermögenden Textilfabrikanten Marcel Boussac engagiert, um als Modeschöpfer die künstlerische Leitung für ein neu zu gründendes Haute-Couture- Haus zu übernehmen, das von Boussac finanziert werden sollte. Das Unternehmen Christian Dior S.A. wurde 1946 mit einem Grundkapital von 60 Millionen Francs gegründet. Schon die erste Modekollektion, die Dior im Februar 1947 vorstellte, wurde ein großer Erfolg. Gekennzeichnet war Diors Mode durch eine schmale Taille, ein figurbetontes bzw. Korsett-gestütztes Oberteil, weite, schwingende Röcke aus edlen Materialien in verschwenderischen Mengen sowie Wagenradhüte und lange Handschuhe. Kritiker bemängelten eine Rückkehr zu fraulich-romantischer Mode in Zeiten sich emanzipierender Damen, aber Diors Einfluss war beträchtlich: binnen weniger Monate wurden seine hochpreisigen Haute Couture Entwürfe vom Massenmarkt aufgegriffen, und somit erreichte der Dior-Stil auch die Frau auf der Straße. Dior erkannte früh den Wert des Parfüm-Geschäfts und lancierte noch 1947 den bis heute erhältlichen Damenduft Miss Dior als erstes Parfüm der neu gegründeten Christian Dior Parfums. Auch das Lizenz-Geschäft machte sich Dior zunutze. Mit zahlreichen ertragreichen Lizenzen, die er weltweit vergab, baute er sich in wenigen Jahren ein Mode-Imperium auf. Er galt in seiner Zeit als der berühmteste und einflussreichste Couturier der Welt. Zu seinen Kundinnen zählten Prinzessin Margaret, die Königin von England, Soraya von Persien, Marlene Dietrich, Evita Peron, Olivia de Havilland oder Rita Hayworth. Am 24. Oktober 1957 verstarb Christian Dior unter bis heute nicht vollständig geklärten Umständen. Als wahrscheinlichste Todesursache wird ein Herzinfarkt angenommen. Diors Lizenzpolitik für Kosmetika, Strümpfe und Accessoires wurde nach seinem Tod zu einer erfolgreichen Marketingstrategie und fand zahlreiche Nachahmer in der Mode-Branche. Den jungen Yves Saint Laurent hatte Dior 1953 zu seinem Assistenten gemacht. Saint Laurent wurde 1957 Diors Nachfolger als Chef-Designer des Hauses Dior.

Yves Saint Laurent

Yves Henri Donat Mathieu-Saint-Laurent (geboren am 1936 in Oran, Algerien; gestorben am 2008 in Paris) gründeter 1961 das Modeunternehmen Yves Saint Laurent in Paris.

Saint Laurent, der von der Fachwelt als "Revolutionär" des Modedesigns gewürdigt wurde, wirkte in der Modewelt vielfach stilbildend und gilt auch nach seinem Tod als Koryphäe auf dem Gebiet der gehobenen, eleganten Damenmode. Saint Laurent, der von 1953 bis 2002 in Paris tätig war und seine Karriere als Assistent von Christian Dior begonnen hatte, verkörperte wie nur wenige andere Designer die französische Haute Couture Mode. Den größten Einfluss hinterließ 1967 seine Kreation eines Hosenanzuges für Frauen ("Le Smoking"), der die weibliche Form elegant und sachlich zugleich zur Geltung brachte und damit auch emanzipatorisch wirkte. Das Unternehmen und damit die Marke Yves Saint Laurent, kurz YSL, bestehen bis heute und ist seit Ende 1999 im Besitz der Gucci- Gruppe, welche wiederum von 1999 bis 2004 schrittweise von dem französischen PPR-Konzern aufgekauft wurde. Unter dem Namen Yves Saint Laurent werden über ein eigenes Netzwerk von Boutiquen und den gehobenen Einzelhandel weltweit hochpreisige Prêt-à-porter Bekleidung für Damen und Herren sowie Lederwaren, Schuhe, Uhren, Schmuck, Brillen, Accessoires, Parfüms und Kosmetik im Luxusgüter-Segment angeboten. Derzeitiger Chefdesigner aller Kollektionen ist seit März 2012 Hedi Slimane. Ein Relaunch der Haute Couture Kollektion, die 2002 eingestellt worden war, wurde 2012 von Slimane in den Raum gestellt.

Nina Ricci

Nina Ricci (geboren am 1883 in Turin; gestorben 1970) war eine Designerin und Gründerin des gleichnamigen französischen Modehauses. Maria war im Alter von 12 Jahren 1895 mit ihrer Familie nach Frankreich gekommen und begann dort eine Schneiderlehre.

1904 heiratete sie den Juwelier Luigi Ricci, mit dem sie einen Sohn hatte. Ab 1908 war sie zwei Jahrzehnte lang Modedesignerin im Modehaus Raffin, an dem sie später Inhaberpartner wurde. 1932 gründete sie, mit Sohn Robert als Gesch.ftsführer, ein eigenes Unternehmen in Paris, für das sie Gewänder in romantischem, betont femininem Stil entwarf. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges erzielte das Unternehmen durch Teilnahme an einer Modeschau Pariser Couturiers im Louvre-Museum seinen internationalen Durchbruch. Es folgten Ausstellungen in Europa und den USA, der Aufstieg zum heutigen internationalen Modekonzern hatte begonnen. 1946 kreierte Robert Ricci ein erstes Parfum, Coeur Joie, dem in Zusammenarbeit mit dem Parfümeur Francis Fabron 1948 ein moderneres zweites folgte, L'Air du Temps. Diese Marke, abgefüllt in Flakons nach Entwurf von Marc Lalique, wurde zum bis heute bekanntesten und meistverkauften Duft des Unternehmens. Im Kleidungsbereich wurden unter anderem Uniformen für Flugbegleiter entworfen. Anfang der 1950er Jahre zog sich Nina Ricci aus der aktiven Tätigkeit zurück; sie starb im Alter von 87 Jahren.

Louis Vuitton

Louis Vuitton (geboren 1821 in Lons-le-Saunier, gestorben am 1892 in Asnières) war ein französischer Handwerker und Unternehmer, der 1854 in Paris die Louis Vuitton Malletier S.A. gründete.

Der gelernte Koffermacher Vuitton erkannte in Zeiten des Umstiegs vom Reisen in der Kutsche zum Reisen mit der Eisenbahn oder auf Dampfschiffen Mitte des 19. Jahrhunderts, die veränderten Bedürfnisse der wohlhabenden Gesellschaft in Bezug auf Reisegepäck. So erlangte er mit hochwertigen Koffern und exklusivem Gepäck, das schon wenige Jahre nach der Unternehmensgründung international als Statussymbol galt, Weltruf. Das von Vuitton gegründete Unternehmen ist heute ein weltweit agierender Luxuswaren-Konzern mit einem internationalen Netzwerk von eigenen Ladengeschäften und gehört seit 1987 zur LVMH Moët Hennessy, Louis Vuitton S.A.

Jean Paul Gaultier

Jean Paul Gaultier (geboren 1952 in Arcueil, Frankreich) hatte niemals eine Ausbildung als Modedesigner. Er begann jedoch schon als sehr junger Mann seine Modeskizzen berühmten Modeschöpfern zuzusenden.

Pierre Cardin war von seinen Fähigkeiten beeindruckt und engagierte ihn im Jahr 1970 als Assistent. Seine erste eigene Kollektion stellte Gaultier 1976 vor. 1978 gründete er die Jean Paul Gaultier SA. Seit 1997 kreiert Gaultier unter dem Namen Gaultier Paris auch Haute Couture Kollektionen. Darüber hinaus bietet er derzeit eine Prêt-à-porter Kollektion für Damen sowie eine Kollektion für Herren an. Zudem gibt es im Accessoire-Bereich für Damen Schmuck, Lederwaren, Schuhe und Brillen von Jean Paul Gaultier. Der Umsatz der Marke Gaultier lag 2009 bei rund 23 Millionen Euro.Gaultier kreiert sehr ausgefallene, oftmals kaum tragbare Mode, die er häufig in Happenings vorstellt. Dabei setzt er gerne unkonventionelle Modelle wie ältere, übergewichtige Frauen oder gepiercte und tätowierte Personen ein. Eines seiner Markenzeichen ist das weiße Langarm-T-Shirt mit schmalen blauen Querstreifen im Marine-Stil. Viele seiner Kreationen leiten sich von Alltagskleidung und der Pop-Kultur ab, während seine Haute-Couture-Entwürfe gleichzeitig streng formal und verspielt sind. Er machte Röcke für Männer populär und entwarf die Kostüme für viele Filme. Gaultier war überdies ab 2004 der Designer der Damen-Modelinie von Hermès. Hermès hielt am Unternehmen Jean Paul Gaultier ab 1999 eine Beteiligung von 35 %, die 2008 auf 45 % erhöht wurde. Mit der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2011 endete Gaultiers Arbeit für Hermès, nachdem der einstige Firmenchef, Jean-Louis Robert Frédéric Dumas-Hermès, welcher Gaultier 2004 eingestellt hatte, 2010 verstorben war. 2011 wurde bekannt, dass das Haus Hermès den Anteil am Unternehmen Gaultier verkaufen will. Anfang Mai 2011 wurde verkündet, dass die spanische Puig-Gruppe - ein Parfüm-Hersteller, zu dem auch die Modemarken CarolinaHerrera, Nina Ricci und Paco Rabanne gehören - den 45 % -Anteil an Gaultier von Hermès übernimmt. Zudem kaufte die Gruppe einen 15%igen Firmen-Anteil von Jean Paul Gaultier ab und hält damit 60 % an dem Unternehmen. Die verbleibenden 40 % hält Jean Paul Gaultier selbst. Ab 2016 wird Puig zudem die Parfüm- Lizenz von Gaultier übernehmen, die bislang im Besitz von Beauté Prestige International ist.

Daniel Hechter

Der französische Modedesigner Daniel Hechter (geboren 1938 in Paris) wurde der größeren Öffentlichkeit bekannt, als Brigitte Bardot 1957 in dem Film "Une Parisienne" ein von ihm entworfenes Modell trug.

1962 gründete er seine eigene Firma, Daniel Hechter Paris, und stellte seine erste Kollektion vor. Später verlegte er sich darauf, aus seinen modischen Entwürfen Kollektionen für breite Käuferschichten herzustellen. Daniel Hechter wird zu den Wegbereitern des Prêt-à-porter gezählt. In den 1970ern produzierte er auch Ski- und Tennisbekleidung. Eine von Daniel Hechters Vorlieben gehörte dem Fußball: So war er einer der größten Geldgeber für die Mannschaft von Paris Saint-Germain FC und von 1974 bis 1978 deren Vereinspräsident, für die er persönlich einen neuen Dress entwarf. Als der Klub wegen schwarzer Kassen in die Kritik geriet, legte er sein Amt nieder, blieb dem Ligafußball aber verbunden; zwischen 1986 und 1989 übernahm er noch einmal eine Führungsaufgabe, diesmal bei Racing Strasbourg. 1997 zog er sich aus dem Bekleidungsgeschäft zurück und lebt jetzt in der Schweiz in Genf. 2000 erschien sein Buch "Le Boss". 1998 erwarb die Miltenberger Otto-Aulbach-GmbH die Marke Daniel Hechter.

Christian Lacroix

Christian Lacroix (geboren 1951 in Arles) ist Gründer des nach ihm benannten Modeunternehmens. Geboren in Trinquetaille, einem Stadtteil von Arles, verbrachte Lacroix seine Kindheit überwiegend bei seinen Großeltern.

Diese prägten ihn nachhaltig auf Stil und Eleganz. 1987 gründete Lacroix sein eigenes Unternehmen und brachte seine erste eigene Haute-Couture-Kollektion heraus. Er war für seine opulent-eleganten Damen-Roben in leichten, farbenfrohen - gerne roten - Stoffen bekannt. Eines seiner Markenzeichen war der von ihm kreierte Ballonrock Le pouf. Lacroix selbst war immer mehr Künstler und weniger Geschäftsmann. Die Tragbarkeit der mitunter atemberaubenden Modelle stand nicht notwendigerweise im Vordergrund. Lacroix war - mit einigen wenigen anderen Designern - der Inbegriff der unbezahlbar teuren Pariser Haute Couture. 1993 übernahm die LVMH-Gruppe die Marke Christian Lacroix komplett. Anfang 2005 veräußerte LVMH das Unternehmen Christian Lacroix an die amerikanische Falic Group, einen Betreiber von amerikanischen Duty-free-Shops. Der Verkauf wurde mit der Tatsache begründet, dass die Marke seit ihrer Gründung 1987 "nicht in die schwarzen Zahlen geführt werden konnte". Lacroix selbst blieb Chef-Designer und Minderheitsaktionär. Ende Mai 2009 meldete das Unternehmen Lacroix Insolvenz an. Im Juli 2009 präsentierte Lacroix seine vorerst letzte Haute Couture Kollektion in Paris, für welche er eigene finanzielle Mittel aufwendete und auf beteiligte Firmen, die auf eine Bezahlung verzichteten, angewiesen war. Lacroix verließ das von ihm gegründete Unternehmen Ende 2009. Lacroix selbst besitzt weiterhin seine 2005 gegründete Firma XCLX, die sich dem Design von Theaterkostümen, Hotels und Inneneinrichtungen oder Parfüms für den Kosmetikkonzern Avon widmet und nicht Teil des Insolvenzverfahrens ist.

Emanuel Ungaro

Emanuel Ungaro (geboren 1933 in Aix-en-Provence) ist Modedesigner. Das von ihm gegründete und nach ihm benannte Unternehmen für Damen- und Herrenmode sowie Accessoires existiert bis heute, wird aber seit 2004 ohne Ungaro geführt.

Emanuel Ungaro begann seine Laufbahn als Sohn italienischer Eltern in den frühen 1950er Jahren als einfacher Schneider in Aix-en-Provence. Er schuf Kleider für seine Schwestern, welche Gelegenheit hatten, diese bei Festlichkeiten der gehobenen Gesellschaftsschichten in Italien zu tragen. Ungaro arbeitete in Folge als Stilist, zog nach Paris, gründete sein eigenes, nach ihm benanntes Haute Couture Modelabel. Bekannt wurde Ungaro für seine außergewöhnliche Arbeitsweise: er entwarf ganze Kollektionen ohne vorherige Skizzen direkt am Model, wobei er - bei klassischer Musik - die Stoffe direkt auf das Mannequin drapierte, modellierte, zupfte, steckte, glättete und faltete, "bis auch die raffinierteste Robe auf den Leib geschneidert war." Zu seinen Kundinnen zählten Jackie Kennedy oder Marie Helène de Rothschild. Seine Damenmode war stets elegant, sehr feminin, verführerisch und sexy. Markenzeichen bei der Damenmode Ungaros waren großformatige, farbenfrohe, oft florale Printmuster auf luftigen, wallenden Stoffen. 1973 lancierte Ungaro seine Herrenkollektion, Ungaro Uomo. In den 1980ern wurden zahlreiche Parfums unter dem Namen Ungaro lanciert. Das Haus Ungaro vergab im Laufe der Zeit zahlreiche Lizenzen für untergeordnete Modelinien oder Parfums, Mitte der 1990er waren es an die siebzig. Da das Haus Ungaro einen finanzkräftigen Partner brauchte, wurde es 1996 von der italienischen Ferragamo-Gruppe für ca. $ 50 Mio. zu 75 % übernommen, Ungaro blieb mit 25 % Minderheitsaktionär und weiterhin Firmen-Präsident. Die äußerst kostenintensive Haute Couture Linie wurde 2004 eingestellt und Emanuel Ungaro selbst verließ nach einer sechs-monatigen Phase, in der er nichts mehr designte, das von ihm gegründete Unternehmen.