24. Beitrag: "Von Seelöwen, Pinguinen und Walen" (23. Januar)

Träge schleppt sich das Seelöwenweibchen an den Strand. Platsch. Es bleibt im Sand liegen und krümmt keine Flossse mehr. Der große Seelöwe neben ihr hat es nicht leicht. Eine Möwe setzt sich immer wieder auf seinen schweren Körper. Mühsam hebt er den Kopf und beschwert sich laut. Ganz hinten unter dem Felsvorsprung im Schatten liegen die anderen Seelöwen neben- und übereinander. Siesta an der Küste Patagoniens.

Fasziniert beobachtet Louisa das Treiben der Tiere. Wir stehen auf einer Felsenklippe über der Kolonie. Ein Männchen kommt aus dem Schatten und verscheucht mit lautem Gebrüll ein anderes Tier, das sich seinem Harem genähert hatte. "Das klingt, als ob die Seelöwen rülpsen", erklärt mein Kind ernst.
Die Küste Patagoniens ist bekannt für seine Tierwelt. Besonders auf der Peninsula Valdés tummeln sich Pinguine, See-Elefanten und Seelöwen. Von Juli bis Dezember kommen die Wale, um sich hier zu paaren. Die Halbinsel Valdés ist 3265qkm  groß und gehört wegen der einmaligen Tierwelt zum UNESCO-Welterbe. Der Weg nach Valdéz führt an der Isla de los Pájaros vorbei, die Antoine de Saint-Exupéry in "Der kleine Prinz" beschrieben hat. "Ich weiß, Mama. Die Schlange, die einen Elefanten verschluckt hat", bestätigt mein Kind. Auf diese Insel dürfen  Touristen nicht. Hier leben seltene Vögel und nur Ornithologen  mit einem entsprechenden Ausweis haben Zutritt.

"Ein Wal, ein Wal", ruft eine Frau in unserem Bus und alle Gäste schauen gebannt aus dem Fenster auf das Meer. Ich sehe nichts. "Wo?", will meine Tochter wissen und sagt: "Ah, da hinten das schwarze Ding." Ich sehe immer noch nichts. "Die meisten Wale halten sich nördlicher im Golfo Nuevo auf und eigentlich müssten sie schon wieder weg sein", wundert sich unsere Reiseleiterin. Ich wundere mich auch, denn ich sehe immer noch nichts. Dabei wird ein Schwertwal bis zu zehn Meter lang und 1000 Kilo schwer, also nicht zu übersehen. Die Glattwale werden sogar bis zu 15 Meter lang und über 35 Tonnen schwer.
Dagegen sind unsere Seelöwen, die wir in Punta Loma beobachten, winzig. Aber dick. Die Männchen wiegen rund 300 Kilogramm  und sind zweieinhalb Meter groß, die Weibchen kleiner. Das Verteidigen der Seelöwenfrauen ist ein üblicher Kampf. "Seelöwenmännchen sind polygam. Sie  haben in dieser Kolonie durchschnittlich zwölf Frauen", erklärt unsere Führerin. Kein Wunder, dass sie sich prustend behaupten und stolz auf ihre Vorderflossen stellen. "Seelöwen benutzen für die Fortbewegung die Vorderflossen, See-Elefanten dagegen robben", so die Erklärung.Wieder etwas gelernt. Außerdem haben See-Elefanten einen großen, aufblasbaren Rüssel und Seelöwen eine Mähne. Allerdings bei beiden Arten nur die Männchen. Die Weibchen könnten wir als Laien kaum unterscheiden.

Mein Kind ist begeistert von den trägen Tieren. Aber nicht von Pinguinen. Angeblich sollen Kinder Pinguine mögen. Louisa fand sie schon bei unserem ersten Besuch hier in Patagonien vor zwei Jahren recht langweilig. Besonders die Magellan-Pinguine sind hier beheimatet. Sie sind kleiner als Königs- und Kaiserpinguine. "Warum können Pinguine nicht fliegen?", wollte Louisa wissen und ich zeigte ihr die Stummelflossen, die nur zum Rudern reichen. Was wir allerdings über die kleinen Tiere erfahren haben, hat sie zumindest mir sehr sympathisch werden lassen, besonders angesichts des Schiffslebens: Pinguin-Paare bleiben sich ein Leben lang treu. Sie brüten ihre Eier abwechselnd aus und den Nachwuchs betreuen sie gemeinsam.
Wir fahren zurück nach Puerto Madryn, der kleinen Stadt mit 50.000 Einwohnern. Es ist Ferienzeit in Argentinien und bei 35 Grad im Schatten ist der Strand gut besucht. Der Ort ist gemütlich, kleine walisische Häuser stehen neben einigen größeren Hotels. "Die Waliser waren die ersten Europäer, die hier ankamen. Sie hatten in Darwins Buch von dieser Gegend gelesen", so unsere Gästeführerin.

Es ist ein schöner Abend. Nach und nach kommen die Passagiere der "MS Amadea" zurück zu ihrem Zuhause. Sie sitzen auf den Decks und genießen die Stimmung. Ich genieße nicht. Denn meine Vorahnung und die aktuelle Wetterkarte im Bordfernsehen lassen mich aktiv werden. Ich räume die Kabine auf, speichere Fotos ab, schreibe Artikel und beantworte die E-Mails aus der Redaktion. Alles, was schwierig ist bei Seegang. Einen kleinen Sturm hatten wir schon auf dem Weg nach Puerto Madryn. Hier im Golf waren wir geschützt, aber es war im wahrsten Sinn die "Ruhe vor dem Sturm."

Anja K. Fließbach: Dienstag, 23 Januar 2007, 3:43 Uhr

Kommentare zum 24. Beitrag

Hallo Frau Fließbach, ich habe Ihren Blog erst jetzt entdeckt. Unsere Freunde Inga und Erich sind auch an Bord. Falls Sie sie kennen sollten (schwierig auf einem großen Schiff), dann viele Grüße! Wenn nicht allen eine gute Weiterfahrt!

Kommentiert von: astrid | Dienstag, 23 Januar 2007, 17:26 Uhr

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(Letzte Aktualisierung: 23.01.2007)