Ein heilsamer Lasereingriff

Volle Sehkraft ohne Hilfsmittel lässt sich operativ noch präziser erreichen

 

Hornhautverkrümmung, Kurz- oder Weitsichtigkeit sind Sehstörungen, die sich bei geeigneten Patienten durch lasergestützte Operationsverfahren beseitigen lassen. Disy sprach mit Dr. Frederik Raiskup, von der Augenklinik des Universitätsklinikums Dresden, über die verschiedenen Behandlungsmethoden, Anwendungsgebiete und Möglichkeiten in der refraktiven Chirurgie. 

 

Welche Patienten wenden sich an Sie?

Dr. Raiskup: Refraktive Chirurgie wird nicht gegen Krankheiten eingesetzt, sondern ermöglicht Menschen mit Sehschwächen, auf Brille oder Kontaktlinsen zu verzichten. Sie erhalten bei uns einen lebenserleichternden Eingriff und wissen, dass dies nicht von der Krankenkasse bezahlt wird.

 

Wie funktioniert refraktive Chirurgie?

Dr. Raiskup: Hornhaut und Linse eines optimal gebauten Auges brechen das einfallende Licht mit einem Wert von 60 Dioptrien. In diesem Fall wird das Licht direkt an der Netzhaut fokussiert und klare optische Signale werden an das Hirn gesendet. Ist dieser Wert verändert, werden die optischen Signale vor oder hinter der Netzhaut gebündelt und bewirken damit ein unscharfes Bild. In der refraktiven Chirurgie ändern wir die Stärke der Hornhaut, um den Fokus der Strahlen auszurichten. Dies lässt sich auch mit Kontaktlinsen erreichen, doch sind es eben Fremdkörper, die das Auge den Tag über belasten und umständlich ab- und wieder aufgelegt werden müssen.

 

Was schlagen Sie stattdessen vor?

Dr. Raiskup: Eine Möglichkeit in der refraktiven Chirurgie ist de Laser. Es waren wieder mal die Amerikaner, die mit diesen Eingriffe  begonnen hatten und damit eine regelrechte Mode auslösten. Im Rahmen einer Einkaufstour ließ man sich die Augen in der Shopping Mall mal eben korrigieren. In der Regel wurde dann jeder Kunde ohne Rücksicht auf die individuelle Konstellation des Auges behandelt und die Ergebnisse ließen oft zu wünschen übrig. Wir hingegen schalten dem operativen Vorgang eine umfangreiche Diagnostik vor, um zu bestimmen, ob das Auge für den Eingriff geeignet ist. Hierzu bieten wir dann auch Alternativen aus den Möglichkeiten der refraktiven Chirurgie an. Bei fortgeschrittenem Alter lohnt sich ohnehin der Austausch der oft getrübten Linse gegen eine klare Linse, wie das beim grauen Star passiert. 

Wie läuft die Operation mit dem Laser ab?

Dr. Raiskup: Stimmt bei der Voruntersuchung alles, werden die aufgezeichneten Daten vom Scanner an unseren Excimer Laser weitergegeben, der nun auf der Basis dieser Angaben operieren kann. Genaugenommen verursacht er mit seinem Strahl eine fotothermische Reaktion auf der Hornhaut und das Gewebe wird auf der Oberfläche abgetragen. Es löst sich sprichwörtlich in Luft auf. Mit dem LAZIG Prinzip wird dieser Gewebeabtrag in der Hornhaut durch das Schneiden und Öffnen einer Lamelle, dem sogenannten Flap, möglich. Es ist etwas komplizierter durchzuführen, lässt den Patienten aber schneller die Sehverbesserung erleben.

 

Ist das für den Patienten unangenehm?

Dr. Raiskup: Nein, indem wir betäubende Augentropfen verabreichen, wird das ohnehin geringe Schmerzempfinden im Augapfel gänzlich abgestellt. Allerdings muss der Patient bei der Operation einen Lichtpunkt an der Decke fixieren, damit der Laser möglichst ungestört gleichmäßig abtragen kann. Früher haben die Geräte bei der kleinsten unerlaubten Augenbewegung gleich zuviel Gewebe abgetragen und damit das gewünschte Ergebnis verfehlt.

 

Wie können Sie das vermeiden?

Dr. Raiskup: Der Clou unseres neuen Lasers ist nun, dass er durch eine präzise Sensorik auf die Abweichungen während der Operation reagieren kann und sich bei einer unerwünschten Augapfelbewegung sofort abschaltet. Mit Hilfe dieses „Eye-Tracking“ werden nicht nur Bewegungen und Ortswechsel, sondern auch Torsionen des Augapfels registriert. Ohnehin arbeitet der Laser so schnell, dass der Patient nicht mehr so lange stillhalten muss. Benötigten ältere Laser für den Eingriff noch 3-4 Minuten, so schafft unser neues Modell die Operation in 60 Sekunden. Mit ihm lassen sich Sehfehler im Spektrum von - 6 bis +3 Dioptrien korrigieren.

 

Was machen Sie, wenn das Auge dennoch für die Laserbehandlung nicht geeignet ist?

Dr. Raiskup: Wenn die Hornhaut in der Voruntersuchung für Laserung als ungeeignet bewertet wird, fügen wir neue Linsen ein - auch das ist refraktive Chirurgie. Wir haben die Möglichkeit, die Linse vor,  auf, oder hinter der Iris zu platzieren, um den Fokus der gebrochenen Lichtstrahlen an die richtige Stelle zu bringen. Die alte Linse wird abgesaugt. Insbesondere Kinder sind für den Laser-Eingriff ungeeignet, weil ihr Auge ständig wächst. Damit sind ihre Dioptrien instabil und müssten nach einer gewebeabtragenden Operation immer wieder korrigiert werden. Junge Menschen sind in der Augenchirurgie ein besonderer Fall, mit deren Besonderheiten wir uns auch in unserer Forschung beschäftigen.

 

Womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Forschung?

Dr. Raiskup: In unserer Forschergruppe Refraktive Hornhaut und Linsenchirurgie beschäftigen wir uns mit Hornhautdegenrationen. Bei dieser Krankheit ist die Substanz der Hornhaut, das Collagen, geschädigt. Die Hornhaut verwölbt sich, wird unregelmäßig  und es setzt eine Fehlsichtigkeit ein, die sich in der Regel mit einer Brille korrigieren lässt. Bei Kindern und Jugendlichen kann es während des Wachstums zu einer starken Progression kommen. Der Zustand der Hornhaut ist so schlecht, dass selbst Kontaktlinsen nicht mehr helfen. Bisher half dann nur noch eine Hornhauttransplantation mit all ihren Komplikationen. Den Patienten erwartet dann eine Suche nach Spendern und eine längere Rehabilitation. 

 

Was tun Sie dann dagegen?

Dr. Raiskup: Unsere neue Methode ersetzt diesen Eingriff durch Bestrahlung mit Ultraviolett und Riboflavin, also Vitamin B.  Mit dieser Anwendung kann die Degeneration der Hornhaut verlangsamt und sogar ganz gestoppt werden. Oft reicht es, wenn wir jungen Patienten einfach nur einen Aufschub der Krankheitsentwicklung geben, bis sie in einem Alter sind, wo Wachstum und berufliche Situation günstigere Umstände für eine erfolgreiche Transplantation bieten.