• Dezember 29, 2021
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tomeque im Interview: „Ich möchte mein Album endlich live auf der Bühne präsentieren.“

Nachdem der Hamburger Sänger und Gitarrist tomeque vor kurzem mit „hallo welt_“ sein erstes eigenes Album veröffentlichte, legt er jetzt mit einem neuen Musikvideo zum Titelsong „Hallo Welt“ noch einmal nach. Mit seinem Solo-Debüt hat der Musiker nach langer Zeit dem Bandleben den Rücken zugekehrt und geht nun seinen ganz eigenen Weg: Bei tomeque treffen britisches Songwriting mit deutschen Texten auf Downbeats und synthetische Improvisation. Wir haben mit dem selbsternannten Synther-Songwriter im Interview über seine Musik, seine Liebe zu Hamburg und das Künstler-Dasein in Zeiten von Corona gesprochen.

Als Musiker bist du schon seit über 10 Jahren in Hamburg, genauer gesagt auf St. Pauli, unterwegs. Was verbindet dich mit der Stadt an der Elbe?

tomeque: Gegen Ende des Studiums habe ich mir die Frage gestellt, wo es als Nächstes hingehen soll. Wo könnte die nächste Etappe stattfinden, wo man leben, neues entdecken und Musik machen kann. In Hamburg hat mir der Flair gefallen, die Nähe zum Meer, zur Welt, die kulturelle Vielfalt – aber auch die umtriebige und vielseitige Musikszene. Und mit der Elbe habe ich ein großes verbindendes Element nach Dresden, also zu meinen Wurzeln und meiner Familie.

„hallo welt_“ ist dein erstes eigenes Album. Wie kam es dazu, dass nach so langer Zeit im Business dein Debüt veröffentlicht hast?

tomeque: Ich habe wohl immer irgendwie gehofft, dass es mal mit Band klappt, ein Album aufzunehmen. Aber irgendwie sind wir nie bis dahin gekommen. Doch auch so musste es erstmal klick in mir machen, bis ich als Solomusiker entschlossen war, das Album von Anfang bis Ende durchzuziehen. Man weiß ja vorher nicht, was da alles auf einen zukommt. Das ist halt schon eine Menge Arbeit, wenn du alles allein komponierst, gestaltest und organisierst und das neben einem Vollzeitjob.

In deiner Musik vereinst du britisches Songwriting mit elektronischen Einflüssen. Wie bist du auf die Idee gekommen, beides zu kombinieren?

tomeque: Der britische Einschlag ist wohl durch mein Faible für Bands, Musik und Popkultur von der Insel entstanden. Auch habe ich mal eine Zeit in London gelebt, aber es war nie wirklich eine rationale Entscheidung, dass ich jetzt britisch klingen will. Das hat sich eher mit der Zeit entwickelt.

Die zunehmende Vorliebe für elektronische Musik ist zum einen daher gekommen, dass mir klassische Rockrhythmen mit der Band gerade bei langsameren Songs zu eintönig wurden. Sie ziehen den Song so nach unten und ich habe eher so ein schwebendes Gefühl gesucht. Auch hat mich bei live gespielten Elektrodrums aus dem Umfeld Bristol Beats und Drum’N’Bass beeindruckt, dass da am Schlagzeug so viel Spannendes passieren kann und so selbst Balladen leichtfüßig tanzbar sein können, ohne dass das die Melancholie beeinträchtigt und dieser sogar noch eine zusätzliche schwebende Ebene verleiht. Und zum anderen meine Entdeckung von Synthesizern und die Herausforderung, diese als gleichwertigen Bestandteil in das Songwriting zu integrieren.

Wie findest du die Inspiration für deine Songs?

tomeque: Gute Frage. Das sind einerseits bestimmte Erlebnisse, Eindrücke, Situationen und Stimmungen, die man so im Leben so durchmacht oder Fragestellungen, mit denen ich mich befasse. Manchmal auch das Einfühlen in Andere oder Beobachtungen von Alltäglichem. Aber auch Filme, Bücher und Songs, oder eine Ausstellung, die ich mir zu Gemüte führe und die mich dann länger beschäftigen.

Hast du einen persönlichen Lieblingssong auf dem Album oder gibt es einen Song der dir besonders viel bedeutet?

tomeque: Mein Lieblingssong ist „Hallo Welt“. Er bringt in seiner Endversion musikalisch ziemlich auf den Punkt, was ich zuvor in groben Ideen im Kopf hatte. Er führt die Synthpop-Welt aus „Immer nur tanzen“ mit meiner akustischen Singer-Songwriter-Seite wie z.B. in „Drei letzte Sekunden“ ziemlich treffend zusammen. Piano und Synthesizer, die nebeneinander zwei Geschichten erzählen, sich gleichzeitig battlen und einander ergänzen, aber nur miteinander funktionieren. Der Song zündet vielleicht nicht sofort und bleibt angenehm dezent und unaufdringlich, aber wenn er sich einmal verfängt, dann kann er ein längerfristiger Begleiter werden. Auch habe ich das Feedback bekommen, dass man sich den Song mehrfach anhören muss, damit der sich richtig entfaltet, also dass der beim Hören „wächst“. Das finde ich schön.

Persönlich bedeutet mir „Drei letzte Sekunden“ am meisten. Den Song habe ich bereits vor 15 Jahren geschrieben, auch die Reprise in der Albumversion geistert schon seit etwa 10 bis 12 Jahren in meinem Kopf herum. Den Song vollends mit Streichern und Begleitband zu arrangieren, das war schon eine Herzensangelegenheit.

Dein Album ist in kompletter Eigenregie entstanden. Arbeitest du lieber allein oder gibt es auch Künstler, mit denen du gerne mal im Studio stehen würdest?

tomeque: Ich finde es schon äußerst bemerkenswert, dass Bands wie Radiohead oder Coldplay solange unverändert in Urbesetzung zusammen spielen, die sich ja freundschaftlich zusammen getan haben und immer noch funktionieren. Grundsätzlich arbeite ich lieber mit anderen Musikern zusammen, aber es ist sehr schwierig, mit den richtigen Leuten so zusammenzufinden, dass man auch gemeinsam das gesamte Albumprozedere durchsteht. Band heißt eben auch viele Kompromisse eingehen und da funken auch immer zwischenmenschliche Belange oder allgemeine Lebenssituationen mit hinein, die man da auch gar nicht raushalten kann. Vielleicht war es aber auch die fehlende Bereitschaft, musikalisches Schaffen als einen professionalisierten Prozess anzusehen, aus der Angst heraus die Leidenschaft zu verlieren.

Die Corona-Krise hat ja die Künstler- und Kultur-Szene ganz schön auf den Kopf gestellt. Wie geht es denn jetzt bei dir trotz Corona weiter?

tomeque: Als Nächstes steht eine EP mit Remixen zu meinen Albumtracks an. Die Veröffentlichung hängt aber davon ab, wann die Clubs wieder aufmachen, damit die Tracks zumindest die Chance haben, auf dem Dancefloor stattfinden zu können. Für „Immer nur tanzen“ war es sehr schade, dass weder der Originalmix noch der BelGium50-Remix richtig aufgelegt werden konnten. Dabei wurde der Track von DJs auf Platz 3 der Indie Disko Charts gewählt. Im Sommer ist der Remix in Essen und Mannheim in DJ-Sets open-air mitgelaufen und hat gleich entsprechend Resonanz bei Shazam hervorgerufen. Da hat Corona schon mit dazu beigetragen, dass der Song sich nicht so verbreiten konnte, wie ich es gerne gehabt hätte – so ohne Konzerte und Clubs.

Hast du auch schon Pläne für die Zeit, wenn man wieder auf der Bühne stehen darf?

tomeque: Corona macht natürlich die kurz- und mittelfristige Planung etwas schwierig. Natürlich möchte ich das Album endlich auch auf der Bühne präsentieren – live mit Synthband. Mal schauen, wann das endlich wieder möglich sein wird.