• Januar 22, 2023
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Eine Kreuzfahrt mit der Wonder of the Seas

Wonder of the Seas - unterwegs auf dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt!

Von Louisa Fließbach

Groß, größer, Wonder oft he Seas – das Fazit schon mal am Anfang: Es war der Wahnsinn! Das größte Schiff der Welt ist eine fahrende Stadt, in welcher der Geschmack eines Jeden angesprochen wird. Eine Stadt, die 6.988 Passagiere über die Weltmeere schippern kann und eine riesige kulinarische, kulturelle, musikalische und sportliche Vielfalt bietet. Eine Stadt, die niemals schläft, sondern als riesiger Koloss dem Wetter trotzt und seine Gäste sicher von Hafen zu Hafen bringt – die Wonder oft the Seas. Das neueste Schiff der Welt, das größte und coolste von Royal Caribbean.

Nach einer anstrengenden Fahrt von München über die Alpen nach Rom – es hatte in der Nacht zuvor Waldbrände an der Zugstrecke gegeben – geht es für uns noch ca. eine Stunde weiter in die kleine Stadt Civitavecchia, die bedeutendste Hafenstadt im Raum Latium. Wir kommen in der prallen Sonne am kleinen Stadtbahnhof an. Wir schwitzen, unsere, an das deutsche Klima gewöhnten Köpfe, dröhnen langsam ein bisschen, doch ein Blick aus dem Bahnhof lässt allen Stress von unseren Schultern abfallen. Endlich sehen wir das Meer. Es ist strahlend blau, die Sonne scheint, einzelne Palmen säumen das Festland und keine einzige Wolke ist am Himmel zu sehen. Ganz weit in der Ferne entdecken wir endlich das, was wir uns nicht vorstellen konnten. Ein Schiff, so groß wie ein Fels, nur wenige Minuten Fußweg entfernt. Wir fahren erst mit einem kleinen Stadtbus, dann mit einem Hafenshuttle direkt zum Schiff.

Der Security-Check verläuft reibungslos. Heute steigen nur rund 1000 Passagiere ein, der Rest erst einen Tag später in Barcelona. Mit einem erfrischenden Getränk in der Hand, betreten wir unser Zuhause für die nächsten Tage. Der Bereich zum Einchecken wirkt recht normal auf uns, umso überraschter sind wir, als sich dahinter (der Eingang befindet sich auf Deck 5) eine riesige Flanierstraße eröffnet - die Royal Promenade. Fast an eine Mall erinnernd, läuft in den diversen kleinen Bars und Restaurants unterschiedliche Musik, Leute wuseln durcheinander, essen eine Pizza bei Sorento´s, trinken einen Café bei Starbucks oder genehmigen sich ein Bierchen in einem der vielen Pubs. Selten gab es einen Moment, der so beeindruckend auf unsere ganze Gruppe gewirkt hat. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus und beinah idiotisch stehen wir mit offenen Mündern vor dem Auto, welches mitten auf dem Platz steht, neben der fahrenden Bar „Rising Tide“ die gerade noch dasteht, bevor sie sich in die anderen Etagen begibt. Eine sehr nette junge Dame, Camille aus Frankreich, erklärt uns an der Guest Relation einige Dinge und soll im Verlauf unsere direkte Ansprechpartnerin werden.

Das Konzept der Wonder oft he Seas ist eine thematische Einteilung der Schiffsetagen und Bereiche in sogenannte Neighborhoods. Unsere Kabinen sind in der Nachbarschaft des Central Parks. Ein riesiger Park mitten auf dem Schiff mit 12.000 Pflanzen. Wir fahren mit dem Glasfahrstuhl auf unsere Etage. Orientierung fällt uns sehr schwer, alles ist einfach gigantisch groß und sehr viele Eindrücke prasseln auf uns ein, die wir erstmal verarbeiten müssen. In der passenden Schiffsapp finden wir den richtigen Weg – wir sind an der falschen Schiffsseite, also geht es für uns ab durch den Central Park.

Es riecht nach Lavendel und Grün. Wir schauen in den blauen Himmel, die echte Sonne und eine riesige Leinwand über uns an der Vorderseite des Schiffes, auf denen das Tagesprogram angekündigt wird. Auf dem Weg zur Kabine zieht eines der vielen Restaurants, die im Central Park ihren Platz finden, unsere Aufmerksamkeit auf sich, denn es ist offen, obwohl keine Essenszeit ist.

Im Park Café gibt es Eiswasser, Limonade und Kaffee, belegte Sandwiches, eine Salattheke, hinter der ein netter Mann den Salat unserer Wünsche zusammenstellt und täglich wechselnde Suppen. Außerdem bietet das Café eine Nachtischauswahl, von der wir uns ein paar Haferkekse mit auf die Hand nehmen. Es schmeckt unfassbar gut.

Den ersten Eindrücken erliegend, besticht in der Kabine vor allem das große, weiche Bett. Der kleine, aber süße Balkon und das modern ausgestattet Badezimmer machen den ersten Eindruck perfekt. Die Reise kann starten.

Wir essen jeden Abend im Main Dining um 20 Uhr an einem uns zugewiesenen Tisch, wie Camille uns erklärt. Das Main Dining erstreckt sich über drei Etagen und sieht nicht nur durch seine Größe opulent aus. Goldene Kronleuchter, warme Farben, schick arrangierte Tischgedecke und ein Meer von Menschen. Engagierte, gestresste, freundliche Kellner, Restaurantleiter und Köche rennen durcheinander, um schnellstmöglich alle Gäste zu platzieren und zu verköstigen. Schließlich will hier kein Gast lange stehen, geschweige denn auf sein Essen warten. Nachdem wir uns nach einigen Gesprächen einen angenehmen Tisch etwas abseits von dem Wirbel und der Hektik gesucht haben, können wir uns voll und ganz auf die kulinarische Reise einlassen. Im Hauptspeisesaal gibt es aromatische Kreationen, die sämtliche Essensrichtungen abdecken und täglich wechseln.

Das Menü besteht in der Regel aus drei Gängen, wobei die Gäste soviel bestellen können, wie sie wollen. Schmeckt die Vorspeise so lecker, kann sie auch nochmal geordert werden. An den Nachbartischen beobachten wir Gästegruppen, die bereits seit einer knappen Woche auf dem Schiff sind. Sie sind „per du“ mit den Kellnern, bekommen direkt ihren Lieblingswein eingeschenkt und ihr Essen ist je nach Glauben und Überzeugung individuell angepasst. Egal ob halal, vegetarisch oder koscher – jedem Gästewunsch wird mit einem Lächeln nachgekommen und von der Küche ausgezeichnet umgesetzt. Koch Marlon aus Venezuela und sein Team übertreffen sich täglich. Es geht schnell und schmeckt hervorragend. Findet man nichts im aktuellen Menü, kann man zur Baked French Onion Soup mit Käse überbacken, Herb-Crusted Salmon oder einer der anderen Speisen auf der immer bestehenden Karte bestellen.

Auf die Qualität wird stets geachtet und es wird natürlich liebevoll angerichtet. Nach dem Essen geht auf der Wonder of the Seas die Stimmung erst richtig los. Die Gäste, die tagsüber von Bord waren, sind wieder gestärkt und bereit, bis in die Nacht etwas zu erleben. In den vier Theatern des Schiffes findet Jeder einen Platz, langweilig wird es nie. Wir gehen zuerst in das Aqua Theater. Die Show hatte uns Camille empfohlen. Ein Outdoor Theater auf einem Schiff mit 10.000 Passagieren, bei dem Turmspringer auf olympischem Niveau aus 10 Metern in ein Wasserbecken fallen, welches zuvor noch als Bühne zum Tanzen diente, hatten wir zuvor noch nicht gesehen. In dem Wasserbecken befinden sich rund 520.000 Liter Wasser – es wird getanzt, Wasser gespritzt, gesprungen akrobatische Kunststücke präsentiert, mit Leuchtstäben jongliert und das alles zu emotionaler, lauter, aufbrausender Musik, welche das ganze Bug des Schiffes erschüttert. Was für eine Show!

Direkt neben dem Theater befindet sich die Sportsbar, in der man Bier vom Fass, live übertragene Fußballspiele und Billard genießen kann. Gegenüber sehen wir ein Hot Dog Restaurant und zwischen den beiden ein Karussell. Hier findet jeder Mensch jeden Alters eine spannende Aktivität, um die Nacht zum Tag zu machen. Hat man keine Lust auf eine der Shows, kann man auf Deck 5 Karaoke singen, im Central Park entspannter Musik lauschen (oder noch etwas essen), eine Runde über´s Deck joggen oder Golf spielen.

Für die ganz mutigen Passagiere bietet die Wonder of the Sees auch etwas Außergefallenes: den Ultimate Abyss, die höchste Rutsche auf See. Zehn Stockwerke führt sie in die Tiefe - das trauen wir uns nicht. Auf dem Weg zur Kabine hören wir „Yellow Submarin“ aus der Music Bar neben unserem Flur und beschließen, den schönen Gesängen nachzugehen. Vier attraktive junge Männer mit Topfschnitt, die BeatleManiacs, performen die Klassiker der Beatles und entführen uns direkt in eine ganz andere Stimmung.

Nach den Spaziergängen in den Destinationen unserer Reise - Neapel, Barcelona, Palma de Mallorca, Marseille und La Spezia - kommt uns das riesengroße, schwimmende Zuhause sehr entgegen – es ist kühl. Ein Glück! Nach einer Zitronenlimonade machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant zum Mittagessen. Es ist bereits 15 Uhr und wir haben Sorge, dass nichts mehr offen haben würde. Fehlanzeige, auf der Wonder oft he Seas findet man immer etwas zu essen und zu trinken. So entdecken wir das „El loco fresh“, unser zukünftiges Lieblingsrestaurant. Hier gibt es mexikanische Speisen – Nachos mit Käsesauce und Guacamole, Burritos, Fajitas und herzhafte Tacos. Ein Selbstbedienungsrestaurant, doch auch hier steht engagiertes Personal und reicht immer genug nach, natürlich stets mit einem Lächeln auf den Lippen.

Anschließend begeben wir uns mit Handtuch und Sonnencreme ausgestattet auf Deck 15, um die Pools auf der Wonder of the Seas auszuprobieren. Sie sind voll und das Wasser ist warm. Also begnügen wir uns mit einem Sonnenplatz und holen uns Softeis an der Eismaschine, welche man den ganzen Tag neben den Pools benutzen kann.

Auch an den Außenbars, der „Vue bar“ und der „Wipe out bar“, tummeln sich die Urlauber aus aller Welt und genießen Pina Coladas und Champagner. Für den heutigen Abend entscheiden wir uns für eine Eisshow im Studio B. Ähnlich eines Boxringes drapieren sich die Gäste um die Eisbahn herum. Die Show „365: The seasons on ice“, entführt in eine Reise durch die Jahreszeiten – farbenprächtige Kostüme, aufwendige Choreographien, eine tolle Animation und passende Musik versetzen in erneutes Staunen.

Nach der Show heißt es ab zur Silent Disco. Das Solarium, welches tagsüber als Relaxing Area mit extra Bräune fungiert, verwandelt sich an einigen Abenden in einen Silent Disco Club und bietet Reisenden die Möglichkeit, sich kennenzulernen. Wir kennen Silent Discos und doch ist es immer wieder lustig, zu hören, wie Menschen lauthals Songs mitgrölen, obwohl eigentlich gar keine Musik läuft, sobald man die Kopfhörer absetzt. Wie im Programmheft angekündigt, endet die Veranstaltung gegen 1 Uhr morgens, aber deshalb ist die Party noch lange nicht vorbei. Es geht in den Club. Wir haben Freunde gefunden – einen sehr netten Iren, zwei Amerikaner, einen Spanier und einen Inder. Potenzial für den ein oder anderen netten Abend. Im Club läuft Musik für Jedermann – Radiohits, ein bisschen Reggaeton und ein paar Oldies. Neben dem Club auf Deck 4 befindet sich das Casino. Wir entscheiden uns gegen Black Jack, aber für einen Absacker. Das Casino hat L.A. Flair. Groß, viele Spielekonsolen, Tische voll mit Menschen und Crew, die Karten auslegt. Man darf rauchen und vergisst total, dass man sich auf dem Meer befindet und die ganze Zeit fährt.

Auf der Wonder oft the Seas gibt es nicht nur Optionen für Spaß, Action, Musik und Kulinarik, sondern auch das Fitness Studio und der SPA Bereich können sich sehen lassen. Wir lassen uns von Dr. Jay beraten und erleben Akupunktur-Behandlungen at it´s best. Natürlich gibt es ein riesiges Angebot an Kosmetik und Massagen, jedoch auch Yoga, Trainingskurse und einen Friseur.

Auf der Wonder of the Seas, dem neusten und größten Schiff der Welt, kann sich der Gast nur wohl fühlen. Viele Aktivitäten und gutes Essen warten, viele Shows und Veranstaltungen, die man leider nicht alle schaffen kann. Spielplätze, Pools und Rutschen für die kleinen Gäste, unter anderem auch eine Zip Line und ein Wellen-Simulator, auf dem das Surfen geübt werden kann. Viele Reize, aber keine Reizüberflutung, denn mit den Neighborhoods und den unterschiedlichen Stimmungen auf dem Schiff, kann man sich ebenfalls vom Trubel zurückziehen, sich eine Massage gönnen oder zu Live Jazz einen Ceasars Salat im Central Park essen – ein Urlaub zum glücklich sein für die ganze Familie. Wir waren begeistert und wollten am liebsten gar nicht mehr zurück auf´s Festland.