Kultureller Brückenschlag

Fulminante Premiere des Dresdner Opernballs in St. Petersburg

 

Mit einer ergreifenden Opern- und Ballettgala auf Weltniveau, in zwei der ehrwürdigsten und historisch bedeutsamen, sowie wunderschön gelegenen Veranstaltungsorten – dem Michailowsky-Theater und der Philharmonic Hall - begann die Premiere des Dresdner Opernballs in St. Petersburg, dem zugleich bedeutendsten deutsch-russischen Kulturereignis des Jahres.


Jeder wohlkomponierte Partikel dieser Nacht atmete den Geist des kulturellen Brückenbaus zwischen Deutschland und Russland. „Die ersten Schritte auf dieser Brücke sind wir nun gemeinsam gegangen“, sagte der künstlerische Leiter und Ballchef Hans-Joachim Frey mit Blickauf die Petersburger Partner, „es war ein in jeder Hinsicht bewegender Abend und wir sind froh und dankbar, dass wir das gemeinsam geschafft haben“. Die Premiere dieses deutsch-russischen Balles, der auch in den kommenden fünf Jahren stattfi nden soll, intensiviert ebenfalls den Austausch zwischen den beiden, nun seit 1961 in Städtepartnerschaft miteinander verbundenen Städte Dresden und St. Petersburg.



Nach der Begrüßung durch den russischen Präsidenten Wladimir Wladimirowitsch Putin per Vidobotschaft erlebte das Publikum des Petersburger Michailowsky Theaters eine glänzende Vorstellung der stärksten gegenwärtig zu hörenden
Opernstimmen: Albina Shagimuratova glitt bei Rimsky-Korsakov mühelos in die höchsten Sopranebenen, Nadia Michael fügte eine atemberaubende Bühnenpräsenz
hinzu, Stephen Goulds Timbre trug Wagners „In einem fernen Land“ aus Lohengrin weit in die pittoreskten Ränge des Theaters und der ausgezeichnete Bariton Vasily Ladyuk berührte mit einer Arie aus Tschaikowskys Pique Dame. Mit der Primaballerina Alexandra Timofeeva war ein äußerst graziler Schwan von Saint Saens zu sehen. Ein nachhallender Höhepunkt des Galaprogramms dürfte auch der Auftritt des Chors des Michailowsky-Theaters gewesen sein, der mit Borodins Polowetzer Tänzen aus der Oper „Fürst Igor“ ein an Intensität nicht zu übertreffendes Klangerlebnis zündete. Dazu trug maßgeblich auch das Dirigat von Stardirigent Massimo Zanetti am Pult des Michailowsky- Orchesters bei. Modern wurde es mit der Jazzlegende Igor Butman auf dem Sopransaxophon. Gemeinsam mit seiner Big Band war er im späteren Verlauf des Abends nochmals zu hören. Das neue Moderationspaar mit der ehemaligen Miss Universe Fedorova und dem Hollywoodschauspieler Tom Wlaschiha erwies sich in jeder Hinsicht als Glücksgriff. Sowohl souverän, stimmlich ansprechend und auch noch unterhaltsam meisterten beide bravourös den Parcours durch das Programm und flochten in ihre Moderation gekonnt Hinweise zur deutsch-russischen Kompositions-Geschichte ein. Weitere Höhepunkte des Abends waren die Verleihung der Ehrenpreise, zweier sogenannter Willkomm-Schlüssel aus Meissener Porzellan und eines Dresdner St. Georg Ordens. Einen MEISSEN Preis erhielt die Hollywoodgröße Armin Mueller-Stahl, der in seiner Dankesrede über seine eigenen russischen Wurzeln sprach und eindringlich mahnte, dass ‚Nie wieder Krieg‘ die entscheidende Botschaft sei, die auch mit der Unversalsprache der Kultur über alle Grenzen hinweg transportierbar, weil verständlich sei. Die Eiskunstlauflegende und zweifache Olympiasiegerin Katarina Witt erhielt ihre Auszeichnung aus den Händen ihres russischen Kollegen und Olympiasiegers Jewgeni Pluschenko, der weltbekannte Dirigent Yuri Temirkanov wurde mit dem Dresdner St. Georg Orden geehrt. Ein unvergleichliches und besonderes Sommernachtserlebnis für die Stars und knapp eintausend Gäste war der Gang über den 500 Meter langen Roten Teppich vom Michailowsky- Theater in die benachbarte Philharmonic Hall im Anschluss an das Programm. Er führte vorbei an der Augenbühne auf dem wunderschönen Platz der Künste, vor der sich 5000 schaulustige PetersburgerInnen versammelt hatten, um die Übertragung des Programms nach Dresdner Vorbild anzusehen. Die höchst beliebte Showformation Dschinghis Khan versetzte die Zuschauer von dort und im späteren Verlauf des Abends - nach dem Auftritt des russischen Superpopstars Emin Agalarov - in Bewegungslaune. Den Weg entlang des roten Teppichs säumten junge russische Bergakademie-Studenten von einer Partneruniversität der sächsischen Bergakademie Freiberg, die jeweilseine kerzenbeleuchtete Lampe in Händen hielten. Die streng choreographierte Balleröffnung durch 120 Debütantinnen und Debütanten in der PhilharmonicHall indessen krönte das Genusserlebnis des nachfolgenden Galadinners durch Studenten der St. Petersburger Kadettenschule Suworow in ihrer Uniform mit ihren weiß gewandeten Damen der Petersburger Kunstschule. Zuvor hatten 15 Debütantenpaare des 14. Dresdner SemperOpernballs in ihren diesjährigen Ballkleidern mit ihrer Formation einen Gruß aus Dresden, jeweils unter fachkundigster Anleitung der Dresdner Tanzschule Lax
und in strahlendem Styling der Dresdner Coiffeure Suchomel Bohm in Kooperation
mit ESTEL übermittelt. Schließlich tanzten die Gäste auf der Bühne der kunstvoll beleuchteten und säulenbestandenen Philharmonic Hall zu den Streicherklängen der sich aus Mitgliedern der Sächsischen Staatskapelle formierten Semper Strings bis in die späte Nacht hinein. Der MDR übertrug das Premiumkultureventdreieinhalb Stunden live on tape im MDR-Fernsehen zur Hauptsendezeit. Aus dem Stand erreichte die Sendung einen Marktanteil von 10,2 Prozent. Der nächste Dresdner Opernball in St. Petersburg wird am 5. September 2020 stattfinden.