61. Beitrag: "Eine Runde um Iwo-Jima" (8. März)

Unsere erste Begegnung mit Japan war die Insel Iwo-Jima. Zwar durften wir auch hier nicht an Land gehen, aber das japanische Militär erlaubte uns zumindest, die Insel einmal zu umrunden. Iwo-Jima, bekannt als Kriegsschauplatz aus dem Zweiten Weltkrieg, ist heute japanischer Luftstützpunkt. Die Runde um die Insel war ein bedrückendes Erlebnis...

Wir saßen auf dem Balkon, hörten auf die Erklärungen von Reiseleiter Linus und betrachteten die ruhige Insel. Nichts bewegte sich dort, aber wir erkannten deutlich die militärischen Anlagen.

"Bis ins frühe 18. Jahrhundert war die Insel unbewohnt", erklärte Reiseleiter Linus über Bordlautsprecher. "Dann wurde sie besiedelt und als Stützpunkt im Pazifik ausgebaut.

Die Wahl der US-Militärs fiel 1945 auf Iwo Jima, weil die Lage ideal war, um einen Vorposten für die Eroberung Japans dort zu errichten. Die Japaner leisteten erbitterten Widerstand.

Nach wochenlangem schweren Feuer der amerikanischen Schiffsartillerie und der Bomberverbände auf die kleine japanisch besetzte Pazifikinsel, landeten am 19. Februar 1945 zwei Divisionen des 5. Amphibischen US-Corps mit Booten auf dem knapp 21 Quadratkilometer großen Iwo-Jima. Damit begann eine der härtesten und, im Verhältnis zu den eingesetzten Truppen, verlustreichsten Schlachten in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Schon am ersten Tag fielen 2.400 Männer. Insgesamt kamen bei der Schlacht fast alle 21.000 stationierten japanischen Soldaten um´s Leben und bis zu 7000 Amerikaner.

Bis jetzt war die Weltreise überaus lehrreich für mein Kind. Oft hatten wir auf unserem Balkon gesessen und ich hatte ihr vor der Robinson Crusoe – Insel die Geschichte von Robinson oder vor der Küste Patagoniens die der Riesen und Helden des Landes erzählt. Wie bitte sollte ich meinem Kind die Geschichte von Iwo-Jima erklären? Eine Geschichte, die Geschichte war. Eine Geschichte, die man wie alle im Zweiten Weltkrieg eigentlich nicht wirklich erklären konnte.

Wir saßen eingemummelt unter einer Decke (es war schon deutlich kühler geworden) wieder auf dem Balkon und lauschten Linus, der gerade vom Fotografen Joe Rosenthal und seinem legendären Foto erzählte. Es zeigte eine Gruppe von fünf Soldaten, die eine US-Flagge auf dem höchsten Punkt der Insel hisste, dem Vulkan Suribachi. Das Foto diente als Vorlage für das US Marine Corps War Memorial in Arlington, Virginia. Die Helden mit der Fahne wurden zentrale Figuren im Buch "Die Flaggen unserer Väter" von James Bradley, das im letzten Jahr von Clint Eastwood verfilmt wurde. Besonders beachtet ist gerade Eastwoods zweiter Teil ("Letters von Iwo-Jima"), der Ende Februar in den deutschen Kinos startete und die Ereignisse auf der Insel vor uns aus Sicht der Japaner beschreibt. Wenn ihr den Film seht - das ist genau da passiert, wo wir gerade sind.

Gebannt und bestürzt sehen wir auf die Insel, deren Ruhe nur durch die japanischen Kampfjets und ihre Trainingsflügen gestört wird. Gerade landet eine Maschine. Im Jahr 1968 gaben die USA die Souveränität der Insel an Japan ab und heute nutzen die Japaner sie als Luftstützpunkt, wo im Rahmen eines Spezialabkommens auch die Amerikaner Trainingsflüge durchführen dürfen. Rund 240 japanische Soldaten sind hier jeweils für zwei Jahre stationiert. Reiseleiter Linus stellt sich das langweilig vor auf der kargen Insel, wo weder Mobiltelefon noch Fernsehapparat ein Signal empfangen. Nach jeweils zwei Monaten Dienst gibt es eine Woche Urlaub.

Im Zusammenhang mit Iwo-Jima wird heute oft über Atombomben gesprochen, doch die Recherche dazu gestaltet sich schwierig und konkrete Informationen darüber gibt es nicht. Dass wir die Insel nicht betreten durften und die seltsamen Bauten, die wir von weitem sehen konnten, sind kein Beweis. Aber…

Anja Fließbach: Donnerstag, 8 März 2007, 23:47 Uhr