„Mit Trachten der Zeit voraus“

Ein Gespräch mit Dr. Axel Munz, Chef des Münchener Trachtenunternehmens Angermaier

 

Seit über 25 Jahren verkauft der Chef des Münchener Trachtenunternehmens Angermaier Dr. Axel Munz Trachten, die traditionell und innovativ zugleich sind. Disy hat mit dem geschäftsführenden Gesellschafter des Trachtenlabels Angermaier in München gesprochen. Er verriet uns, welche Bedeutung seine Trachten für die Branche und die Münchener Gesellschaft haben und weshalb die Tracht in der ganzen Welt immer beliebter wird.

 


Was ist das Geheimnis Ihrer Trachten?

Munz: Stets innovativ und der Zeit ein bisschen voraus. Wir sind immer die ersten, die Trends kreieren. Wenn die Leute etwas Tolles wollen, dann sind sie bei uns richtig.

 

Worin liegt außerdem das Geheimnis Ihres Erfolges?

Munz: Vor ca. 25 Jahren haben wir begonnen, die Tracht für die Wiesn hoffä-
hig zu machen. Wir haben ein tolles Komplettprogramm für Herren mit Schuhen, Hose und Hemd entworfen. Das gab‘s damals für 399 Mark. Das war für junge Leute, aber auch für Ältere die Initialzün- dung, der Einstieg für die Tracht auf dem Oktoberfest. Davor war auf der Wiesn fast kein Mensch in Tracht gewesen, außer ein paar Tölzer-Buben.

 

Sie hatten damit unglaublichen Erfolg.

Munz: Pro Jahr haben wir anfänglich über 1.000 Prozent Zuwachs gehabt. Wir waren die einzigen, die dieses Angebot anbieten konnten. Heute gibt es dieses Set immer noch für 199 Euro.

 

Und die Dirndl?

Munz: Von Jahr zu Jahr haben wir das Angebot ausgebaut und die Dirndl entstaubt. Wir waren sehr mutig und haben uns dem damaligen Dirndlmuff entgegengesetzt, neuartige Stoffe eingesetzt, modische Elemente integriert und extrem viel Wert auf Schnitte und Paßform gelegt. Das hat sich ausgezahlt. Das Dirndl bringt die weibliche Figur perfekt zur Geltung, wenn es passt. Das kann man von vielen Billigdirndln nicht sagen. Aber auch Lederhosen müssen perfekt sitzen. Eine Tracht sendet schließlich erotische Signale aus, sofern sie knackig sitzt.

 

Wer ist Ihr typischer Käufer?

Munz: Den typischen Käufer gibt es nicht. Es gibt keine klar definierte Zielgruppe. Vom Einsteiger- bis zum Designer-Outfit gibt es bei uns alles. Zu uns kommt der Student genauso wie der Geschäftsmann.

 

Haben Sie die Münchner Gesellschaft kultiviert?

Munz: Einen Schubs in Richtung Tradition gaben wir auf jeden Fall. Das erkennen auch andere an. Wir sind traditionsbewusst, aber die Tracht hat sich immer mit uns modernisiert. Alle Traditionen müssen immer wieder eine Neubelebung erfahren, sonst sterben sie aus. Die Tracht wurde durch uns entstaubt und dadurch modisch. Trachtige Elemente finden Sie inzwischen überall.

 

Findet die Münchner Gesellschaft zurück zu alten Werten?

Munz: Als Gegenpol zur Globalisierung und Radikalisierung findet eine Besinnung auf traditionelle Werte statt. Die Leute suchen Halt. Den gibt die Tracht. Deswegen tragen viele Touristen, die nach Mün- chen kommen, Dirndl und Lederhosen. Sie wollen während der Wiesn diese Tradition mitleben, dieses Zusammengehörigkeitsgefühl spüren. Tracht ist sehr verbindend.

 

Was raten Sie den Jungunternehmern?

Munz: Macht was anderes, als die, die schon auf dem Markt sind - kopiert nicht, sondern seid innovativ, sonst habt ihr keine Chance.

 

Also immer am Puls der Mode und der Zeit bleiben?

Munz: Und immer neue Ideen haben. Wir werden sehr gerne in jede Richtung nachgeahmt. Deswegen sind wir gezwungen, immer wieder etwas Neues zu machen.

 

Wie gehen Sie mit dem Faktor Internet um?

Munz: Das wird immer wichtiger. Der Onlineshop steigt in der Bedeutung. Wir verkaufen nicht nur in München oder in Oberbayern, sondern bekommen Bestellungen aus ganz Deutschland, ja aus der ganzen Welt. Da die Tracht einen Siegeszug begonnen hat, ist dies ausbaufähig. Angermaier hat noch weitere Filialen in Berlin, Nürnberg, Stuttgart und seit einigen Wochen in Singapur. Die Leute wollen ein- fach unsere bayrische Tracht haben, selbst in Asien.

 

Wie oft sind Sie persönlich im Geschäft?

Munz: Ich bin extrem viel da, aber nicht so sehr mit dem Verkauf, sondern mehr mit anderen Aufgaben betraut z.B. mit der Produktion, Kooperationen, Marketing und PR sowie administrativen Aufgaben. Aber die Aufgabe erfüllt mich zu 150 Prozent.

 

Wie tanken Sie Energie?

Munz: Wenn Sie mich nach dem Ende der Wiesn, respektive nach dem Wasen - der läuft ja eine Woche länger in Stuttgart - sehen, dann wissen Sie, dass ich Erholung nötig habe. Dann lege ich mich irgend- wo in die Sonne, schlafe viel und lasse es mir gutgehen.

 

Wie genießen Sie?

Munz: Genießen geht am besten zwanglos mit guten Freunden.

 

Was geben Sie Ihren Kindern mit auf den Weg?

Munz: Du musst Dich in Deine Arbeit reinhängen, sonst funktioniert es nicht. Du musst Deine Kreativität ausspielen und ehrlich sein, Dir und den anderen gegenüber. Das ist auch im geschäftlichen Bereich wichtig. Du musst immer in den Spiegel schauen können und Du musst Spaß haben an Deiner Arbeit.

 

Wollen Ihre Kindern in Ihre Fußstapfen treten?

Munz: Meine Tochter Nina arbeitet seit 7 Jahren fest im Unternehmen. Das hat sie aus freien Stücken getan. Sie hat gesehen, dass harte Arbeit dahinter steckt, aber dass es auch unheimlich interessant und abwechslungsreich ist. Daraus kann man eine große Zufriedenheit schöpfen. Von der European University wurden wir mit dem „Family Business Award“ ausgezeichnet.

 

Bei Ihnen kaufen auch viele Promis...

Munz: Ja! Die sind eigentlich alle sehr zahm. Probleme gibt‘s nur mit denen, die gar nicht berühmt sind, aber meinen, sie wären es. Aber mit denen kann ich gut umgehen. Da bin ich cool genug.

 

Sie gehen auf Kundenwünsche ein, halten aber eine Richtlinie bei?

Munz: Auf jeden Fall! Das Schlimmste ist, wenn jemand etwas gekauft hat, das ihm nicht passt. Das führt zu einem schlechten Image. Unsere Mitarbeiter sind angehalten zu sagen, was dem Kunden gut steht und was nicht. Einer älteren Frau mit strammen Beinen empfeh- len sie entsprechend ein langes Dirndl statt einem kurzen.

 

Woher kommen die Ideen für neue Kreationen?

Munz: Mit unserer Eileen, Nicole und Nina haben wir ein ein großartiges, eingespieltes Designerteam im Hause. Das sind drei erfolgreiche Mädchen und ich. Außerdem ist die brillante Designerin Astrid Söll eng mit unserem Unternehmen verbunden und entwirft speziell für uns eine eigene Kollektion. Natürlich produzieren wir nicht nur selbst, sondern wir kaufen auch bei hochwertigen Brands nach.

 

Wie ist der Austausch mit anderen Kollegen in der Branche?

Munz: Nicht so überragend, das ist mehr ein Konkurrenzdenken. Die Leute beobachten stark, was wir machen. Wir haben genug Selbstvertrauen und schauen deshalb nicht auf andere. Ganz witzig: Der erste Designer, den wir verpflichtet hatten für eine Kollektion, war übrigens Harald Glööckler. Das war vor acht Jahren.

 

Wie sehr verändert Tracht die Menschen?

Munz: Sehr stark. Die Leute werden sofort lockerer. Und vor allem Frauen strahlen plötzlich ganz anders. Mit der Tracht transportierst du ein neues, befreites Lebensgefühl. Deswegen fotografieren sich die Leute auch gleich gegenseitig und schicken ihre Fotos um die Welt. Die Magie dieser Verwandlung gilt nicht nur für Touristen, sondern natürlich auch für Einheimische.