Eine eiskalte Leidenschaft

Eishockey ist nicht nur die schnellste Mannschaftssportart der Welt, sondern auch eine der anspruchsvollsten überhaupt. Sechs Spieler müssen ihre Bewegungen auf der dünnen Eisfläche so abstimmen, dass sie in Sekundenschnelle von Angriff auf Abwehr umschalten können. Die einzigartige Kombination von sportlichem Können, Mannschaftstaktik und rauen Emotionen begeistert Millionen Fans auf der ganzen Welt. Eishockey ist packend, rasant und dynamisch. Ob Spieler oder Zuschauer- wer die Atmosphäre in einem Eishockeystadion einmal live erlebt hat, ist gepackt von der knisternden Atmosphäre, der Gänsehaut-Stimmung

 Doch leider ging es zu DDR-Zeiten nicht um knisternde Atmosphäre und Gänsehaut-Stimmung, sondern nur um internationale Medaillen. Auch wenn aus jetziger Sicht man sagen muss, dass das System, welches die DDR auf dem Gebiet des Sports aufgebaut hatte, heute seinesgleichen sucht. Zum Beispiel das Sichten von angehenden Sportlern wurde bereits im Kindergarten begonnen. Hier suchte man gezielt nach Talenten und förderte diese dann auch. Dies traf aber in der Sportart Eishockey leider nicht zu. Hier war man auf die Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen. So sprachen sich die Kinder gegenseitig an, komm doch mal in die Eishalle und schau dir das an. Einige blieben und hatten dann später auch Erfolge bei internationalen Wettkämpfen, wie Weltmeisterschaften und Europacup. Oder man ist in kleineren Städten wie Weißwasser oder Crimmitschau aufgewachsen, wo es für einen Jungen fast Pflicht war, Eishockey zu spielen.

Die Geschichte der Sportart Eishockey nahm in der DDR eine tragische Wendung. Trotz voller Stadien bei der Ausspielung des DDR-Meisters entschloss sich der Deutsche Turn- und Sportbund (DTSB) in Person von Manfred Ewald im Jahre 1970 die Sportart Eishockey zu liquidieren. Die Begründung für diesen Schritt lautete: eine Eishockeymannschaft mit ihren 20 Spielern kann maximal eine Medaille bei Olympia oder Weltmeisterschaften holen, da würde man lieber 20 Eisschnellläufer schicken, da seien die Chancen auf Medaillen natürlich viel größer …

Bei dieser Liquidation im Jahre 1970 blieben die Eishockeyvereine aus Dresden, Rostock, Erfurt, Crimmitschau und der TSC Berlin auf der Strecke. Sie existierten von heute auf morgen nicht mehr. Bis auf Weißwasser und Berlin, die unter dem Dach der Polizei weitergeführt wurden und in deren Sportverein Dynamo tätig waren, gab es keine anderen Eishockeyvereine in der DDR mehr. So gab es ab 1970 nur noch ca. 50 Senioreneishockeyspieler, aus denen sich dann auch das Nationalteam rekrutierte. Von nun ab wurde die kleinste nationale Meisterschaft der Welt ausgetragen. Zwischen Dynamo Weißwasser und Dynamo Berlin. Diese beiden Mannschaften spielten von 1971 – 1989 den DDR-Meister unter sich aus. Eine Medaille war jedenfalls immer zu haben. Es kam auf den Standpunkt des Betrachters an: entweder Goldmedaille oder Vorletzter und Silbermedaille oder Letzter. Aber die echten Eishockeyfans hielten zur Stange. Sie ließen sich diese faszinierende Sportart nicht kaputtmachen. Es kamen bis zu 10.000 Zuschauer in das Freiluftstadion von Weißwasser, um diese Meisterschaftsduelle zu verfolgen.

Um der damaligen Liquidation der Sportart Eishockey noch etwas Gutes abzugewinnen, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Dresden eine Eisschnelllaufbahn bekam. Ehemalige Eishockeyspieler wie Reiner Mund, Egon Luding und Steffen Hofmann wechselten das Lager. Als Eisschnelllauftrainer bildeten sie Athleten aus; die auf nationalen und internationalen Eisbahnen viele Medaillen holten. Sie gaben ihre Erfahrungen und Fähigkeiten weiter an die damals aufstrebende Sportart Eisschnelllauf.

Nach der Wende im Jahre 1989 wurden in fast allen Orten, wo es einmal Eishockey gab, neue Eishockeyvereine gegründet. Man wollte wieder der schnellsten Mannschaftssportart der Welt frönen und die Fans sollten wieder in die Eisstadien pilgern, um die Gänsehaut-Stimmung live zu erleben. So geschehen auch in Dresden. In den letzten 15 Jahren ist hier gute Arbeit geleistet worden. Die Sportart Eishockey hat sich im Sportangebot der Stadt etabliert. Während der Eishockeysaison von September bis April pilgern wöchentlich ca 2.000 Fans in die Eishalle. Gekrönt wurde die gute Arbeit der Macher der Dresdner Eislöwen vom diesjährigen Aufstieg in die 2. Bundesliga. An dieser Stelle – viel Glück für die 2. Bundesliga! Bald werden nun auch die Dresdner Eishockeycracks in einer neuen Halle spielen und trainieren können.

Beste Voraussetzungen für erfolgreiche Arbeit auch mit dem Nachwuchs, den Eishockeyspielern von morgen, denn der Verein hat auch die Aufgabe, junge Menschen an den Sport heranzuführen, ihnen ein sportliches Zuhause zu geben.

Und hier schließt sich der Kreis, es heißt: „ Komm doch mal mit, schau es dir an und lass dich faszinieren von der schnellsten Mannschaftssportart der Welt!“ Es wird zwar nicht jeder ein Eishockeyprofi, die Ausbildung dafür dauert etwa 10-15 Jahre. Aber es wäre schön, wenn es einige Jungen schaffen könnten, in der 1. Mannschaft der Dresdner Eislöwen zu spielen.