• Dezember 10, 2021
  • 3074 Aufrufe

Stadtreinigung Hamburg optimiert Anlageneffizienz

Innovatives Wärmeprojekt spart über 100.000 t CO2

Die Behörde für Umwelt, Klimaschutz, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) hat gemeinsam mit der Stadtreinigung Hamburg (SRH) und der Wärme Hamburg GmbH das bundesweit bisher einzigartige Projekt zur „Erweiterten Wärmenutzung“ in der Müllverwertungsanlage Borsigstraße (MVB) vorgestellt. Mit Fertigstellung der Effizienzsteigerungsmaßnahmen Ende 2023 wird die MVB zusätzlich rund 350.000 MWh/a zusätzliche Wärme in das Leistungsnetz von Wärme Hamburg einspeisen. Allein dadurch werden 104.000 Tonnen CO2 jedes Jahr vermieden.

Das zweistufige Bauprojekt hat ein Volumen von 55 Millionen Euro und wird durch Fördermittel des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sowie von der Bukea mittels des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) mit insgesamt 14,7 Millionen Euro unterstützt. Es ist Teil des Projektverbunds Norddeutsches Reallabor. Das Projekt „Erweiterte Wärmenutzung“ verfolgt das Ziel einer zusätzlichen Wärmeauskopplung durch das gezielte Abkühlen von Rauchgasen. Das Projekt sieht vor, die drei Verbrennungslinien der MVB direkt an das Fernwärmenetz der Wärme Hamburg anzuschließen, um eine Leistungssteigerung der Müllverwertungsanlage zu ermöglichen. Je nach Bedarf wird die MVB in Zukunft direkt ins Hamburger Fernwärmenetz einspeisen oder, wie bisher, den produzierten Dampf dem Heizkraftwerk (HWK) Tiefstack zur Verfügung stellen.

Jens Kerstan, Senator für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft: „Mit dem innovativen Projekt der erweiterten Wärmenutzung an der Müllverwertung Borsigstraße hat Hamburg wieder einmal ein echtes Pionier- und Zukunftsprojekt auf den Weg gebracht. Die jährliche CO2-Einsparung von 104.000 Tonnen ist ein wesentlicher und in jeder Hinsicht klimafreundlicher Beitrag für die Wärmewende in Hamburg. Wir bringen damit nicht nur den Kohleaussteig im Heizkraftwerk Tiefstack voran, sondern machen einen großen Schritt auf unserem Weg zum endgültigen Kohleausstieg.“

Rüdiger Siechau, Geschäftsführer Stadtreinigung Hamburg: „Durch die thermische Müllverwertung in unseren Anlagen stellen wir nicht nur die Abfallentsorgung für Hamburg sicher, sondern sind auch einer der größten Lieferanten klimafreundlicher Energie für die Stadt. Dieses bundesweit einzigartige Projekt sorgt dafür, dass wir ohne den zusätzlichen Einsatz von Abfall als Brennstoff künftig einen noch größeren Anteil Wärme ins Hamburger Netz einspeisen werden. Das innovative Wärmeprojekt ist adaptierbar und auch für unsere Müllverwertungsanlage Rugenberger Damm (MVR) vorgesehen.“

Michael Beckereit, technischer Geschäftsführer der Wärme Hamburg GmbH: „Als Gestalter eines zukunftsfähigen Fernwärmesystems arbeiten wir konsequent an einer klimaneutralen Wärmeversorgung. Am Standort Borsigstraße investieren wir rund neun Millionen Euro in den Bau einer Pumpstation, die den Anschluss der MVB an unser Fernwärmesystem ermöglicht. Mit einer zusätzlichen Wärmeleistung von bis zu 350.000 MWh/Jahr lassen sich künftig rund 35.000 Hamburger Haushalte mit klimaneutraler Abwärme aus dem Abfallverwertungsprozess versorgen. Wärmemengen aus fossilen Brennstoffen können so reduziert und unser Primärenergiefaktor verbessert werden. Auf unserem Weg bis spätestens 2030 vollständig aus der Kohlenutzung auszusteigen leisten wir mit dem gemeinsamen Vorhaben einen weiteren Beitrag zur Erreichung der Hamburger Klimaziele.“

Werner Beba, NRL-Projektkoordinator (und Leiter CC4E der HAW Hamburg: „Die Nutzung von Abwärme der MVB leistet einen großen Beitrag für die Dekarbonisierung der Fernwärme in Hamburg auf dem Pfad zur Klimaneutralität. Sie ist deshalb ein zentrales Vorhaben im Norddeutschen Reallabor, in dem 50 Partner aus Industrie und Wissenschaft den Transformationspfad für ein sektorenkoppelndes Energiesystem entwickeln. Das MVB-Projekt hat das Potenzial, auch in anderen Regionen Folgeprojekte auszulösen.“

Erste Überlegungen zur Effizienzsteigerung der Anlage wurden bereits im Jahr 2017 angestellt. Nach der Zustimmung aller Aufsichtsgremien und zuständigen Behörden im September 2020 ging das Projekt in die Umsetzung. Für den Bauabschnitt 1 erfolgten im Mai 2021 bereits die ersten Pfahlsetzungen für das neue Betriebsgebäude. Die Inbetriebnahme der Linien 1 und 2 ist für das 3. Quartal 2022 vorgesehen. Der Bauabschnitt 2 und damit die Inbetriebnahme der Linie 3 ist für das vierte Quartal 2023 geplant.