Ich bin ein Mann, ich bin stark!

Könnten Männer noch erfolgreicher und liebenswerter sein, wenn sie Gefühle besser wahrnehmen, akzeptieren und zulassen? Wie können Personen des Umfeldes sie dabei unterstützen? Warum müssen Männer stets stark sein?

Die Tatsache, dass Männer nicht gern Gefühle zulassen, hat viele Ursachen und eine lange Geschichte in der Entwicklung der Menschheitskultur.

Die ursprüngliche biologische Programmierung für bestimmte Aufgaben und Bereiche setzt einen uralten „männlichen Selbstschutzmechanismus“ in Gang, der ihnen den Zugang zu diesen beziehungsorientierten und gefühlsbezogenen Bereichen erschwert.

Männer definieren sich sehr stark über messbare Ergebnisse. Beim Streben nach Erfolg und Selbstverwirklichung sind bei vielen Männern Werte und Identitäten wie Unabhängigkeit, Abgrenzung, Selbstdarstellung, Konkurrenz stark verankert. 

Das sind männliche Stärken, die sie auch oft nach außen zeigen.

Fakt ist, dass auch Männer vielfältige Gefühle in sich tragen. Sie sind jedoch oft nicht in der Lage, diese zu zeigen.

Ihr Anspruch: „Der Erfolgreiche, der Starke, das Vorbild ...“ zu sein, be(ver)hindert oft das Zulassen von Gefühlen, das Eingestehen von Schwächen sowie die Kommunikation darüber.

Die Bedenken (die Angst) Anerkennung und Image zu verlieren, haben meistens Schwächen zu kaschieren oder zu kompensieren. Das „Verstecken“ der Gefühle kostet sie auch viel Energie, die ihnen dadurch verloren geht.

Viele Männer betrügen sich dabei selbst, wenn sie glauben, dass Andere dieses Phänomen nicht bemerken.

Auch wenn vor allem junge Männer von einem anderen Rollenverständnis sprechen, befinden sie sich unbewusst (der heute erwachsene Mann wurde frühzeitig „geprägt“) oder über objektive Zwänge in einem System der alten Männerwelt.

Traditionelle Rollenbilder und Wertesysteme wirken sehr nachhaltig und lange, ohne dass es dem Einzelnen bewusst oder von ihm beabsichtigt ist.

So wird die Beschaffung des Lebensunterhalts für die Familie und die Sicherung einer guten Entwicklung der Kinder dem Mann zugestanden, obwohl Millionen Frauen das inzwischen allein tun.

Wenn es um die Sicherung von Existenz und Perspektive geht, scheinen Gefühle erst recht keinen Platz zu haben. So fühlen sich auch Männer zunehmend gefordert und gestresst.                       

(Heidemarie Schirmer, Disy Frühling 2006)

 

Mehr Information bei:

Dipl. Päd. Heidemarie Schirmer

Telefon: 035243-32805

 

Helfen Sie ihm, Gefühle zu zeigen!

- Männer werden dann bereit und fähig sein, auch auf der Gefühlsebene zu agieren, wenn sie dadurch ihren persönlichen Erfolg verstärken können.

In diesem Erfahrungslernen benötigen sie eigene Sicherheit und Vertrauen in ein berechenbares Umfeld, damit sie den Zugang zu diesen weichen Seiten ihrer Persönlichkeit auch finden.

Beispiel:

So ist das Nörgeln, Einklagen und Opponieren der Partnerin nach mehr Zuwendung oder Transparenz zu Beweggründen eben nicht hilfreich, sondern verschlimmert nur Distanz und Kommunikationsblockaden.

- Frauen sollten ihrem Mann, Kollegen oder Vorgesetzten Bestätigung geben, dass er sich angenommen und akzeptiert fühlt.

Dazu ist jedoch folgende ehrliche Grundhaltung der Frauen notwendig:

- Männer sind so zu akzeptieren, wie sie sind.

- Sie sind nicht zu „erziehen“.

- Nur sie selbst können sich verändern.

- Durch kluge und sensible Aktion und Reaktion können wir dabei  unterstützen.

So ist es z.B. hilfreich, wenn die Nerven des Mannes blank liegen und Verunsicherung herrscht, ihn vor Image-/Gesichts-Verlust zu bewahren. So wird er eher zulassen, auf der Gefühls-ebene zu agieren. Fühlt er sich in seiner Männlichkeit angegriffen oder verunsichert, wird es schwerer sein, ins Gespräch zu kommen. Sie alle kennen wahrscheinlich genügend Situationen von typischen Blockaden, die durch den männlichen Schutzmechanismus entstehen.

- Männer müssen selbst erfahren und begreifen, dass der Umgang mit Gefühlen vordergründig für sie eine hilfreiche Lebensfassette sein kann, um noch stärker und erfolgreicher zu sein.

Lassen Sie ihn deshalb positiv spüren, wie seine Bemühungen ihnen gut tun oder zeigen Sie auf, welche Ziele er damit erreicht.

- Sprechen Sie klar Wünsche und Erwartungen aus.

Sagen Sie entsprechend  der Situation, welches konkrete Handeln auch für den Mann nützlich und erfolgreich ist.

Männer sollten mehrfach erleben (möglichst noch in der Annahme, dass es ihre Idee war), dass dieses neue Handeln unter Einbeziehung der Gefühlsebene zum Erfolg führt. Dann wird dieses Vorgehen positiv konditioniert/gefestigt und rückt aus dem unbekannten in den bekannten Bereich der verfügbaren Ressourcen.

Damit ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Sie bewusster (berechnender) auf der Gefühlsebene agieren. Sie verstärken ihren persönlichen Erfolg, indem unterschiedliche Bedürfnisse nach Kommunikation und praktischem Handeln von bestimmten Menschen besser befriedigt werden können.

- Männer brauchen Ermutigung zum Agieren auf der Gefühlsebene. Sie sind in diesen ihnen „fremden“ Bereichen oftmals ungeübt, unsicher und vielleicht auch unbeholfen.

Gewähren Sie ihnen die „Übung“, haben Sie Geduld und sind Sie tolerant, wenn die Versuche „fehlschlagen“.

Beobachten Sie seine Aktionen, aber „kommentieren“ Sie sie nicht. Achten Sie darauf, dass Ihre nonverbale Rückmeldung, Ihre Körpersprache neutral oder ermutigend sind.

- Schützen Sie Ihren geachteten oder geliebten Partner, wenn andere Personen seine Transparenz zu Gefühlen oder sein Mitgefühl und seine Ehrlichkeit ausnutzen.

- Indem der Mann immer mehr auch „Gefühle zur Sache“ macht, wird das Wahrnehmen und Zulassen von Emotionen und das Agieren auf der gefühlsmäßigen Ebene ein „wirksames Instrument“ für seinen persönlichen Erfolg.

Weshalb reagieren Männer lieber auf der Sachebene, weshalb sind sie oft von Gefühlen verunsichert? 

Warum verdrängen sie diese oder schützen sich vor solchen emotionalen Themen?

JOS-Coach Heidemarie Schirmer hat Dresdner Männer gefragt und Reaktionen gesammelt:

- Abwenden, schmunzeln und Verlassen des Raumes  

- Gesprächsbereitschaft besteht, Bemerkung: „Das weiß ich auch nicht ...“

- Feststellung: „Das ist eine gute Frage, das möchte meine Frau auch gern wissen. Wenn Du den Artikel geschrieben hast, zeige ich ihn ihr.“

- „Männer sind nicht immer stark.“

- Verweis, dass das alles im  Buch „Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken können“ steht.

- „Wenn ich Gefühle zulasse, gehe ich in der Wirtschaft unter!“

- Gefühle sind was für Frauen ...“