• September 21, 2023
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L-Methylfolat ist als adjuvante Therapie bei schweren depressiven Störungen wirksam und sicher, so das Fazit eines aktuellen Review-Artikels aus den USA. Besonders Menschen mit Übergewicht und erhöhten Entzündungswerten könnten demnach von einer Supplementation mit L-Methylfolat profitieren.

Seit Mitte der 1960er Jahre besteht Interesse an der Rolle von B-Vitaminen in der Pathophysiologie und Behandlung von Depressionen. In der Vergangenheit wurden bereits über eine antidepressive Wirkung von L-Methylfolat, die biologisch aktive Form von Folat (Vitamin B9), berichtet. Ein US-amerikanischer Überblicksartikel untersuchte, welches Potenzial L-Methylfolat (hier kurz Folat) als Zusatztherapie bei schweren depressiven Störungen hat. Zudem fassten die Autoren Studienergebnisse zur Rolle von Folat speziell bei übergewichtigen Patienten und Personen mit chronischen Entzündungen zusammen.

Review: Folat-Ergänzung bei Depression
Die Wissenschaftler recherchierten in der PubMed-Datenbank nach geeigneten Studien, die zwischen Januar 2000 und April 2021 veröffentlicht wurden. In Post-hoc-Analysen wurden die Reaktionen von Subgruppen auf die Folat-Behandlung evaluiert, einschließlich Patienten mit Übergewicht bzw. Adipositas und erhöhten Entzündungsbiomarkern.

Untersuchung von Probanden mit schweren Depressionen, Übergewicht und Entzündungen
Die identifizierten Studien umfassten 2 randomisierte kontrollierte Studien, eine nicht verblindete Erweiterung einer der kontrollierten Studien sowie eine prospektive Real-World-Studie. Die Studienergebnissen unterstützen die Verwendung von Folat als Zusatzbehandlung bei Patienten mit schweren Depressionen, die nicht auf eine antidepressive Monotherapie ansprechen. Die wirksamste getestete Dosis war 15 mg/Tag. Das Ansprechen auf die Behandlung war bei Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI) ? 30 kg/m2 und erhöhten Werten von Entzündungsbiomarkern höher.

Wirksamste Dosis war 15 mg L-Methylfolat pro Tag
Entzündungen werden mit einer erhöhten Produktion von entzündungsfördernden Zytokinen in Verbindung gebracht, welche die Synthese und den Umsatz von Monoamin-Neurotransmittern beeinträchtigen und so zur Ausprägung depressiver Symptome beitragen können. Folat kann diese Auswirkungen abschwächen, indem es die Synthese von Tetrahydrobiopterin (BH4), einem wichtigen Coenzym für die Produktion von Neurotransmittern, erleichtert, schreiben die Autoren. Gleichzeitig ist Folat gut verträglich, unerwünschte Wirkungen sind demnach nicht bekannt.

Adjuvante Therapie mit L-Methylfolat bei schweren Depressionen wirksam
L-Methylfolat ist, so das Fazit des Reviews, als Zusatztherapie bei schweren depressiven Störungen wirksam und sicher. Insbesondere Patienten mit höherem BMI und erhöhten Entzündungsmarkern könnten von einer Supplementation mit L-Methylfolat profitieren, so das Fazit der Autoren.

Text: DeutschesGesundheitsPortal / HealthCom