Seitenlegen

Dass das Gesundheits-Magazin noch so viel Arbeit ist, hätte ich nicht erwartet. Die Seiten sind zwar alle in sich ganz gut, tolle Interviews mit Professoren, tolle Portraits über unsere Forschungseinrichtungen etc.. Aber irgendwie hat das noch keinen roten Faden, da ist noch kein Fingerspitzengefühl drin, kein Gesamtbild, kein Kick.

 

Nach der Konferenz ist Seitenlegen angesagt. Obwohl die Schlusskorrektur vom Gesundheitsmagazin noch in weiter Ferne ist (ca. 3 Wochen), habe ich ein Zwischen-Seitenlegen angeordnet. Eine Assistentin legt mit Max alle Seiten nebeneinander bei uns in der Redaktion im Flur aus. Schön per Doppelseite. Mit kleiner Lücke. Klar haben wir alles digital auf modernen Macs oder als PDFs auf den PCs. Aber ich mag es gern so. Papierseiten. Zumindest ein- bis zweimal pro Ausgabe.

 

Dann laufen wir zu viert die Reihen mit den ausgedruckten Seiten ab und versuchen wie Regisseure im Theater oder Künstler vor ihrem Werk, dem gerade aktuellen Magazin Leben zu geben. Die Dramaturgie ist wichtig. Bilderstrecken müssen sich mit Textstrecken abwechseln, Inhalte müssen sich zu Rubriken zusammenfügen, diese dürfen nicht zu lang sein und haben in sich ihre ganz eigene Choreographie. Frauengeschichten müssen sich mit Männern abwechseln, sogenannte "seichte" Themen mit harten und die besten Geschichten werden jeweils von vorn und von hinten im Blatt aneinandergereiht. Beim Lesen weiß ich immer, was sind die "Kracher"-Artikel, wie Andreas es immer nett ausdrückt und was sind die, die auch ganz gut sind. Dass das Heft sowohl von vorn als auch von hinten gut lesbar sein muss, liegt daran, dass 50 Prozent der Leser von vorn und eben 50 Prozent von hinten blättern. Dann schaue ich noch, dass Personen nicht so dicht nebeneinander stehen, die sich im wahren Leben nicht leiden können, versuche die Befindlichkeiten der Einzelnen zu beachten, zum Beispiel möchte ein Architekt mit seinem Interview unbedingt im Kulturteil stehen. Da passt er mit seinen Immobilien aber nicht hin. Also muss der Text umgeschrieben, das Layout geändert und die beiden Nebengeschichten entsprechend angepasst werden. Es muss eine Überschrift her, die sowohl den Architektur- als auch den Kunstaspekt berücksichtigt. Es gilt Farbverläufe zu beachten, dass wenn eine Geschichte mit Rot endet, die nächste vielleicht mit Rot oder zumindest einem passenden Ton beginnt. Und, und, und - Dinge, die beim Lesen keinem Menschen im Details auffallen. Was dem Leser aber auffällt ist, dass es ein supertolles Magazin ist.

 

Das Seitenlegen ist auch immer ein ganz schöner Sport für alle. Es ist ja vorallem ein Seitenschieben und immer wird alles mehrfach komplett umgedreht Bücken, aufheben, dorthin, dann wieder da hin legen. Aufrichten, langlaufen, bücken. Ich bin recht schnell mit meinen Anweisungen und würde mich als Ballettdirektor auch ganz gut machen, denn alle bewegen sich filigran auf Zehenspitzen zwischen dem Papier auf dem Fußboden. Das Seitenlegen beim Gesundheitsmagazin ist besonders schwierig. In vielen Themen doppeln sich die Aspekte. Viele Hauptgeschichten zum Beispiel über Professoren haben Querverweise auf andere Geschichten aus der Forschung. Ich gehe immer davon aus, dass ein Leser auch mal eine ganze Nacht an einer Disy liest und dann nicht hinten überlegen soll, ob er das nicht vorn in einem Halbsatz schon mal erzählt bekommen hat. Schwierig ist auch die Balance zwischen der Leserschaft der Ärzte und Mediziner und der Allgemeinheit, für die es auch interessant sein sein soll.

 

Zum Schluss ist das Puzzle für den Moment fertig. Die Seiten werden eingesammelt und dem Grafiker übergeben, der alles umstellt und neu baut.

14. Juli 2014

Aufgrund der aktuellen Lage (so einen Schicksalsschlag muss man schließlich erstmal verkraften...), bringen wir hier wie bei einer TV-Serie drei ältere Beiträge, bevor sozusagen die neue Staffel beginnt. Die Beiträge wurden noch nicht veröffentlicht, wurden aber vor vier Wochen schon geschrieben. Ende der Woche geht es dann aktuell weiter. 

Liebe Grüße Eure Anja