- September 29, 2026
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Warum auch nicht? Heute wollen wir euch mal ein ganz anderes Restaurant vorstellen. Eines, das von Dresden nach Děčín und Prag oder über Berlin nach Hamburg fährt: das ČD Restaurant, also den Speisewagen der České dráhy, der tschechischen Staatsbahn.
Das ist nicht einfach ein Bordbistro, sondern ein richtiger Speisewagen mit Bedienung am Platz und einem eigenen Restaurantbereich.
Auf der internationalen Strecke Prag – Dresden – Berlin – Hamburg fahren inzwischen die neuen ComfortJet-Garnituren. Seit Oktober 2025 sind auf der Berlin-Linie ausschließlich die neuen Züge mit dem neuen Speisewagen unterwegs.
Der Speisewagen verfügt über 18 Sitzplätze, richtige Tische, eine Bordküche und Bedienung. Angeboten werden warme und kalte Gerichte, Bier vom Fass, Kaffee und Desserts. Serviert wird auf wiederverwendbarem Geschirr.
Das aktuelle Saisonmenü wurde im Juli 2026 neu eingeführt. Angeboten werden beispielsweise eine Cremesuppe von konfiertem Knoblauch mit Käse-Croûtons, Rindfleisch nach Burgunder Art mit gratinierten Kartoffeln, vegetarisches Gemüse-Kung-Pao mit Kichererbsen und Jasminreis sowie Zitronen-Cheesecake mit Honig und Mandeln.
Dazu gibt es weiterhin Gerichte aus der regulären Karte. Das Menü wird mehrmals im Jahr verändert.
Für die Bewirtschaftung ist JLV zuständig, ein tschechischer Catering-Spezialist, der auch die ČD-Speisewagen betreut.
Auf dem Papier klingt das alles ziemlich gut. Auch die Preise fanden wir durchaus in Ordnung. Entscheidend ist natürlich, wie es schmeckt und ob der Service tatsächlich eher an ein Restaurant oder doch an die klassische Bahn erinnert.
Unser Besuch war dabei eine ziemlich gemischte Erfahrung.
Es ging damit los, dass bei unserer Ankunft – wir waren in Prag eingestiegen – sämtliche Tische schmutzig waren. Auf den Tischen lag noch Besteck von den Vorgängern, gebrauchte Servietten und leere Biergläser. Gereinigt wurde zunächst nichts.
Das änderte sich erst, als das Essen kam und die Kellner offenbar bemerkten, dass man frisches Essen schlecht auf verschmutzte Tische stellen kann.
Und nun haltet euch fest: Zwischen unserer Ankunft und dem Servieren unseres jeweiligen Ganges lag ungefähr eine Stunde.
Mit uns warteten mehrere weitere Gäste an den anderen Tischen. Es tat sich zunächst nichts. Schließlich gingen wir zur Theke und fragten einen Kellner, der dort gerade entspannt mit einer Kollegin plauderte, ob überhaupt am Tisch bedient werde.
Die Antwort fiel eher schnippisch aus: Ob wir denn erster Klasse reisen würden.
Wir erklärten, dass wir an einem Tisch im Restaurantbereich saßen und – wie die anderen Gäste auch – bereits seit einer halben Stunde warteten. Daraufhin wurde uns sinngemäß gesagt, dass wir dann eben noch eine weitere halbe Stunde warten müssten.
Irgendwann reichte es dem einen oder anderen Gast und er verließ den Speisewagen wieder.
Wir probierten schließlich einen anderen Weg und stellten uns an der Theke an, an der auch Snacks zum Mitnehmen verkauft werden. Als wir an der Reihe waren, erklärten wir unser Anliegen. Die Kellnerin nahm unsere Bestellung für die warmen Speisen auf und rief ihre Kollegin im hinteren Bereich der Theke, die für die Öfen zuständig war.
Diese legte ihr Handy weg und wurde tatsächlich aktiv.
Nach einer Weile brachte sie uns die Teller – einen nach dem anderen. Nur eine Portion fehlte: die Würstchen. Die waren offenbar vergessen worden und kamen noch einmal etwa 15 Minuten später.
Inzwischen hatten auch die anderen wartenden Gäste unseren Weg gewählt und sich an der Theke angestellt. Und siehe da: Es funktionierte. Allerdings stand auf dem Konzept des Speisewagens eigentlich die Bedienung am Platz.
Damit war unser Erlebnis allerdings noch nicht beendet.
Bei einer der Speisen entdeckten wir später ein großes Plastikteil unter dem Essen. Das war besonders unangenehm, weil die Speise damit offenbar erwärmt worden war und wir bereits einiges davon gegessen hatten, bevor wir es bemerkten.
Gerade bei der Zubereitung und beim Erwärmen von Speisen hätten wir uns hier deutlich mehr Sorgfalt gewünscht.
Schade ist das vor allem deshalb, weil das eigentliche Angebot durchaus interessant ist. Die Gerichte, die wir probiert haben, waren geschmacklich gut. Auch die Preise fanden wir in Ordnung.
Beim Ragout war zwar aus unserer Sicht relativ wenig Fleisch dabei. Beim Gemüseteller mit Reis war dafür recht viel dünne, wässrige und ölige Sauce auf dem Teller. Geschmacklich konnten uns die Gerichte dennoch überzeugen.
Auch die Würstchen waren völlig in Ordnung.
Unser Fazit fällt deshalb zwiespältig aus: Das Konzept eines richtigen Speisewagens im ComfortJet finden wir spannend, die Auswahl klingt gut und das Essen, das wir probiert haben, hat uns grundsätzlich geschmeckt.
Unser persönliches Erlebnis mit Service, Sauberkeit und Ablauf war dagegen enttäuschend. Besonders die lange Wartezeit, die zunächst nicht gereinigten Tische und das Plastikteil unter dem Essen haben den Besuch für uns deutlich getrübt.
Eigentlich schade – denn die Idee, während einer Zugfahrt zwischen Dresden, Prag, Berlin und Hamburg in einem richtigen Restaurantbereich zu sitzen und eine warme Mahlzeit serviert zu bekommen, finden wir nach wie vor ziemlich cool.
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Foto: Instagram @dresdner_restaurants
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