Ja, ja - die Liebe: Ist Romantik heute noch modern?


Früher war doch alles einfach: Der Mann hatte ein Mädchen ins Auge gefasst, die Eltern um Erlaubnis gebeten und eine Verabredung vereinbart. Wenn sie sich gut verstanden haben, wurde geheiratet und Kinder gezeugt. Heute ist alles durcheinander. Da wird per Computer im Chat geflirtet und die Babys kommen aus der Retorte. Frauen können Schwangerschaften auf später verschieben, erst einmal Kar riere machen und brauchen den Mann nicht mehr als Versorger. Jede zweite Ehe in Großstädten wird geschieden, Seitensprünge sind normal und Paare treffen sich in Swinger-Clubs. Soll man da noch an die wahre Liebe glauben? Erst recht! Disy hat die Liebe von heute unter die Lupe genommen.  

Wenn wir uns für einen Partner entscheiden, werden wir von gesellschaftlichen Prägungen und unserer Umwelt mitbestimmt. Mit wem wir eine Beziehung eingehen, wen wir womöglich auch heiraten, den müssen wir erst einmal treffen. Studien zeigen, dass wir meistens im engeren Umfeld suchen. Es ist nicht unbedingt so, dass man sich einen bestimmten Partner vorstellt und dann versucht, ihn zu finden. Partnerwahl heißt auch, eine Auswahl zu treffen unter denjenigen, denen man begegnet. Die Chancen, dass aus dem Treffen eine feste Beziehung wird, sind hoch, wenn Dinge wie Hobbys, Religion, Beruf oder Ausbildung übereinstimmen. Studien beweisen: Mehr als zwei Drittel aller nach dem Zweiten Weltkrieg geborenen Frauen heiraten Männer aus der gleichen Bildungsschicht. 

Was wir dann als Liebe begreifen, ist meistens von historischen Prägungen bestimmt. An romantische Gefühle glauben wir in Mitteleuropa erst seit 200 Jahren. Daran haben auch Trennungen, Scheidungen und Enttäuschungen nichts geändert. Wir leben heute bevorzugt in serieller Monogamie, was bedeutet, dass wir mehrere treue Partnerschaften hintereinander haben und jedes Mal glauben, dieses Mal ist es die große Liebe, mit dem Mann hält es für immer.

Das hat seinen Grund, denn: Das heutige Ideal ist immer noch die feste, treue Liebesbeziehung. Interessanterweise bedeutet das aber etwas ganz anderes als früher, denn damals wurde die Partnerschaft von äußeren Normen gesichert. Heute ist es vielmehr so, dass es eine bewusste Entscheidung dafür gibt, in eine treue Partnerschaft zu gehen. Die Beziehung wird nicht mehr wegen der äußeren Einflüsse eingegangen, sondern um ihrer selbst Willen und macht sie deswegen auch viel unbeständiger. Wie ernst wir es jedes Mal meinen, beweisen auch viele Studien. Soziologen haben festgestellt: Sexualität ist heutzutage nicht mehr so entscheidend für die Beziehung wie noch vor dreißig Jahren. In der Partnerschaft sucht die Mehrheit heute eher Nähe und Wärme.  

Der Mann will seine Gene „verstreuen“

Warum aber können sich heute die wenigsten Menschen mit einer festen Beziehung zufrieden geben? Scheidungen, Seitensprünge, parallele Affäiren. Die Wissenschaflter meinen, es liegt daran, dass die Menschen unbewusst an häufiger Fortpflanzung interessiert sind und ihre Gene weit verstreuen müssen. Deshalb sucht der Mann immer wieder nach neuen Partnerinnen.  

Frauen führen oft Doppelbeziehungen

Frauen sind entgegen herkömmlicher Meinung nicht besser. Sie flirten gern, gehen während ihrer fruchtbaren Tage besonders häufig aus und zeigen, laut Wiener Wissenschaftlern, während ihres Eisprunges mehr nackte Haut. Außerdem haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass Frauen heute häufig eine Doppelstrategie verfolgen: Sie halten ihren Partner, suchen aber gleichzeitig weiter nach einem anderen. Finanzielle Sicherheit ist Frau wichtig, um Kinder gut versorgen zu können. Ein sicherer Hafen. Doch oft hat die Frau nebenbei Affäiren. Aktuelle Zahlen besagen, dass jedes siebte Kind in einer Ehe nicht vom Ehemann ist.  

(Disy Winter 2005)