Einen "Blick" auf Linien aus Licht werfen

Die neue Ausstellung in den Räumen der ST Treuhand zeigt Malerei und Grafik von Kerstin Franke-Gneuß

Wenn sich ein Ereignis zum elften Mal wiederholt, kann man schon von einer gewissen Tradition reden: Eine solche gibt es mittlerweile in den Räumen der Dresdner ST-Gesellschaften auf der Lockwitzer Straße 17, wo seit nunmehr fast sechs Jahren regelmäßig Ausstellungen stattfinden. Initiiert von Frau Gisela Lincke können sich dort ausgewählte Künstler für jeweils mehrere Monate mit ihren Werken präsentieren. Als Nächstes wird dort die in Dresden lebende Künstlerin
Kerstin Franke-Gneuß mit Arbeiten der letzten Jahre vertreten sein – ihre Ausstellung mit dem Titel „Blick“ eröffnet am 25. April.

Wir haben sie deshalb in ihrer Atelierwohnung im Loschwitzer Künstlerhaus
an der Pillnitzer Landstraße besucht, um vorab schon einmal einen Blick auf ausgewählte Werke zu werfen. Das Künstlerhaus, vom Architekten Martin Pietzsch 1898 in einem außergewöhnlichen Architekturstil errichtet, ist übrigens das einzige seiner Art in Deutschland. Die innovative Idee, für ein Dutzend Künstler das Wohnen und Arbeiten in einem Raum zu verbinden, ist in ihrer Umsetzung nirgendwo anders so konsequent verwirklicht worden.

Die 1959 in Meißen geborene und in Weinböhla aufgewachsene Kerstin Franke-Gneuß lebt seit 1995 in diesem Künstlerhaus. Nachdem sie 1978-84 an der Hochschule für Bildende Künste Malerei und Grafik studiert hatte, zählte sie 1989 zu den 23 Gründerinnen der „Dresdner Sezession 89 e.V.“. In den letzten Jahren hat Kerstin Franke-Gneuß in der Öffentlichkeit vor allem mit ihren geschwungen-verschlungenen Lichtinstallationen Aufmerksamkeit erregt. Diese entstehen aus einem speziellen Acryl-Lichtsammelglas, dessen biegsame Röhren sie zu eindrucksvollen Farb-Kompositionen verbindet. Weil das verwendete Material UV-Licht speichert, leuchten die Installationen auch bei bedecktem Himmel oder in der Dunkelheit je nach Ausstattung gelb, rot, blau oder grün.

In Dresden am bekanntesten dürfte wohl ihre Installation „Innere Mitte“ auf dem Rondell des Gustav-Adolf-Platzes sein, welche seit dem Jahr 2000 die zwischen S-Bahn-Haltepunkt Strehlen und Wasaplatz verkehrenden Autofahrer schon von Weitem grüßt. Weitere Installationen sind die 2005 an einem Gebäude des Klärwerkes Kaditz angebrachte „Woge“ oder der „Aufwind“ vor dem Kaufhaus Tietz in Chemnitz (ebenfalls 2005).

Aber auch ihre temporären Installationen haben sich dem Gedächtnis vieler Dresdner eingebrannt: Dazu gehören die „Lichtrisse“ an der Mauer der Brühlschen Terrasse (1996), der „Kronenwirbel“ im Prießnitzfluss an der Bautzner Landstraße (1997), „Schattenglut“ auf dem Dach der Probebühne direkt hinter der Semperoper (anlässlich der „Bassariden“-Premiere 1997) oder „Treiblicht“ auf dem Ernemann-Turm der Technischen Sammlungen Dresden (1999).

Doch hat sich Kerstin Franke-Gneuß nicht allein mit solchen Großobjekten im öffentlichen Raum einen Namen gemacht. Die mehr als 30 Einzelausstellungen, welche sich seit 1984 ihren Arbeiten gewidmet haben, zeugen von der zunehmenden Resonanz, die ihr künstlerisches Schaffen findet. Dabei reicht die Bandbreite von der Beschäftigung mit Fraktalen und Chaostheorie bis hin zum Kirchenfenster im erzgebirgischen Altenberg (1991).

Sie selbst beschreibt ihren eigenen Anspruch so: „In meinen Bildern suche ich dem Klang des Gesehenen nah zu kommen.“ Wer sich mit ihrem Werk näher befasst, bemerkt außerdem schnell, dass sich die fließenden Formen ihrer Lichtinstallationen aus vergleichbaren linearen Strukturen ihrer Grafiken und da vor allem der Radierungen heraus entwickelt haben. Solche sind es auch, die in ihrer Ausstellung neben ausgewählten Gemälden ab dem 25. April besonders zahlreich zu sehen sein werden. Dann sollte man unbedingt mehr als einen „Blick“ darauf werfen.

Autor: Hans-Holger Malcomeß ("DISY Men" Frühjahr 2007)

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Die Ausstellung „Blick“ kann täglich während der Geschäftszeiten in der Lockwitzer Straße 17 (Nähe Wasaplatz) besichtigt werden - mehr Informationen unter Tel. 0351-46700. 

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Kontakt zur Künstlerin:
Kerstin Franke-Gneuß
Pillnitzer Landstr. 59 - 01326 Dresden
Tel. 0351 - 2 64 13 13
kerstin-franke-gneuss@gmx.de

 

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