Winter 2006: Ja oder Nein?

Die ältesten und kürzesten Worte, „Ja und Nein“, sind die, die das meiste Nachdenken erfordern!
Pythagoras

Was hindert uns daran, NEIN zu sagen? Ist es Angst vor dem Schweigen oder der drohende Verlust einer Verbindung oder Freundschaft? 

Jeder von uns ist ein einzigartiges Individuum. Sie oder Er haben Träume und Wünsche und die eigene Weise, die Welt zu sehen. Diese Andersartigkeit im Denken und Fühlen zu akzeptieren ist die Grundvoraussetzung für Sympathie bei anderen und für Verständigung. Stimmt doch – oder etwa nicht? Spätestens jetzt werden Sie sich fragen, welchen Bezug hat das bisherig Beschriebene auf die kurze Überschrift? Missverständnis, Ärger und Konflikte begleiten uns in rasanter Zunahme im Alltag und Sie werden zustimmen, auch öfters dem Fehlverhalten und Konflikten mit anderen Menschen ausgesetzt zu sein. Nach dem Grundsatz Täter-Opfer-Beziehung ergibt sich die Frage, ob wir nicht zu oft zustimmen oder JA sagen, obwohl wir NEIN sagen wollten oder gar mussten.

Was hindert uns daran, eine klare Sprache zu sprechen? Ist es Angst vor dem Schweigen nach einem Nein oder der drohende Verlust einer Verbindung oder Freundschaft? Schwingt die Erfahrung der Kindheit, die Strafen der Eltern, die häufig mit Nein begannen, nach? Unterwerfen wir uns vielleicht sogar freiwillig, obwohl wir den Verlust an Selbstwertgefühl und Stolz schmerzhaft fühlen? Eventuell kümmern wir uns auch zu wenig um uns selbst und unsere eigenen Bedürfnisse und können schon deshalb nicht Nein sagen. Wenn dem so ist, werden wir bald zur Last für andere, weil sie sich von unserem Unwillen und Schuldgefühlen erdrückt fühlen. Nicht etwa Dankbarkeit ist die Folge, sondern die Freundschaft oder Liebe wird langsam verloren gehen.

Noch schlimmer, es besteht durch unser Ja-sagen die Gefahr, den Respekt uns wichtiger Menschen und unsere eigene Glaubwürdigkeit zu verlieren. Die andauernde Selbsttäuschung, die damit einhergeht, führt dazu, dass unsere Zukunft schon in der Vergangenheit verbraucht wird. Was bleibt dann noch, um Träume und Wünsche zu verwirklichen? Umso mehr lohnt es sich, sich einen Ruck zu geben, zum herzlichen, aber bestimmten Nein in der gebotenen Situation. Weniger Fremdbestimmung, das Leben des eigenen Lebens und der Respekt der Umwelt sind die Folge für die Kraft der Ehrlichkeit. Wünschen wir uns die dafür erforderliche Courage für das Jahr 2007 und sagen wir JA zu uns selbst.