Prügelt nicht auf Ramsauer ein!

Warum Westerwelle als Scherzartikel um den Globus reist, man Rösler für einen chinesischen Pharmavertreter hält, die Grünen im Ude-Fieber sind und Horst Seehofer demnächst mit Augenklappe rumrennt. Ugur Bagislayici (alias „Django Asül“) sagt uns, was in München wirklich los ist. Lesen sie seine satirische Meinung über das Geschehen. 

 

Von Ugur Bagislayici („Django Asül“)

 

Neuer Markus Söder. Souverän wie seine Vorgänger. Spricht für die vernünftige Personalplanung der CSU. Wechsel von Fahrenschon zu Söder ein ruhiger, homogener Prozess. Fahrenschon hat immer mit offenen Karten gespielt. Drum war sein Chef Seehofer der erste, der von seinen Abwanderungsplänen erfahren hat. Aus den Medien. Warum hat Fahrenschon Arbeitsplatz gewechselt? Fußballer sagen da gerne: Andere Kultur kennenlernen. Für Georg bedeutete das: Arbeit halbieren, Gehalt verfünffachen. Warum Söder? Ganz einfach: Warum nicht? Wobei Seehofer betont hat, wie viele Alternativen er gehabt hätte. Seehofer hat das damals ausführ- lich erklärt. Er meinte, da gäbe es diesen Herrn Pschierer. Der sei Staatssekretär im Finanzmi- nisterium, hätte unheimlich viel Ahnung von der Materie, könne es aber da draußen nicht so gut erklären. Drum hätte er sich gedacht, er nimmt lieber die Frau Haderthauer. Die hätte nämlich überhaupt keine Ahnung von der Materie. Könne es aber sehr gut erklären. Und dann erst hat er sich gedacht: Dann nimmt er lieber den Söder. Weil der kann weder das eine noch das andere.

 

Der Dobrindt verkleidet sich mittlerweile das ganze Jahr. Sag mal, Dobrindt, wie lang warst denn im Windkanal? Wennst so weitermachst, handelst Dir noch einen Plagiatsvorwurf vom Guttenberg ein. Den Dobrindt sieht man nimmer. Weil er so sauber abgespeckt hat. Und das mit 41 Jahren! Besser spät als nie. Von ihm ist ja so gut wie nix mehr da. Ja, manchmal kommen Körper und Geist eben sehr spät in Einklang. Dobrindt hat enorm an Strahlkraft zugelegt. Wenn er so weitermacht, muss sich der Umweltminister Huber noch Gedanken machen über die Endlagerung. In diesem Jahr haben sich einige leider heillos verrannt. Stichwort: Zweite S-Bahn- Stammstrecke. Auch genannt Transrapid für Arme. Ude: Stadt nicht zuständig. Ich bin doch nicht blöd und finan- ziere dem Seehofer seinen Wahlkampf vor. Jetzt ist ja besagter Seehofer zum Glück nicht nur Parteichef, sondern auch für Deeskalation zuständig. Drum hat sich der Horst gedacht, da muss jetzt mal eine neutrale Stelle von außerhalb intervenieren. Also hat der Horst in Berlin den Ramsauer angerufen und gesagt: Du, Peter, angeblich bist Du jetzt Verkehrsminister. Könntest Du mal mit dem Ude reden? Ramsauer hat sich gedacht, vielleicht ist es noch diplomatischer, wenn er nicht direkt mit dem Ude spricht, sondern nur über ihn. 

 

Liebe Opposition, prügelt nicht zu sehr auf den Ramsauer ein. Der hat ?s eh nicht leicht da oben in Berlin. Ramsauer teilt das gleiche Schicksal wie Angela Merkel. Beide werden zu oft nur auf ihr Aussehen reduziert. Den Ramsauer darf man nie unterschätzen. Der treibt oft ganz überraschend Geld auf. Er kriegt jetzt z.B. eine Milliarde mehr von Finanzminister Schäuble für den Straßenbau. Völlig grundlos. O-Ton im ADAC-Interview: Damit holen wir kräftig Luft, können aber noch nicht entspannt durchatmen. Unser Ramsauer leidet also an akuter Fiskalbronchitis. Wenn alle Stricke reißen, verlangt der Peter eine PKW-Maut. Notfalls auch für die Münchner S-Bahn. Ramsauer sagt: Frau Merkel ist gegen die PKW-Maut. Das ist die Garantie dafür, dass sie kommt. 

 

Seehofer schlägt jetzt dem Ude Gespräch unter vier Augen vor. Zwar nicht auf Augenhöhe, aber unter vier Augen. Sowohl Seehofer als auch Ude haben auch bekräftigt, einen gemeinsamen Termin zu finden, wenn sich der andere zuerst meldet. Aber noch ärgert sich der Ude über den Ludwig Spaenle. Behauptet der doch glatt, die Stadt Leipzig hätte sich mit einer Milliarde beteiligt an ihrem Stadttunnel. Dabei waren es nur läppische 8 Millionen. Gut, das darf man dem Spaenle nicht übel nehmen. Wenn man mal schaut, wie viele Lehrer in Bayern benötigt werden und wie viele es tatsächlich gibt, erkennt man schnell: Mit Zahlen hat es der Spaenle nicht so.

 

Aber dafür umso mehr unser Wirtschaftsminister Zeil. Ein großer Verfechter der Stammstrecke: Es gibt keinen vernünftigen, realisierbaren Plan B. Herr Zeil, Sie verlangen da aber auch eindeutig zu viel. Echte Politiker fragen nur: Was ist realisierbar? Politiker fragen nie: Was ist vernünftig? Zeil will halt immer irgendwas ausbauen. Der Mann ist voller Tatendrang. Ein Herzensanliegen für Zeil ist z.B. auch die Digitalisierung Bayerns. Bis 2018 sollen alle bayerischen Haushalte über eine schnelle Inter- netverbindung verfügen. Gerade weil Sprit immer teurer wird, sollen kleinere Pakete dann per Email verschickt werden. Wenns um das Thema Schnelligkeit geht, ist der Zeil der richtige Mann. Für schnelles Internet lässt der Wirtschaftsminister auch was springen. Und zwar in dem Fall ungefähr 5 Prozent der Summe, die tatsächlich nötig ist. 5 Prozent gelten bei der FDP mittler weile als grandioses Resultat. Tja, und woher sollen die restlichen 95 Prozent für die Breitbandverbindung herkommen? Herr Zeil, haben Sie schon mal den Ude kontaktiert zwecks Vorfinanzierung? Der Zeil kapiert ja eigentlich Zusammenhänge sehr schnell. Wenn es aber dann trotzdem lang dauert, bis was passiert, kann es nur an der langen Leitung liegen. Ehrenwert, dass sich Zeil als Wirtschaftsminister Gedanken über Wirtschaft macht. Bundesweit hat die FDP wahrlich andere Probleme für die anstehenden Wahlen. Da heißt es nur: Schaffen wir endlich mal wieder 5 plus x? Nach den letzten Landtagswahlen hat man das noch mal angepasst.

 

Jetzt ist das Ziel nur noch 0 plus x. 0 plus x ist auch die FDP-interne Bezeichnung für Rösler und Westerwelle. Die Personaldecke der FDP ist halt schon arg dünn. Der Westerwelle reist als Scherzartikel um den Globus. Und den Rösler halten die meisten für einen chinesischen Pharmareferenten. Die Außendarstellung der FDP ist auch nicht gerade optimal. Da wäre halt ein gescheiter Generalsekretär gefragt. Da sieht man: Generalsekretäre wie Dobrindt fallen nicht vom Baum. Obwohl der Dobrindt oft genau diesen Eindruck vermittelt. Aber die FDP ist da noch auf der Suche nach dem idealen Mann. Der Lindner hat hingeschmissen als GS. Gut, der war auch erst 14. Der Neue, der Döring, hat sich gleich bestens eingeführt. Auf seiner er- sten Pressekonferenz hat der Döring gesagt: Ich weiß zwar nicht so recht, was ich jetzt zutun hab. Aber privat fahre ich gern Außenspiegel ab. 

 

Da kann die bayerische FDP noch froh sein, dass es Frau Leutheusser-Schnarrenberger gibt. Sie ist die kongeniale Partnerin von Hans-Peter Friedrich. Während Leutheusser-Schnarrenberger gar nix speichern will, verfolgt Friedrich eher einen prag- matischen Ansatz. Er sagt: Wenn wir alle Daten sammeln, haben wir automatisch auch die rich- tigen. Volle Hingabe ist halt Friedrichs Lebensmotto. So auch im Einsatz beim Kampf gegen Terrorzellen. Eine Glanzstunde hatte Friedrich im Herbst in Sachen Zwickauer Terrorzelle. Bei der Pressekonferenz war er souverän wie eh und je. Sein Statement: „Die einzig gesicherte Erkenntnis ist: Es gibt bisher keine gesicherten Erkenntnisse. Aber es besteht ein leiser Verdachts- moment, dass nicht alle Verfassungsschüt- zer NPD-Mitglieder sind.“ Ja, Friedrich ist wahrlich ein Segen für den Verfassungsschutz. Mit ihm als Chef kann die Behör- de wieder ruhig schlafen. Bei Bedarf auch rund um die Uhr. Jetzt will der Friedrich auch noch Europa auf Vordermann bringen. Er träumt von der Wiedereinführung nationaler Grenzkontrollen. Also quasi Vorratsgästespeicherung. Aber um Zoff mit der Schnarre zu vermeiden, hat der Friedrich gemeint: Grenzkontrollen nur maximal 30 Tage. Beschränkt auf maximal 12 mal im Jahr. Hauptberuflich ist der Friedrich immer noch der Türkenversteher Nr 1 im Lande. Drum hat er diese Studie über gewaltbereite Migranten sicherheitshalber vorab publiziert. Angeblich hat Friedrich nichts gewusst davon. Kann man ihm glauben. Denn dass Friedrich öfter mal nicht weiß, was er tut, hat er bisher immer glaubhaft beweisen können. Kritiker werfen ihm vor, er hätte auch bei Müller-Brot V-Leute einschleusen müssen.

 

Aber der Staat war nicht untätig bei Müller-Brot. Staatsanwaltschaft hat ermittelt. Verbraucher hat nichts davon erfahren. Umweltminister Marcel Huber meinte, das war in Ordnungso.Esgabjaschließlich keine Gesundheitsgefahr. Die BrennstäbeimOfenwarennoch relativ neu. Und für einen Bäckereibetrieb waren die Bequerel-Werte akzeptabel. Also maximal halb so hoch wie in der Hofpfisterei von Fukushima. Die bayerische Staatsregierung ist seit Ende 2010 immer wieder über die Hygienekontrollen bei Müller-Brot informiert worden. Damals war der Söder Gesundheitsminister. Da versuchen jetzt einige, dem Söder einen Strick daraus zu drehen. Der Vorwurf lautet: Söder wusste Bescheid. Nein, er wurde informiert. Das heißt noch lange nicht, dass er dann Bescheid wusste.

 

Außerdem ist das Ziel vom Söder, Bayern schuldenfrei zu machen. Von keimfrei war nie die Rede. Und da setzt sich der Söder angenehm ab vom Bundesfinanzminister. Schäuble schwimmt in Steuereinnahmen und macht immer noch Neuschulden. Von den europäischen Kollegen ganz zu schweigen. Bisher dachte man, in der EU ist Hopfen und Malz verloren. Jetzt weiß man: Da gab ?s niemals Hopfen und Malz. An sich war ja Europa eine schöne Vision. Lange Zeit hieß es: EU ist der großartige Versuch, dass 27 Blinde zusammen so gut hören wie ein Taubstummer.

 

Wo Merkel in Sachen EU Wankelmut demonstriert, beweist Seehofer Flexibilität. Er ist einerseits Parteichef, andererseits Ministerpräsident. Wenn er wechselnde Meinungen hat, beweist er damit nur die scharfe Trennung zwischen beiden Ämtern. 2 Meinungen zum Preis von 1 Standpunkt! Das gibt es exklusiv bei der CSU. Die Europapolitik der CSU macht der Seehofer auch noch so nebenbei im Alleingang. Das passt dem Ferber in Brüssel überhaupt nicht. Der Ferber hat gesagt: Wir sind doch keine Idioten! Da hat der Seehofer gefragt: Warum seid Ihr dann in Brüssel? Der Seehofer sieht nur: Die EU wird langsam, aber sicher ein Förderverein für Insolvenzverschleppung. Das ist unvereinbar mit dem bayerischen Staatsverständnis. Bayern muss seine Schulden loswerden. Seehofer und Söder denken dabei in überschaubaren Zeiträumen. In dem Fall bis 2030. Also so lange die beiden im Amt sind. 

 

Damit das gelingt, sollen die staatlichen Schlüsselzuweisungen an die Stadt München gestrichen werden. Zumindest solange München von einem SPD- Bürgermeister regiert wird. Quasi eine Lex München. Laut Innenmi- nister Joachim Herrmann ist das rechtlich gar nicht möglich. Was wiederum dem Söder völlig wurscht ist. Der Söder sagt: Ihm reicht es, wenn es machbar ist. Die Grünen haben zu der ganzen Geschichte eine bemerkenswerte Theorie. Die Grünen vermuten da, ich zitiere, ein plumpes Wahlkampfmanöver!