Die Strategin

Bereits mit elf Jahren hatte Ines Kilian ihren Berufs­wunsch geäußert - auch wenn sie erst später wieder daran erinnert werden sollte. "Ich war elf und schrieb in einem Aufsatz, dass ich später mal Rechts­anwältin werden möchte", erzählt die gebürtige Dresdnerin. Und tatsächlich: Nachdem sie 1990 Elbflorenz verließ, um in Bremen (1. Staatsexamen) und Niedersachen (2. Staatsexamen) Jura zu studieren, kehrte sie acht Jahre später zurück und eröffnete eine eigene Kanzlei - Elbs Manthey Kilian Wirth. Seit dem hat jeder ihrer Fälle, die sie pro Jahr bearbeitet, seinen ganz eigenen Reiz. "Es gibt immer etwas, das einen Fall zu etwas besonderem macht. Manche sind fachlich in­teressant, andere haben eher das Potenzial für viel Publicity." Kilian mag Fälle, die ihre Fähigkeiten herausfordern. Als Anwältin kann sie logisches Denken, kriminalistischen Spürsinn, Psychologie, Einfüh­lungsvermögen und Kommunikation unter einen Hut bringen. "Ich liebe Strategiespiele", so die Fachanwältin für Strafrecht. In ihrem Fachgebiet hat sie schon dem ein oder anderem Mandanten die Exi­stenz gerettet. Plagen sie Fragezeichen, die vermeintlich glaubwürdige Zeugen oder Gutachter hinterlassen haben und schafft sie es, dass auch das Gericht zweifelt, ist sie in ihrem Element. Neben ihrer Tätigkeit als Anwältin, war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrstuhl für Strafprozessrecht und Rechtstheorie an der TU Dresden, sowie Lehr­beauftragte an der Fachhochschule Polizei Sachsen. Über die Kom­munikation zwischen Polizei und Anwälten publizierte sie 2001 einen Aufsatz in der Zeitung Die Polizei. Wie wichtig das Zusammenspiel zwischen Anwalt und Polizei ist, weiß sie nur zu gut. Zu häufig wür­den Polizisten Strafrechtler nur als Antagonisten wahrnehmen. Dabei sollten sie auch immer nach entlastenden Beweisen suchen. Einmal traf sie einen ehemaligen Schulkameraden vor Gericht wieder. "Wir hatten uns bald 30 Jahre nicht gesehen. Er ist Polizist und ich vernahm ihn als Polizeizeugen", erzählt Kilian. Neben ihrer Tätigkeit als Verteidigerin ist sie unter anderem Vorstands­mitglied des Deutschen Anwaltsvereins, sowie der Strafverteidigerver­einigung Sachsen/Sachsen-Anhalt e.V. Die Fortbildung ihrer Strafver­teidigerkollegen liegt ihr am Herzen. "Sie stellt für mich als Referentin eine besondere Herausforderung dar."