Ein Abend in der Oper

... beginne ich mal mit Freitagabend. Spontan, auf den letzten Drücker, flitzte ich mit meiner Tochter Louisa in die Semperoper. Wir hatten Karten zurücklegen lassen für die Premiere von Guiseppe Verdis Simon Boccanegra. Da ich aufgrund der Vielzahl nie weiß, ob ich Termine wirklich schaffe, passiert meist alles ad hoc. Wohl weil wir so spät kamen, haben wir nur noch Karten für den dritten Rang bekommen. Es war Jahre her, dass ich nicht im Parkett saß, überhaupt Jahre, dass ich selbst in der Oper war. Das macht für Disy sonst immer unsere super Kultur-Redakteurin Claudia Homberg. Aber der Simon hat mich interessiert. Und der dritte Rang war zumindest fürs Lesen der deutschen Übertitel gut.

Simon Boccanegra war für meinen inneren Zustand gerade das Richtige. Kämpfe an allen Ecken und Enden, sinnloses Machtgerangel, Feinde, die für immer uneinsichtig bleiben oder solche, die sich lieben und Liebende, die Feinde sind. Erwachsene, deren innere Kinder um die Eltern trauern. Abschiede und freudige Wiedersehen. Ganz viel Tod, Trauer und Schmerz. Ganz viel Wut und glühender Zorn. Und natürlich grandiose Musik - kraftvoll, liebevoll, leidenschaftlich laut und leidenschaftlich leise. Wunderbare Stimmen - allen voran Zeljko Lucic als Simon Boccanegra, einer der wichtigsten Verdi-Interpreten weltweit. Und natürlich unser Christian Thielemann. Welch qualitative Bereicherung für Dresden! Ich saß wie gebannt, fast mit offenem Mund und nicht immer trockenen Auges, bewegt innerlich und äußerlich. Was für schöne Musik, was für eine gute Inszenierung. "Bisschen zu melodramatisch", meinte meine 13-jährige Tochter. Tja, so ist das Leben doch aber. Genau so!