Wie gesund sind Kinder und Jugendliche?

Der allgemeine, subjektive Gesundheitszustand der heranwachsenden Generation in der Stadt Dresden wird bisher nur bei Jugendlichen und Personen im frühen Erwachsenenalter im Alter von 16 bis 24 Jahren während der Kommunalen Bürgerumfrage erhoben. 2010 beurteilte der überwiegende Anteil dieser Altersgruppe (78 Prozent) ihren Gesundheitszustand mit „gut“ und 21 Prozent mit „einigermaßen zufriedenstellend“ (Kommunale Bürgerumfrage, 2011). Ähnlich schätzten sie ihr Wohlbefinden mit 73 Prozent als „gut“ und 25 Prozent als „einigermaßen zufriedenstellend“ ein (Kommunale Bürgerumfrage, 2011). Ein guter Gesundheitszustand korreliert stark mit der Beurteilung des subjektiven Wohlbefindens, so auch umgekehrt. Wie im Kapitel 2 im Abschnitt „Subjektive Gesundheit“ aufgeführt, sind diese überwiegend guten Einschätzungen charakteristisch für die Befragten im Alter von 16 bis 44 Jahren. Im späteren Alter wurden der Gesundheitszustand und das Wohlbefinden deutlich schlechter eingeschätzt (Abbildung 12 im Abschnitt 2.2). Einflussfaktoren auf die subjektive Beurteilung konnten dabei nicht aufgezeigt werden. Unter Berücksichtigung einer möglichen Mehrfachnennung gaben die Befragten im Alter von 16-24 Jahren die folgenden acht häufigsten Gründe für die Beeinträchti-gung der eigenen Gesundheit und ihres Wohlbefinden an: Stress im Beruf (38 Prozent), berufliche Unsicherheiten (29 Prozent), Alleinsein (19 Prozent), Eintönigkeit im täglichen Leben (18 Prozent), Privatleben im Hinblick auf Kinder, Trennung und/oder Pflege (15 Prozent), Bewegungsmangel in Verbindung mit Essgewohnheiten (13 Prozent), Rauchen (13 Prozent) und Arbeitsklima (10 Prozent) (Kommunale Bürgerumfrage, 2011).

Die Ergebnisse der Zweiten Dresdner Kinderstudie zeigten, dass lediglich 2 Prozent der 8- bis 15-jährigen Kinder angaben, keine gesundheitlichen Beschwerden und Stresssymptome zu haben. Die Hälfte der Kinder litten „oft“ und „häufig“ unter sechs oder gar mehr Beschwerden (Lenz & Fücker, 2005a). Die acht häufigsten ge-sundheitlichen Beschwerden und Stresssymptomen (Auftreten „oft“) der 8- bis 15-jährigen Teilnehmer waren Erschöpfung, Kopfschmerzen, Nervosität/Unruhe, Kon-zentrationsprobleme, Rückenbeschwerden, Allergien, Übelkeit und Appetitlosigkeit, wie in der Abbildung 46 ersichtlich ist. Die Befragten konnten bei dieser Frage „Wie oft kommt es vor, dass...?“ mehrere Aspekte angeben und jeweils zwischen den drei Antwortkategorien „oft“, „manchmal“ und „nie“ auswählen.
       

Bei der Zusammenfassung der Kategorien „oft“ und „manchmal“ zeigte sich ein Zusammenhang zwischen dem Alter der Kinder und Jugendlichen und den gesund-heitlichen Beschwerden, wie man in der Abbildung 47 sehen kann. Konzentrationsmangel stieg im Alter ab neun Jahren kontinuierlich an, wobei es in der 6. und 7. Klasse bei knapp ein Fünftel der Befragten mit „oft“ angeben wurde. Kopfschmerzen, Übelkeit und Angst erzielten bei den 10 Jährigen einen Höhepunkt und fielen dann ab, wobei innerhalb dieser gesundheitlichen Beschwerden und Stressymptomen der Anteil an „oft“ und „manchmal“ variierte (Lenz & Fücker, 2005a; 2005b). Das Symptom Erschöpfung erlebten ein überwiegender Anteil der Befragten, welches bei den 10 Jährigen deutlich anstieg und dann bei den folgenden Altersgruppen auf einem hohen Niveau verblieb. Über ein Drittel der Schüler der 6. und 7. Klasse sowie knapp ein Drittel der 8. und 9. Klasse gaben Erschöpfung mit „oft“ an.

 

Die Zunahme der Beschwerden bei 10 Jährigen wird einerseits in dem hohen Anteil der Befragten (56 Prozent), die zum Befragungszeitpunkt die 4. Klasse besuch-ten, gesehen. Sie standen vor der Entscheidung über den Besuch ihres zukünftigen Schultyps. Andererseits mussten sich die 10 Jährigen der 5. Klasse mit den höheren Anforderungen der Mittelschule und besonders des Gymnasiums auseinandersetzen.

 

Eine Ursachenerforschung für diese körperlichen und seelischen Beschwerden wurde in dieser Erhebung nicht bezweckt und lässt damit nur Raum für Vermutungen, wie beispielsweise der mögliche Einfluss von Stress und Leistungsdruck in der Schule, Familienprobleme und/oder steigende Ansprüche an die Befragten selbst und/oder deren Eltern an die Schulleistungen, aber auch von körperlichen Ursachen.
       

Quelle: Lenz, K., Fücker, M. (2005a): Zweite Dresdner Kinderstudie. Wie Kinder in Dresden leben. [Aufruf am: 03.01.2012] URL: www.kinderstudie.de/zdk/abschlussbericht_kinderstudie_2005.pdf