• März 03, 2023
  • 3273 Aufrufe

Museumsleiterin Deutsches Stuhlbaumuseum Rabenau/ Vorsitzende des Trägervereins

Zu meinen  Aufgaben gehören das Führen der Mitarbeiter und die Organisation des Museumsbetriebs, ebenso Projekt- und Veranstaltungsmanagement  sowie Vermittlungsarbeit.

Täglich bin ich Netzwerkerin und führe alle Fäden zusammen. An „meinem Haus“ mag ich sehr, dass es herrlich traditionell und nostalgisch ist, ohne verstaubt zu sein. Ich möchte den unverwechselbaren Charakter der Sammlung erhalten,  achte und schätze alle ehrenamtlichen Mitarbeiter, die sich mit Hingabe für das Museum engagieren. Große Freude habe ich, wenn ich das Museumsbüro verlassen kann und bei Führungen Gästen gegenüber stehe. Zu meinen Lieblingsaufgaben gehören aber auch kreative und praktische Arbeiten, zum Beispiel das Konzipieren und  Gestalten von Ausstellungen. Dabei stehen Interaktion mit Künstlern und Handwerkern und oft spannende Diskurse auf dem Plan. Finden Vernissagen, Aktionstage oder Veranstaltungen statt, bei denen man die Begeisterung der Besucher und Mitwirkenden spüren, hören und sehen kann – fühle ich mich erfüllt und weiß warum ich genau diesen Beruf liebe.

 

Warum  meine Aufgabe zur Berufung geworden ist

 

Ich bin keine Museologin, keine Wissenschaftlerin und stamme nicht mal  aus Rabenau. Was ich im Rabenauer Heimatmuseum zu suchen habe?  Das können Sie sich gern fragen, aber bitte erst nach dem Sie es besucht haben. Ich frage mich das nicht mehr, denn dort wurde wahrlich ein Tausendsassa gebraucht. Da habe ich mich zur Verfügung gestellt. Schnell hat sich bemerkbar gemacht, dass man in Rabenau nicht nur ein Talent braucht. Kommunikativ zu sein ist eines der Wichtigsten. Das liegt mir. Überhaupt bin ich überzeugt davon, dass man nur leidenschaftlich tätig sein kann, wenn man in einem Bereich arbeitet, der seinem persönlichen Naturell entspricht. Wer kein Blut sehen kann, wird kaum Krankenschwester sein wollen und wem soziale Kompetenz fehlt, oder Einfühlungsvermögen, der sollte sich von Vereinsarbeit fern halten. Dabei halten sich Geben und Nehmen oft nicht genau die Waage. Deshalb ist es für mich wichtig, so gut es geht,  Privatsphäre zu wahren und Ausgleich zu suchen, ob in Familie oder Natur. Beides sind wichtige Pfeiler für mein Seelenheil und Kraftquellen.

 

Wirkungsstätte – Das Museum

Das Rabenauer Museum besteht 100 Jahre und erfüllt damit ein Kriterium, der Internationalen Museumsrats, denn es ist unstrittig eine dauerhafte Einrichtung, es ist öffentlich zugänglich und steht im Dienst der Gesellschaft. Die Betreiber erwerben, bewahren, erforschen und präsentierten Zeugnisse der Kultur- und Regionalgeschichte.

Gezeigt werden geschichtliche Zeugnisse aus der Stadt- und Heimatkunde, Objekte und Szenen, die das über 400 Jahre ansässige Handwerk Stuhlbau thematisieren und Zeugnisse der  regionalen Industriekultur.  Mit jährlich mehrmals wechselnden Sonderausstellungen lockt das Museum Besucher verschiedenen Alters und Interessen an.

Jedes Haus, das es ernst meint und sich als Museum den Richtlinien der ICOM verschreibt, suchte irgendwann seinen Platz in der Museumswelt, gibt  sich Leitbild und Konzeption und es findet seinen Platz. So auch das Rabenauer Museum, wenn gleich dies nicht von Anfang an so war. Die Rabenauer Sammlung und ihre öffentliche Präsentation in einem Museum sind Ergebnisse eines Prozesses, der erfreulich ist und durchaus nicht selbstverständlich.

 

Wer sich mit Exponaten aus vergangener Zeit beschäftigen will, wer Fragen hat und Antworten sucht, der ist schlechthin darauf angewiesen, dass andere solche Dinge aufgehoben haben, vielmehr noch, dass diese Dinge bewahrt und beschützt wurden. Hier im Ort  Rabenau hat man ein Erbe der Urgroßväter angetreten, die für den Grundstock einer musealen Sammlung sorgten. Die Geschichte  des Museums selbst ist erzählenswert, besonders weil  sie von Herzblut, Eifer, Fleiß und großem ehrenamtlichen Engagement getragen ist. Mit ihren Aktivitäten beim Sammeln, Forschen, Ausstellen und Dokumentieren haben die heutigen Museumsmacher weitere Steine auf die Grundmauern einer Institution gelegt, die auch in Zukunft nicht nur Museum, sondern Ort der Begegnung, des Lernens und der Kultur sein will. 

Im November 2021 hat das Deutsche Stuhlbaumuseum den Spezialpreis des Sächsischen Museumspreises erhalten. Gewürdigt wurden die gute Wirkung des Museums vor Ort  und das starke ehrenamtliche Engagement der Aktiven.