Liebe Disy,

danke für Deinen Brief! Es tut mir leid, zu hören, dass es Dir so schlecht geht. Halt die Ohren steif , mein Kind. Du weißt ja, Zähne hoch und Gebiss zusammen gebissen. Du schaffst das schon, meine Kleine. Du hast Kraft und Du bist stark. Viel stärker als ich. Das habe  ich immer an Dir bewundert.

 

 

Mach Dir nicht so viele Gedanken um die blöden Ärzte und Schwestern. Ja, es war ganz schlimm für mich. Ich müsste lügen, wenn ich etwas anderes sagen würde. Die schlimmste Zeit in meinem Leben. Auch wenn mein Leben im Großen und Ganzen ganz schön beschissen war.

 

 

Du bist das Beste was mir passiert ist. Du und Louisa und die Jungs. Ich weiß, dass ich manchmal ganz schön hart zu Dir war und auch schlimme Sachen gesagt habe. Aber ich habe es nie so gemeint, das weißt du bestimmt. Ich hatte Dich immer ganz doll lieb. Auch wenn ich manchmal geschimpft habe wie ein Rohrspatz. Aber das hast du ja schließlich auch manchmal.

 

 

Ich finde, Du hast die Sachen alle ganz toll gemacht. Besonders hat mir gefallen, dass Du Uwe zu meiner Trauerfeier geholt hast und er I am sailing gesungen hat. Ich habe mich dabei daran erinnert, wie wir zusammen mit Pit und Du am Klavier mehrstimmig gesungen haben. Das war die schönste Zeit in meinem Leben. Überhaupt hast du mir die meisten Dinge erst ermöglicht, die für mich die schönsten waren. Ohne Dich hätte ich so viele Dinge nie erlebt oder gesehen. Ich weiß noch, wie ich im World Trade Center mit Dir am Tisch neben dem Bundespräsidenten gesessen habe. Ich! Die aus Behringen!

 

 

Mein Schatz, dass hast du alles ganz toll gemacht und ich bin Dir auch sehr dankbar für alles.

 

 

Ich vermisse Dich auch sehr! Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie schlimm das war in den letzten Minuten. Zu wissen, dass ich Dich, Lousisa und die Jungs nie mehr sehen werde. Nie mehr! Das ist so schwer! Deshalb sind mir dann auch die Tränen gelaufen.

 

 

Du brauchst Dir ja aber heute keine Sorgen mehr zu machen, wie es mir damals ging. Beschisssen! Das ist klar. Aber das ist doch vorbei. Es macht doch keinen Sinn, ein Jahr später immer noch die ganzen Sachen durchzuspielen. Das macht Dich doch kaputt!  Und es hilft mir nicht mehr. Es war die Schuld dieser blöden Ärzte, nicht Deine! Was hättest Du denn machen sollen? Du bist doch schon zu jedem hin gerannt, Du hast doch schon gekämpft wie eine Löwin. Hast Du einen anderen gesehen auf dieser erbärmlichen Intensivstation, der sich so um seine Angehörigen gekümmert hat, wie Du Dich um mich? Das hast Du wirklich großartig gemacht, meine Kleine. Ich bin Dir wirklich sehr dankbar.

 

 

Es war auch ganz große Klasse von Dir, wie Du in der Nacht bei mir warst. Ich habe schon gemerkt, was los war, auch wenn Du alles getan hast, es Dir nicht anmerken zu lassen. Ich weiß, Du wolltest nicht, dass ich Angst habe. Wie Du mir immer so ganz cool die nassen Lappen auf die Stirn gelegt hast und gesprochen, als ob es ein Tag wie jeder andere wäre. Es war ja ein herrlicher Rekord von mir, so hohes Fieber zu bekommen, wie noch nie vorher einer auf dieser Intensivstation und dabei noch zu leben. Na, da habe ich ja wenigstens zum Schluss noch einen Rekord aufgestellt. Immerhin. Es war schön, dass Du die ganze Zeit bei mir warst. Auch dass Du dafür gesorgt hast, dass Sie mir noch eine Decke geben haben. Ich habe wirklich gefroren wie verrückt. Und außerdem, wer stirbt schon gern halb nackt.

 

 

Mit dieser Intensivstation habe ich ganz schön in die Sch.... gegriffen. Typisch für mich. So war das immer. 

 

 

Dass sich keiner um Dich kümmert, ärgert mich natürlich auch. Aber Deine Oma musst Du verstehen. Sie meint es trotzdem gut mit Dir. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es ihr geht. Erst Martin, dann ich. Behringen wird trotzdem immer Dein zuhause bleiben!

 

 

Dass sich meine Freundin, Deine Patentante, nicht um Dich kümmert, hätte ich auch nicht gedacht. Bestimmt ist es für sie zu schwer, Euch zu sehen. Sie war schon immer nah ans Wasser gebaut. Ich weiß aber ganz sicher, dass sie sehr traurig ist. Vielleicht ist sie zu traurig, um Dir zu helfen.

 

 

Schön ist, dass Du Dich gut mit Biene unterhalten kannst und wenigstens Onkel Stefan bei Louisas Jugendweihe war. Das waren zwar eigentlich Gerds Freunde, aber in solchen Dingen konnte man sich immer auf sie verlassen. Halte Dich ruhig an Biene und vergiss die Familie. Deine Frau Jahr hat Recht. Klar bin ich enttäuscht, dass sie Dich so im Stich lassen,  Aber Du kommst auch alleine klar! Du brauchst sie nicht!

 

 

Ich bin ganz sicher, dass Du das schaffst, meine Große! Du hast schon so viel geschafft und Du hast Deine Kinder. Ich weiß, dass Dich dieser Spruch ank..... Aber er stimmt. Das sind so liebe Kinder und ich bin sicher, dass Ihr zusammen noch  eine ganz glückliche Zukunft vor Euch habt!

 

 

Denkt dabei auch mal an die „kleine Omi“ und Du mein Kind, an Deine Mami.

 

 

Ich bin sehr stolz auf Dich!

 

 

Deine Mutti