Winter 2005

Ich liebe es, wenn Männer lachen. Laut und herzlich oder albern und kichernd. Viele Frauen wollen einen Mann mit Humor, ich auch.

Letztens war ich mit einem Freund im Schnee. Wir stapften durch den Winterwald und waren albern wir Kinder. Wir bewarfen uns mit Schneebällen, bekamen Lachkrämpfe, weil der Kopf unseres Schneemanns bei jedem neuen Versuch, die Augen anzubringen, platzte und ich habe schallend durch den Wald gejauchzt, als er mich einfach über seine Schulter warf und kopfüber durch die Gegend trug. Mann, tat das gut! Nicht das Tragen, das Lachen! Befreiend, jugendlich, erholsam.

Ich habe gelesen, dass Kinder mehr als fünfzig Mal am Tag lachen. Ich glaubte erst an einen Druckfehler, aber… Bei meinem Kind ist das so. Louisa kann über alles lachen. Schon beim Aufstehen. Sie gibt mir die Hand und zieht sie wieder weg. Sie zerkringelt sich. Sie schaut aus dem Fenster: „So ein Regenwetter. Ketter. Setter. Wie das klingt..“, und lacht.  Sie stülpt die Schale ihres Frühstückseis verkehrt herum in den Becher und bietet es mir an. „Huch, schon leer“, muss ich dann sagen und die Fünfjährige prustet.

In welchem Alter legen wir eigentlich unser Lachen ab? Schuleinführung? Schulabschluss? Berufseintritt? 

Wann hatten sie den letzten so genannten Lachkrampf?  Bei mir ist es lange her. Einmal als mein Klassenleiter in der 12. Klasse vor meiner Nase mit der Schulbank einbrach. Das nächste Mal in Boston, als wir ein Video von meiner Schweizer Freundin Sophie suchten und es dann im Kühlschrank fanden. Situationskomik ist die beste. Ein wenig Schadenfreude gehört manchmal auch dazu. Und ganz viel Lebensglück und Optimismus.

So wie ich Lachen liebe, hasse ich dieses künstliche Kichern. Etwa bei Witzen, die keine sind und bei denen man dem Erzählenden gegenüber höflich bleiben will oder bei Begrüßungen, wo das Gegenüber freudig lacht und, achten sie mal drauf, schon beim Wegdrehen die Mundwinkel herunter fallen. 

Außerdem kann ich bei sexistischen Witzen oft nicht lachen. Ich bin nicht gerade prüde. Aber wenn man als Frau in einer Männerrunde Zoten und ekelige Dinge als witzig belachen soll, ne! In solchen Situationen beobachte ich auch gern mal andere Frauen, wie sie ihr Lachen in den Mundwinkeln einfrieren. Ich stehe dann zu meinem finsteren Blick, basta. Männer, ein bisschen Einfühlungsvermögen und Respekt wäre nicht von Übel in solchen Situationen. Lasst die derben Späße! Wir lachen auch nur über euch, wenn ihr nicht dabei seid (war ein Witz!).

Wie auch immer. „Lachen Sie mal wieder“, wollte ich gerade schreiben. Das ist Quatsch, das geht nicht auf Bestellung. Nehmen Sie das Leben nicht so schwer, sich selbst und andere nicht so ernst. Dann klappt es auch mit dem Lachen.

Herzlichst

 Ihre Anja K. Fließbach