Sprachentwicklung

Sprache ist eine Grundvoraussetzung für den Wissenserwerb und die sozialen Beziehungen eines Menschen. Der Erstspracherwerb liegt in den ersten vier Lebens-jahren, der sogenannten sensiblen Phase für die Sprachentwicklung. Die Sprachentwicklung ist ein äußerst komplexer Prozess, abhängig von den auditiven Wahr-nehmungsleistungen, von genetischen Anlagen, von kognitiven und vor allem psychosozialen und emotionalen Voraussetzungen.

Die Variationsbreite der normalen Sprachentwicklung ist groß. Trotzdem ist die Diagnostik von Sprachauffälligkeiten frühzeitig erforderlich, um Elternberatung, pädagogische Förderung oder Sprachtherapie einzuleiten. Der Sprachentwicklungsstand wird während der Vorsorgeuntersuchungen U6 bis U9 durch den niedergelassenen Kinder- bzw. Hausarzt eingeschätzt. Bei den 4-Jährigen erfolgt zusätzlich sachsenweit eine Sprachuntersuchung durch den Kinder- und Jugendärztlichen Dienst mit einem einheitlichen standardisierten Sprachscreening. Dabei wird zwischen individuellen Entwicklungsbesonderheiten und diagnostik- bzw. therapiebedürftigen Sprachentwicklungsauffälligkeiten unterschieden. Die Eltern werden durch diese Untersuchungen rechtzeitig auf mögliche Entwicklungsverzögerungen aufmerksam gemacht und können entsprechende weitere ärztliche, therapeutische und oder (sprachheil-)pädagogische Unterstützung in die Wege leiten.

Die Abbildung zeigt die Häufigkeiten von Sprachentwicklungsauffälligkeiten („A“- und „B“-Befunde) bei Dresdner Kindern im zeitlichen Verlauf von den drei Schul-jahren 2007/08 bis 2009/10. Bei weniger als 30 Prozent aller untersuchten 4-jährigen Kinder und bei ca. 20 Prozent aller untersuchten Vorschüler wurden diagnostik- bzw. behandlungsbedürftig oder bereits in Behandlung befindliche Sprachentwicklungsauffälligkeiten erkannt. Die Ergebnisse zeigten auch, dass in diesem Zeitraum ein leichter Rückgang der Auffälligkeiten bei den 4-Jährigen, aber ein leichter Anstieg bei den Kindern zur Schulaufnahmeuntersuchung zu verzeichnen war. In den letzten Jahren wurden durch den Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen in Dresden Projekte zur Entwicklungsförderung der Kinder durch Einsatz zusätzlicher Sozialpädagogen, durch Netzwerkarbeit in sozial benachteiligten Wohngebieten (KINET) und durch den Einsatz von Logopäden in ausgewählten Kindertageseinrich-tungen umgesetzt. Die leichte Abnahme von Sprachentwicklungsauffälligkeiten im Kita-Alter könnte diesem Engagement zugeordnet werden.