Ein Haus wie aus dem Märchen

Disy-Redakteurin nahm sich eine Auszeit im Romantik-Hotel Jagdhaus Waldidyll in Hartenstein im Erzgebirge.

 

Ehrwürdig und beeindruckend empfängt es mich das Jagdhaus Waldidyll im Hartensteiner Wald. Monumental erhebt sich das alte Jagdhaus zwischen den Bäumen, als ich die Auffahrt hochkomme und ich freue mich auf die drei Tage, in denen es nur um mein Wohlbefinden gehen soll.

 

Nach einem herzlichen Empfang von Andrea Kahl (Junior-Chefin) ging es auch schon los. Die Auszeit. Was ja nicht bedeutet, nichts zu tun. Und  so saß ich, kaum dass ich mich versah, gerüstet mit Turnschuhen und Sportoutfit vor einem Nordic-Walking-Video. Der Coach  erklärte mir völlig Unwissenden diese Art des Sports, die ich eigentlich immer ein wenig belächelt habe. Aber ich war positiv überrascht. Die sieben Kilometer durch den wunderschönen Wald rund ums Hotel haben mir eigentlich richtig Spaß gemacht. Obwohl ich mir schon ein bisschen komisch dabei vorkam.

 

Das körperlich intensivste Erlebnis dieses Nachmittags war allerdings, nackten Fußes durch zehn Grad kaltes Wasser im Wald-Kneippbecken zu waten. Aber auch dies war überraschend angenehm, zumindest nachdem der erste Schock überwunden war. Trotzdem freute ich mich auf das gemütliche Hotelzimmer, denn ich bin ja zum Entspannen hergekommen. Das gelang mir überraschenderweise sehr gut, normalerweise brauche ich, zumindest im Kopf, etwas länger, bis ich nicht nur physisch im Urlaub angekommen bin. Die letzte „Wohlfühlbehandlung“ des Tages bestand aus einem vorzüglichen Menü, das dann auch für sofortige Bettschwere sorgte, und der Tag recht früh zuende ging. Noch mit dem Rascheln des Laubes unter meinem nachmittäglichen, schnellen Walking-Schritt im Ohr, schlief ich langsam ein und war gespannt, was Frau Kahl noch für mich geplant hat.

 

Am nächsten Morgen stand eine Wellness-Behandlung mit einem Ägyptos-Vitalwickel an. Zuerst maß Jaqueline Baumann (Kosmetikmeisterin) meinen Körper, um danach den Erfolg zu sehen. Dann gings los. Sie wickelte mich von unten bis oben, ja auch den Kopf, ein. Die Wickel wurden vorher im warmen Heilerde-Schlamm eingeweicht. Und da stand ich nun wie ein Michelinmännchen, bekam noch einen gelben Platikanzug darüber - damit die Wärme der Wickel nicht verloren geht - und wurde dann bequem gebettet und warm zugedeckt.

 

Nun musste ich eine Stunde so liegen bleiben. Ich lauschte den sanften Klängen der Musik, schaute mich um, und war von der Innenarchitektur, die komplett aus bemaltem Holz ist, sehr beeindruckt. Alles wirkt so liebevoll und bis ins Detail beachtet. Dann wurde mir das Denken aber zu anstrengend, ich ließ die Gedanken fliegen, schlummerte ein bisschen ein. Es wurde schön warm in meinem „Cocon“. Ich fragte mich nur, wie vom bloßen daliegen der Umfang verringert werden soll. Die Heilerde soll Giftstoffe aus der Haut aufnehmen, reinigen, glätten, pflegen und straffen. Ich bin ja mal gespannt. Und tatsächlich, an fast allen Messpunkten (Hals, Oberbrust, Bauch, Po, Oberschenkel, Arm) waren es ein bis zwei Zentimeter weniger.

Außerdem fühlte ich mich so sauber und leicht, als ob ich durch die Haut atmen würde. Das reichte erst mal für den Vormittag, dessen Rest ich im Wintergarten meines Zimmers verbrachte, und mir die Sonne ins Gesicht scheinen ließ. Am Nachmittag lockte mich der lichte Buchenwald hinaus. Es war wunderbar, mitten im Wald zu sitzen während verlockender Kaffeeduft die Nase kitzelte - Frau Sellmair versorgte mich mit einer Thermoskanne mit Kaffee und Tassen dazu, damit der Waldspaziergang eine angemessene Pause bekommt. Die Sonne glitzerte zwischen den Blättern hindurch und der Wald hier ist so  luftig und weitläufig, dass ich fast mein eigentliches  Ziel, die Prinzenhöhle, vergaß. Sie ist gleich in der Nähe und historisches Zeitzeugnis des legendären Prinzenraubes. Mein Verwöhnprogramm des zweiten Tages für Körper, Seele und Auge beendete ich mit einer Entenkeule, einem schönen Glas Rotwein und Parfait von hausgemachtem Eierlikör.

 

Der dritte Tag ist etwas ruhiger, dachte ich. Doch kaum saß ich bei Frühstück, kamen ganz viele jungen Männer in roter Sportkleidung ins Restaurant. Und als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, frühstückte Bayern-München an diesem Morgen hier. Ballack, Kahn & Co hatte es nach dem Morgentraining hier her verschlagen, die Manager und Trainer wohnten in Hartenstein und das Spiel gegen Aue stand am Abend an. Genau so aufregend bzw. spannend ging es weiter. Hotelbesitzerin Hertha Sellmair zeigte mir ihre Schlossruine in Hartenstein. Es ist ein romantisch-geheimnisvoller Ort, der ein Freilufttheater in sich birgt, und jetzt, nach und nach mit Hilfe eines Vereins wieder aufgebaut wird. Hier wurde sogar schon mal das Bernsteinzimmer vermutet. Aber das ist eine andere Geschichte. 

 

Ich hatte noch Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang und dann rief mich der Alltag zurück. Es waren wunderbare Tage, ich bin frei im Kopf geworden, hatte tausend Ideen und eigentlich freute ich mich auch schon wieder auf meinen Computer. Doch als ich das Hotel verließ, wurde ich ein wenig wehmütig, denn als ich es betreten habe, wusste ich nichts von dem Haus. Jetzt weiß ich, dass es zu vielen geschichtlichen Ereignissen seine ganz eigene, nicht unbedeutende Geschichte, zu erzählen hat. Außerdem  habe ich mich hier sehr geborgen gefühlt, die Menschen, das Haus und die Gegend strahlten so eine Wärme und Ruhe aus, das ich gern noch mehr davon aufgesaugt hätte. 

 

(Anke Mittelhäuser, Disy Frühling 2006)