Ein Leben für den Fußball

Ball-Begegnung mit Stephanie Jones

Stephanie Jones zählte zu den Promi-Gästen des SemperOpernballs. Disy stand sie für ein kurzes Gespräch zur Verfügung.

Was machen Sie gegenwärtig?
Jones: Seit 2011 bin ich im DFB Direktorin. Nach der WM 2011 haben wir im DFB eine eigenständige Frauen- und Mädchendirektion gegründet. Das ist ein Meilenstein für den Frauenfußball. Ich leite den Frauen- und Mädchenfußballbereich angefangen vom Breitenfußball über die Frauenbundesligen bis hin zu den Frauennationalmannschaften, Talentförderung und Schule. Nebenbei habe ich diese Botschafterrolle für den Frauenfußball und für den Fußball generell national und international.

Welche Träume und Visionen haben Sie?

Jones: Dass ich mir wünsche, dass der Frauenfußball weiter diese Entwicklung nimmt, dass wir weiterhin unsere Anerkennung bekommen und dass man uns aufgrund unserer Leistungen Beachtung schenkt. Ich träume davon, dass wir hoffentlich mit der U20-Nationalmannschaft in Kanada Weltmeisterin werden und im Jahr drauf mit der Frauennationalmannschaft auch.

Worin unterscheidet sich Frauenfußball von Männerfußball?

Jones: Rein aus biologischer Sicht kann man das nicht miteinander vergleichen. Der Frauenfußball ist in seinen Möglichkeiten eher ähnlich anderen Mannschaftssportarten zu sehen. Anhand dessen sollte man die Entwicklung des Frauenfußballs bewerten. Was das Spiel selber angeht, ist es so, dass die Technik, die Taktik und das System immer gleich sind - abhängig von den Trainern und den Trainerinnen, die ihre Philosophie haben. Das männliche Spiel ist schneller, weil ein Mann stärker und schneller ist.

Reicht Erfolg für Ihre Mission?
Jones:
Nein, der reicht nicht. Es ist immer wieder eine Herausforderung, dass wir diesen Erfolg nutzen, diesen kurzzeitigen Schub, die mediale Aufmerksamkeit. Weiterhin versuchen wir uns immer infrastrukturell zu entwickeln.

Welche Rolle spielt Fußball für Ihre Familie?

Jones: Fußball hat für mich persönlich aufgrund unserer Schicksalsschläge eine sehr große Rolle gespielt. Mein älterer Bruder war viele Jahre drogensüchtig, mein jüngerer Bruder hat bei der US-Army im Irak-Krieg bei einem Anschlag beide Beine verloren. Aufgrund meiner Hautfarbe bin ich auch als Kind immer mal diskriminiert worden. Der Fußball hat mir wahnsinnig geholfen, mein Selbstwertgefühl zu stärken. Das ist auch das, was ich sage, wenn ich in Schulen und Kindergärten gehe oder wenn ich mit jungen Menschen spreche: Egal, was ihr macht, ob es Fußball ist, ob es andere Sportarten sind, ob es Musik oder Tanzen ist - es gibt immer etwas, was ihr gerne macht. Das solltet ihr mit ganz viel Hingabe und Spaß ausüben. Es geht nicht um die Titel, die sind auch schön, aber die machen mich nicht zu einem besseren Menschen, sondern das, was man innerhalb dieser Mannschaften oder dieser Leidenschaften zurück bekommt.