Kleider machen Leute: Wie uns unsere Kleidung beeinflusst

"Kleider machen Leute", jeder kennt diese Redewendung. Die Kleidung soll also die Visitenkarte für unsere Persönlichkeit sein. Auch wenn sich viele Menschen über diese Beurteilung streiten, sind sich Wissenschaftler sicher: Kleider machen tatsächlich Leute. Mit Kleidung können wir dem Gegenüber Kompetenz vermitteln, vertrauenswürdig oder unabhängig wirken. Das ist möglich, obwohl sich in der Hülle immer ein und derselbe Mensch befindet.

Warum der Mensch Kleidung tragen muss

Vor etwa ein bis drei Millionen Jahren legten die damaligen Menschen ihr Fell ab. Eigentlich schade, schließlich hat ein Fell zahlreiche Vorteile. Das Fell vieler Tiere besteht aus zwei Bereichen: Aus langen Deckharen sowie feinen Unterhaaren. Sobald es kalt wird, plustert das Tierchen die Haare auf, wodurch ein warmes Luftpolster entsteht. Bei Regen fetten die Tiere sich mit ihren Talgdrüsen ein, sodass Wasser einfach abperlt. Trotz all dieser Vorteile haben wir unser Fell abgelegt.

Experten glauben, dass unsere Vorfahren in der afrikanischen Steppe Dauerläufer waren. Zwar waren sie keine schnellen Jäger, dafür überzeugten sie mit ihrer Ausdauer. Ein Fell wäre für das Jagen allerdings aufgrund der Wärmeentwicklung unpraktisch gewesen. Auch unangenehme Mitbewohner, Parasiten, waren ein großer Nachteil des Fells. Sie sind in der Lage, gefährliche Krankheiten zu übertragen. So griff die Evolution ein und ließ den Menschen das Fell abwerfen. Weniger Fell bedeutet weniger Parasiten und somit weniger Krankheiten. Zumindest in der Theorie, denn heute gibt es die Kleiderlaus, die in unseren Klamotten wohnt und sich vom Blut des Menschen ernährt.

Die Kleidung als erster Eindruck

Wir geben es selten zu und tun es womöglich unbewusst, doch wir beurteilen Menschen anhand ihrer Kleidung. Die Kleidung ist der erste Eindruck, den ein Mensch auf seine Mitmenschen hinterlässt. Genau das zeigt ein Test mit Passanten in diesem Video (ab 6:22). Im Laufe der Evolution hat sich die Kleidung zu einem Mittel entwickelt, Eindrücke zu erwecken - positive sowie negative. Wir begegnen jeden Tag unzähligen Menschen, die wir nicht kennen. Meist kommen wir mit diesen Menschen nur kurz in Kontakt. Es verbleiben häufig nur wenige Sekunden, um sie einzuschätzen. Kleidung ist automatisch ein Hinweis auf die Persönlichkeit. Sie gibt Informationen über den sozioökonomischen Status, das Alter, Einstellung und andere Persönlichkeitsdimensionen.

Diese schnell geformten Urteile sind für gewöhnlich nichts Schlimmes, es sei denn, wir geben dem Gegenüber keine Möglichkeit, sein Wahres ich zu zeigen. Ein typisches Beispiel: Eine komplett schwarze Kleidung wird häufig mit Rockern assoziiert. Einige Klischees gehen so weit, dass das Studienfach eines Studenten anhand seiner Kleidung erkennbar sei.

Kleiderordnung: Die ungeschriebenen Regeln der Arbeitswelt

Nicht zwingend ein schnell geformtes Urteil, dennoch ein wichtiger Aspekt, sind die ungeschriebenen Regeln der Arbeitswelt. Wer hier aus der Reihe tanzt und sich nicht entsprechend kleidet, könnte einen Job in den Sand setzen. Personalmanager entscheiden, wie viele Menschen, innerhalb von Sekunden, wer zum Unternehmen passt und wer nicht. Das erste Indiz ist, wie so oft, die Kleidung. Eine Studie der University of Minnesota belegt, dass die Kleidung der wichtigste Schlüssel zur Persönlichkeit eines Menschen ist. In der Studie wurden unterschiedliche Bewerbungsmappen erstellt, die denselben Lebenslauf, jedoch verschiedene Bewerbungsfotos enthielten:

1. Anzug mit Bluse
2. Kleid mit Rollkragen
3. Kleid mit betontem Dekolleté

300 Personalmanager bewerteten die Bewerbungsmappe für die Studie und wählten die Frauen im Anzug am häufigsten aus.

Kleidung kaufen: Das etwas andere Glücksgefühl

Verändert hat sich nicht nur Kleidung selbst, und wie sie unser tägliches Leben beeinflusst, sondern auch, wie wir sie kaufen. Studien zeigen, dass einige Menschen beim Kauf von Kleidung ein Glücksgefühl spüren. Sie nutzen das Shopping, um sich besser zu fühlen, zu belohnen oder über einen Verlust hinwegzutrösten. Das Shopping erfolgte bis vor einigen Jahren in lokalen Läden. Doch in den vergangenen Jahren kaufen Menschen immer häufiger online ein. Einer Studie des BITKOM zufolge kaufen etwa 15 Millionen Deutsche ihre Kleidung und Accessoires online ein. Mehr als 41 Prozent der weiblichen Internetnutzer haben Mode in Onlineshops wie Dress-For-Less bestellt, bei den Männern hingegen sind es nur 17 Prozent. Reine Internetanbieter im Bereich Mode können sich immer häufiger neben dem traditionellen Geschäft etablieren. Selbst Modeketten aus dem Einzelhandel betreiben fast alle einen eigenen Onlineshop.

Interessante Fakten

In der Studie Global Lifestyle Monitor 2014 sind interessante Fakten rund um das Einkaufsverhalten des Deutschen zu finden:

  • Fast jeder Zweite (46 Prozent) ist davon überzeugt, dass sich Kleidung in den letzten Jahren verteuert und in puncto Qualität verschlechtert hat.
  • Der Otto-Normalverbraucher besaß 2008 neun Jeanshosen, 2014 sind es nur noch sechs.
  • Die Jagd nach Schnäppchen ist beliebt, mehr als 90 Prozent kaufen Kleidung gelegenlich im Ausverkauf.