• Februar 27, 2020
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Nichts Negatives zulassen.

David Oertel,
Rechtsanwalt/Fachanwalt für Familienrecht
Anwaltskanzlei Meyer-Götz, Oertel & Kollegen


Persönliche Zufriedenheit ist mir wichtig. Nicht, was andere von mir
denken, sondern dass ich mit mir zufrieden bin. Ich erwarte viel von
mir, was vielleicht auch eine Schwäche sein mag, für mich aber auch
Grundlage für Erfolg ist. Ebenso wichtig ist die familiäre Unterstützung.
Ich war zur Wendezeit 18 Jahre alt und hatte große Pläne. Meine Eltern
sind keine Juristen, aber sie haben mich trotzdem motiviert zu studieren.
Ihnen habe ich viel zu verdanken.
Jura ist überhaupt kein trockenes, sondern ein hochemotionales Gebiet.
Gerade der Anwalt im Familienrecht ist nicht nur Jurist, sondern muss
auch viele psychologische Komponenten mit abdecken. Das ist das
Spannende daran.
Man bekommt schon viele unangenehme Dinge mit, lernt aber, damit
umzugehen. Man nimmt nicht die negativen Sachen mit nach Hause,
sondern lernt das Positive im eigenen Leben noch mehr zu schätzen.
Aber es ist auch eine Befriedigung, dass man den Menschen persönlich
helfen kann. Dankbarkeit ist dabei nicht das Wichtigste. Ich selbst allerdings
empfinde Dankbarkeit für mein Leben und meine Möglichkeiten.
Leider habe ich den Eindruck, das dieses positive Gefühl in unserer heutigen
Zeit in der Gesellschaft etwas verloren gegangen ist.
Wir Juristen haben die Möglichkeit, Gesetze und Rechtsprechung mit
zu gestalten. Spannend sind besonders die Fälle, die noch nicht höchstrichterlich
entschieden sind. Manchmal vertrete ich eine ganz andere
Auffassung als das Gericht und dann verfolge ich diese auch in den Instanzen,
gegebenenfalls bis zum Bundesgerichtshof. Hat man hier dann
Erfolg, ist dies nicht nur für den Mandanten gut, sondern stellt auch eine
persönliche Befriedigung dar, die einen stolz macht.
Juristen sollten sich schon dadurch auszeichnen, dass sie sich in vielen
Gebieten auskennen. Ob es klug ist, deshalb in allen Bereichen auch
tätig zu sein, das wage ich zu bezweifeln. Aber man muss schon über
den Tellerrand hinaus sehen. Es geht zwar auch bei uns immer mehr in
die Spezialisierung, also der Anwalt der vom Verkehrsunfall bis zum
Erbrecht alles regelt, ist sicherlich nicht mehr up to date. Aber man muss
schon die Verbindung zu anderen Bereichen ziehen können.
Im Jahre 2015 bin ich als Partner zur renommierten Kanzlei Meyer-Götz
& Meyer-Götz gekommen. Das Verhältnis zwischen uns Partnern war
von Anfang an freundschaftlich, vertrauensvoll und offen. Eine gute
Kommunikation, d.h. dass man auftretende Probleme sofort besprechen
sollte, bevor sie sich aufschwingen, ist sowohl für das geschäftliche als
auch für das familiäre für mich von grundlegender Bedeutung. Natürlich
kam es auch schon vor, dass ich mich in Menschen getäuscht habe. Doch
aus daraus entstehenden Tiefen kommt man schnell heraus, wenn man
ein Umfeld hat, das einen auffängt. Das habe ich durch meine Frau und
meine Kinder. Das Gleichgewicht zwischen Beruflichem und Privatem
zu halten, ist sicher nicht immer einfach, aber die Familie gibt mir viel
Kraft zurück.
Ich selbst kann von mir sagen, dass ich glücklich bin. Ich habe gar keine
Zeit, mir Sorgen zu machen. Ich bin grundsätzlich ein positiver Mensch
und habe keine Angst. Natürlich verspüre auch ich unter großer Verantwortung
einen gewissen Druck, besonders in Bezug auf den Namen und
die Mitarbeiter der Kanzlei. Aber hier kann ich mich auf mein Team
verlassen und diesen Druck positiv nutzen.
Trotz beruflichem Stress und dem Willen, karrieretechnisch etwas zu
tun, muss man es schaffen, Familie und Freundschaften zu pflegen. Das
berufliche Umfeld muss mit dem persönlichen harmonieren.


Was haben Sie vom Leben gelernt?
Dass das Leben immer wieder Täler beinhaltet, aber
dass man mit positivem Denken da raus kommt. Positiv
denken, positiv handeln, nichts Negatives zulassen. Das
habe ich in den letzten 20 Jahren gelernt.