Mit dem SemperOpernball dreht sich Dresden schneller

Erst passiv, dann aktiv – Designer Uwe Herrmann ist seit dem ersten SemperOpernball dabei und für das Kleid der Debütantinnen verantwortlich. Im Interview erklärt er, was der Ball für Ihn und für Dresden bedeutet. 

 

Was macht den SemperOpernball besonders?

Herrmann: Aus meiner Sicht ist der SemperOpernball ein Ball mit internationalem Flair. Mit den über 200 Debütanten ist er einzigartig in Deutschland. Mein Team und ich sind seit zehn Jahren für die Out ts zuständig. Außerdem wird für die Debütantinnen immer spezieller Schmuck entworfen. Es gab viele Opernbälle in Deutschland, aber die sind inzwischen alle pleite. Nur der SemperOpernball hat sich gehalten.

 

Warum hat das ausgerechnet der Ball in Dresden geschafft?

Herrmann: Weil sich sehr viele Menschen ehrenamtlich für den SemperOpernball engagieren. Außerdem ticken die Dresdner ein wenig anders als der Rest der Republik. Die Sachsen waren schon zu Zeiten August des Starken anders. Wir Dresdner machen die Klappe auf und sagen, was wir denken. Wir gehen nicht immer mit dem allgemeinen Mainstream konform. Das liegt daran, dass wir, gefühlt, in Dresden mehr intellektuelle haben als manch andere Stadt. 

 

Worauf freuen Sie sich am meisten beim SemperOpernball?

Herrmann: Eine Freude ist für mich, dass wir eine gute Außenwirkung haben und ein völlig anderes Bild von Dresden wahrgenommen wird. Tausende Menschen tanzen bei Minusgraden unter freiem Himmel Walzer. Das gibt es nirgends sonst auf der Welt. Ich helfe durch meine Mitarbeit beim Opernball, Dresden anders darzustellen, als die Allgemeinheit, die versucht, uns in eine bestimmte Ecke zu stellen. 

 

Wie sind Sie zum Partner des Balls geworden?

Herrmann: Ich bin seit dem ersten SemperOpernball dabei, erst passiv, seit dem zweiten aktiv. Auch mit Schmuck und Accessoires, die ich extra anfertige.

 

Sie haben zum Ball Ihre ganz eigene Meinung...

Herrmann: Er ist keine Veranstaltung für die Eliten, sondern eine Bündelung von Menschen. Es ist nicht nur ein Ball, sondern auch ein Zentrum des modernen Wordings von den Menschen, die dort teilnehmen. Es gibt Unternehmer und Anwälte, aber auch die Köchin, die von ihrem Mann zu Weihnachten eine Flanierkarte bekommen hat. Einfach, um einmal dabei gewesen zu sein. Man muss es einmal erlebt haben. Natürlich ist die Oper an sich bereits eine Institution. Welche Stadt hat so eine schöne Oper wie Dresden? Es gibt aber auch geteilte Meinungen. Der eine sagt, die Oper ist nicht dazu da, Parties zu veranstalten, sondern soll Hochkultur liefern. Der andere sagt, dass die Oper für alle da ist.

 

Wie bereiten Sie alles vor?
Herrmann:
Bei den Kleidern ist es ganz einfach. Die Kleider werden genäht, bevor ich überhaupt eine Debütantin gesehen habe. Die meisten Debütanten sind Schüler und Studenten. Die Debütanten müssen bei uns nur die Reinigung, die Änderung und den Reifrock bezahlen. Alles andere wird gesponsored. Das Kleid wird ihnen geliehen. Das müssen sie nicht bezahlen, das bezahle ich. Es ist ein Ballkleid mit vielen Stofflagen und wird genäht wie ein Brautkleid. Deshalb dauert es pro Kleid bis zu fünf Stunden um es zu ändern.

 

Wann beginnen Sie mit der Vorbereitungen?
Herrmann:
Der aktuelle Entwurf ist eine Woche nach dem SemperOpernball entstanden. Ich war noch völlig gestresst vom Ball und den Kleinigkeiten, die hinter der Bühne passieren. Ich habe mir Gedanken gemacht und mir fiel überhaupt nichts ein. Kurz vor dem Ball war ich beruflich in China und bin über Afghanistan geflogen. Auf unserer Flughöhe schien noch die Sonne, auf der Erde war es bereits Dunkel. Über Kabul sah ich viele Lichter. Mir kamen die Medienbilder von Kabul in den Sinn. Als ich aber dort hinunter schaute, sah alles so friedlich aus. Dann hat mir Hans-Joachim Frey das Motto ‚Dresden strahlt - grenzenlos in alle Welt‘ mitgeteilt. Da habe ich entschieden, dass ich für den 12. SemperOpernball eine blaue Korsage mit den Lichtern von Afghanistan darauf entwerfe. Dazu einen großen Reifrock mit ganz vielen Glitzersteinen. Die Erde als blauer Planet funkelt im Universum. Es ist trotzdem nur das SemperOpernball-Kleid.

 

Was meinen Sie mit ‚nur‘ das SemperOpernballkleid?
Herrmann:
Wir haben einen schönen Opernball in einer schönen Stadt mit wunderschönen Debütanten, die aus der ganzen Republik und aus dem Ausland kommen, aber ohne den Opernball dreht sich Dresden trotzdem weiter. Mit dem Opernball dreht sich Dresden schneller.

 

Was tragen Sie zum Ball?

Herrmann: Immer Frack.

 

Einen selbstentworfenen Frack?
Herrmann:
Nein, um Himmelswillen! Warum soll ich mir einen Frack selber nähen, wenn es schöne zu kaufen gibt? Der Frack hat etwas mit Etikette zu tun, mit Vorschriften. Ein Opernball ist theoretisch ein Ball, bei dem die Männer prinzipiell Frack tragen und die Frauen ein Ballkleid, aber leider sind es oft nur noch Abendkleider. Das opulente Kleid sieht man selten.

 

Was ist der unterschied zum Wiener Opernball?
Herrmann:
Wir sind ein sehr schöner Ball. Besser als Wien, definitiv besser als Wien. Die Wiener Oper ist so groß, dass sich nicht so eine familiäre Atmosphäre wie in der Semperoper entwickelt. In Wien ist alles sehr professionell, dort essen die Besucher im Frack Wiener Würstchen. Frack ist dort Pflicht. Hier darf man auch Smoking tragen. 

 

Stört Sie das?
Herrmann:
Die meisten kommen im Smoking. Ein Frack kostet das fünf- bis sechsfache eines Smokings. Frack kann auch nicht jeder tragen, wenn man klein und rundlicher ist, sieht das immer sehr lustig aus, eben wie ein Pinguin. Junge Frauen finden das auch nicht mehr attrakiv. Als ich Mitte 20 war, ging es mir genau so. Das ist ein Generationskonflikt.

 

Guido Maria Kretzschmer moderiert jetzt zum zweiten Mal den SemperOpernball. Kennen Sie sich persönlich?

Herrmann: Ja, wir kennen uns persönlich. Er kommt ja auch bei Vox direkt vor uns: ‚Shopping-Queen‘ dann ‚Tüll und Tränen‘. Ich bin nicht einmal ansatzweise mit Kretschmer zu vergleichen. Guido Maria Kretschmer ist der ideale Schwiegermuttertyp, den alle lieb haben. Ich übrigens auch. Weil er einfach ein guter Kerl ist. Er vermarktet sich geschickt und hat Millionen Zuschauer.

 

Von wie viel Design ist Ihr Arbeitsalltag geprägt?
Herrmann:
Ich hatte die Wahl zwischen Expansion und zurückziehen. Ich habe mich für Zurückziehen entschieden. Ich sehe keinen Grund, Filialen in Berlin und München zu eröffnen. Mein Ziel ist es nicht, groß und berühmt zu werden. Ich bin für mein Geschäft in Dresden, meine Kollektion und meine Kunden da. Zusammen mit meinen 30 Mitarbeitern. Ich will nur Uwe Herrmann aus Dresden sein.