Horst, auf dem Bauernhof - Teil 4

Ganz ehrlich, ich bin auch froh, dass wir Männer nicht mehr Jäger und Sammler sind. Zumindest, was unser Essen angeht. Wir müssen nicht mehr mit einem Speer durch die Wälder ziehen auf der Suche nach einem schönen, mageren Mammut, damit unsere Süße zu Hause nicht schimpft wegen dem dicken Fettrand am Steak. Heutzutage schneidet das natürlich die freundliche Dame an der Fleischtheke akkurat weg, bevor sie uns das gute Filet einpackt. Viele wollen aber auch gar kein Fleisch mehr essen, aus Tierliebe oder weil sie mit der seelenlosen Her stellung von Fleisch nicht einverstanden sind. Dafür habe ich Verständnis, obwohl ich das Verständnis andersherum oft vermisse.

 

 

Die Kuh will auf der Wiese grasen

Aber Hand auf den Herd, Kinders – ich liebe Fleisch, das gebe ich an dieser Stelle gerne zu. Als Koch habe ich auf meinem altehrwürdigen Kohle ofen Berge von Filetsteaks zart gebrutzelt und an die Besucher meines Restaurants „Oldiethek“ ver füttert. Aber eine Sache war mir schon immer sehr wichtig: Wo kommt mein Fleisch her? Und als mein lecker Carpaccio noch ein lebendiges Rind war: Wie hat es gelebt? Vielleicht kommt das daher, weil ich in einem Dorf groß geworden bin. Unser Metzger hat nur die Tiere verarbeitet, die auf den Bauernhöfen der Umgebung aufgewachsen sind. Da kannte man praktisch jedes Schwein mit Vornamen und hat aus Sympathie eine Gedenkminute für die dicke Jolante eingelegt, bevor man das Kotelett besonders gründ lich gekaut und verspachtelt hat. Aber heute?

 

Der moderne Mensch verliert komplett das Be wusstsein für das gekaufte Pfund Tatar in seinem ursprünglichen Aggregatzustand: als lebendes Rind vieh. Wisst ihr, wo für mich eine glückliche Kuh hin gehört? Auf einen guten Bauernhof.

 

Ich habe schon immer auf dem Land gewohnt. Seit meiner Kindheit gehören ein Bauernhof und Tiere für mich so selbstverständlich zusammen wie Butter und ’ne heiße Pfanne! Aber jetzt frage ich euch mal: Wann habt ihr das letzte Mal Kälber über eine Wiese hüpfen sehen? Ihr wusstet gar nicht, dass Kälber hüpfen und herumtollen? Habt ihr mal den friedlichen Anblick von Schafen genossen, die genüsslich auf einer wilden Wiese grasen? Und mitten unter ihnen ein schwarzes Lamm entdeckt? Was ist mit Schweinen, die sich grunzend und wohlig im Dreck suhlen? Dass Hähne krähen und Hühner zufrieden gackern, darf doch eigentlich nicht zu einem Klischee à la Ferien auf dem Bauernhof verkommen. Kennt ihr das nur noch aus Kinder Filmen? Dann wird es aber höchste Zeit, das zu ändern. Macht euch mal auf den Weg zum nächsten Bauernhof und schaut euch ganz genau um. Ein guter Bauer hat nichts zu verbergen, und eure Kinder werden begeistert sein. Vielleicht werdet ihr auch aus dem Staunen nicht mehr heraus kommen. Ich jedenfalls bin ein großer Fan der stetig wachsenden Zahl an Bauernhöfen, die ökologische Landwirtschaft betreiben und ihre Tiere artgerecht aufziehen. Noch erfreulicher nde ich es sogar, dass viele dieser Bauern endlich wieder in eigenen Hof läden ihr selbst erzeugtes Fleisch, Gemüse und Brot verkaufen.

 

 

Zwei-, dreimal die Woche reicht

Herrschaften, ganz klar: Wir müssen uns bewusst mit unseren Nahrungsmitteln auseinandersetzen, gerade mit den Tieren, die uns mit Milch, Fleisch und Eiern versorgen. Wenn wir wollen, dass diese Nahrungsmittel von hoher Qualität sind und natürlich auf den heimischen Höfen unseres schönen Landes erzeugt werden, dann können wir ganz ein fach etwas tun: Wir verzichten auf unser tägliches Fleisch.

 

Das Motto muss heißen: Mehr Genuss durch Verzicht. Wie das gehen soll? Das ist doch ganz einfach: Wenn wir jeden Tag Unmengen von Fleisch, Wurst, Burger und Döner in uns hineinstopfen, und das vor allem möglichst billig, dann sind wir meiner Mei nung nach schon nicht mehr auf dem berüchtigten Holzweg, sondern der vierspurigen Holzautobahn.

 

Kinders, eins ist doch mal sonnenklar: Fleisch kann nur durch Massentierhaltung billig verkauft wer den. Sicher, billig spielt eine große Rolle, wenn eine Familie zu ernähren ist. Trotzdem – meine Mama hat immer gesagt: „Horst, was nix kostet, ist auch nix.“ Und meine Mama war eine kluge Frau.

 

Ich sehe die Sache so: Wenn also billiges Fleisch nix ist und uns gesundheitlich schadet durch Chemie oder zu wenig Nährstoffe – dann wäre es doch ziemlich klug, weniger billiges Fleisch zu essen, oder? Lieber zwei oder dreimal richtig, als siebenmal billig. Ich spare an vielen Dingen und mache viel selber. Aber bei Fleisch nicht. Herr- schaften, es gibt so viele köstliche Alternativen.

 

 

Hoch lebe der Sonntagsbraten

Guck mal, eine Woche hat sieben Tage: Da kann es doch auch Spaghetti mit einer frischen Tomatensauce oder einem selbst gemachten Pesto geben! Oder Apfelpfannkuchen? Wie wäre es mit einem wunderbaren Fischfilet, Salzkartoffeln und Salat? Lecker Spinat mit herrlich cremigem Kartoffel püree und Spiegelei? Oder doch lieber Kartoffel suppe mit frischem Lachs? Eine Gemüsequiche mit selbst gemachtem Teig wäre auch eine wunderbare Abwechslung für eischfreie Tage. Verzicht macht kreativ, das wussten die armen Leute früher. Und was glaubt ihr, wie köstlich dann am Wochenende ein üppiger Sonntagsbraten oder ein feiner Sauer braten aus richtig gutem Fleisch schmeckt? Dann rutscht unser richtig leckeres Gulasch von Seite 116 mit dem Genussfaktor zehn über die Geschmacks knospen!

 

Jeder muss natürlich selber wissen, was das Beste für Geschmack und Geldbeutel ist. Aber ich möchte gerade zum Thema Tiere auf dem Bauernhof mit einem Zitat des Schriftstellers Oliver Hassencamp enden, welches meine Philosophie mit einem wundervoll schelmischen Augenzwinkern auf den Punkt bringt: „Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht. Würde der Städter kennen, was er frisst, er würde umgehend Bauer werden.“ 

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