Negative Zinsen jetzt auch bei der Baufinanzierung

Der Experte für Baufinanzierung, Sebastian Mosch, weiß wie es geht

 

Sie haben es als Paukenschlag bezeichnet, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu Jahresbeginn Negativzinsen ankündigte. Warum?

Mosch: Das waren gute Neuigkeiten für alle Bauherren, die energetisch bauen oder sanieren wollen. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) senkte ihre Effektivzinssätze unter Null und verschenkt damit quasi Geld.

 

Ganz neu waren die negativen Zinsen bei der KfW aber nicht, oder?

Mosch: Der KfW-Chef erklärte bereits Ende letzten Jahres, dass er negative Zinsen bei KfW-Produkten im Jahr 2020 für möglich hielt. Und so kam es dann auch zu dem erhofften Minuszeichen. Die negativen Effektivzinsen gibt es in den KfW-Programmen Energieeffizient Sanieren (151/152) und Energieeffizient Bauen (153).

 

Was bedeutet das genau?

Mosch: Das heißt, dass man bei diesen KfW-Darlehen weniger zurückzahlen muss, als man aufnimmt. Der Bauherr bekommt also effektiv Geld geschenkt.

 

Gibt es da keinen Haken?

Mosch: Die negativen Bauzinsen gibt es aktuell nur in den Förderprogrammen für das energieeffiziente Bauen und Sanieren und man kann sie nur bei Einhaltung der entsprechenden Förderrichtlinien erhalten. Zum Beispiel erhält man ein Darlehen aus dem Programm Energieeffizient Sanieren für Einzelmaßnahmen in Höhe von 50.000 Euro bei einer Laufzeit von 20 Jahren und 10 Jahren Zinsbindung zu einem effektiven Zins von - 1,82 Prozent unter Berücksichtigung der Gutschrift eines Tilgungszuschusses von 10.000 Euro. Besonders der letzte Punkt ist wichtig.

 

Ist es also der Tilgungszuschuss, der die Zinsen negativ werden lässt?

Mosch: Ganz genau. Es ist der Tilgungszuschuss, der den Effektivzinssatz dieser KfW-Programme negativ werden lässt. Der ursprüngliche Sollzins hat sich in den letzten Monaten nicht verändert und liegt nach wie vor bei +0,75 Prozent. Und der Tilgungszuschuss in den Programmen 151/152 für energieeffizientes Sanieren bzw. 153 für energieeffizientes Bauen ist ebenfalls nicht neu.

 

Also hätte man auch schon vorher die Möglichkeit gehabt, negative Zinsen zu bekommen?

Mosch: De facto ja. Der Tilgungszuschuss wird nach der Fertigstellung der geförderten Maßnahme gut geschrieben und das sorgt am Ende für einen negativen Effektivzinssatz.

 

Wie hoch ist denn der Zuschuss genau?

Mosch: Dies unterscheidet sich je nach dem zugrunde liegenden Programm und der Stufe des erreichten Energieeffizienzstandards. Der Tilgungszuschuss der KfW beträgt z.B. im Programm 151/152 beim KfW-Effizienzhaus 55 vierzig Prozent bezogen auf den maximal geförderten Darlehensbetrag (120.000 Euro), also bis zu 48.000 Euro. So kann man bei der Baufinanzierung richtig sparen.

 

Woher kommt dann der ganze Hype?

Mosch: Auf der Website der KfW wurde die Beispielberechnung so angepasst, dass darin jetzt auch der Tilgungszuschuss berücksichtigt wurde. Das wäre aber nur eine Übergangslösung. Aktuell arbeite die staatliche Kreditbank daran, den Sollzinssatz negativ abbilden zu können. Bisher sei das technisch jedoch nicht möglich, deshalb setze man noch auf den Tilgungszuschuss.

 

War das dann mehr eine PR-Geschichte der KfW?

Mosch: Es war eine gute Idee, mit der man ins Jahr gestartet war. Auch wenn der Nominalzins bei 0,75 Prozent geblieben ist, zeigt der negative Effektivzinssatz ja die wirklichen Kosten dieses Kredits auf. Durch den Tilgungszuschuss, den man ja tatsächlich nicht zurück zu zahlen braucht, ist es also wirklich so, dass Bauherren in den KfW-Programmen 151/152 und 153 effektiv weniger Darlehen an die KfW zurückzahlen brauchen, als sie sich geliehen haben. Das ist doch eine tolle Sache!