Wenn der Krebs streut

Heilungschancen verbessern durch stereotaktische Bestrahlung

Von Univ.-Prof. Dr. med. Stephanie E. Combs

 

Wenn der Krebs gestreut hat, standen in der Vergangenheit oft nur  Systemtherapien, z. B. die klassische Chemotherapie zur Verfügung. Diese kann effektiv sein, geht aber auch oft mit hohen Nebenwirkungen einher. Darüber hinaus gibt es Patienten, die nur an wenigen Stellen im Körper Metastasen des Tumors haben – diese spezielle Situation nennt man „Oligometastasierung“ (von griechisch oligo – wenig). In dieser Situation ist eine lokale Behandlung, genau an der befallenen Stelle, vorteilhaft. 

 

Immer genauer, immer präziser, immer sicherer 

Die Techniken in der Strahlentherapie haben sich über die letzten Jahrzehnte entscheidend weiterentwickelt. Sie wurden immer genauer, immer präziser, immer sicherer; darüber hinaus ist die Behandlung auch immer verträglicher geworden. Mit der Stereotaktischen Strahlentherapie wurde es möglich, sehr hohe, lokal ablative Dosierungen auf einen von Strahlentherapeuten definierten Bereich zu bringen. Diese hohe Dosis hat eine hocheffektive Wirkung, weshalb sie auch oft „Radiochirurgie“ genannt wird. Zum umliegenden gesunden Gewebe gibt es einen steilen Dosisabfall. Die Stereotaktische Strahlentherapie kann aber auch auf mehrere Behandlungstage verteilt werden. Dies muss individuell für jeden Patienten festgelegt werden, vor allem dann, wenn der Behandlungsbereich in der Nähe zu kritischen Risikoorganen, wie z. B. dem Rückenmark oder dem Sehnerven liegt.

 

Individualisierte Strahlentherapie 

Jede Hochpräzisionsstrahlentherapie wird individuell für den Patienten geplant; oft ist die Kombination mit einer modernen Bildgebung, beispielsweise einem PET, sinnvoll. Es wird millimetergenau festgelegt, welche Bereiche behandelt werden sollen, ebenso auch das gesunde Gewebe, das geschont werden soll. Dies erfordert eine hohe Expertise von den Ärzten und den Medizinphysikern. Somit kann eine personalisierte Krebstherapie durch Bestrahlung gewährleistet werden. 


Vorteile für den Patienten 

Die Behandlungsergebnisse der stereotaktischen Strahlentherapie sind überzeugend: Oft kann durch eine solche punktgenaue Bestrahlung eine flächenhafte Behandlung vermieden werden. Beispielsweise kann durch die Stereotaxie im Gehirn das Risiko neurokognitiver Einschränkungen minimiert werden, bei gleicher Effektivität. Auch konnte gezeigt werden, dass die Hochpräzisionsstrahlentherapie einer chirurgischen Behandlung vergleichbar sein kann, wie z. B. bei kleinen Metastasen in der Lunge. Bei anderen Erkrankungen, wie z. B. beim Prostatakarzinom mit wenigen Knochenmetastasen, kann die Stereotaxie die Krankheit zurückdrängen und beispielsweise eine Hormontherapie hinauszögern. Insgesamt kann die Strahlentherapie unabhängig von der zu Grunde liegenden Tumorerkrankung eingesetzt werden, wie z. B. auch bei Brustkrebs. 

 

Ausblick 

Mit der stereotaktischen Strahlentherapie ist es heute möglich, auch in einer metastasierten Situation effektiv und nebenwirkungsarm zu behandeln. Insbesondere Patienten mit einer Oligometastasierung können von dieser hochpräzisen Behandlung profitieren. Oft kann eine systemische Therapie, z. B. mit einer Chemotherapie, hierdurch vermieden werden und damit das Nebenwirkungsprofil der onkologischen Therapie verbessert werden. Dadurch kann auch wenn der Krebs gestreut hat eine überzeugende Heilungschance gegeben werden.