Guter Service braucht Herz und Verstand

Nantor Schmidt (56), Geschäftsführer im Autohaus Hahn & Schmidt Radebeul

„Natürlich ist das Auto ein Statussymbol, aber es ist nicht alles“, bekennt der Mann mit dem ungewöhnlichen Vornamen. „Der ist ungarisch und eigentlich falsch geschrieben, denn ein ungarischer Nandor – zu Deutsch Ferdinand – wird richtig mit ‚d’ geschrieben“, klärt Nantor Schmidt auf. 

Auch das sprichwörtliche ungarische Temperament ist bei Nantor Schmidt auf Anhieb nicht zu entdecken. Kein Wunder. Seine Eltern ungarischer Abstammung siedelten bereits zwei Jahre vor seiner Geburt nach Deutschland um und in das Land der Magyaren besteht keine Verbindung mehr. Er spricht bedacht und die Aufmerksamkeit um seine Person macht ihn verlegen. Nantor Schmidt wollte schon immer, was alle Jungen irgendwann einmal wollen: mit Autos zu tun haben. Doch während für die meisten der Wunsch entweder vorübergeht oder nicht erfüllt werden kann, verfolgte er konsequent sein Ziel. Nach dem Schulabschluss lernte er zunächst Schlosser, studierte Kraftfahrzeugtechnik an der Ingenieurschule für Verkehrstechnik Dresden und arbeitete als technischer Leiter im Autoreparaturwerk Lommatzsch. „Ganz unspektakulär“ sei das alles, meint der Diplomingenieur (FH) und betont: „Ich bin dankbar dafür, dass ich meinen Weg so gehen konnte.“ In der Wendezeit lernte er seinen Geschäftspartner Manfred Hahn kennen. Mit ihm wagte er das Abenteuer Selbstständigkeit und kaufte seinen alten Betrieb von der Treuhand. „800.000 D-Mark waren das damals, ein ziemlich großes finanzielles Risiko.“ Warum er sich für die Premium- Klasse entschied, ist für ihn ganz klar: „Mercedes ist die wertvollste Marke, die es gibt. Jeder kennt sie und jeder verbindet einen bestimmten Wert damit.“ Zudem gab es damals keinen anderen regionalen Anbieter, der Erfahrungen im Nutzfahrzeugsektor und mit LKW hatte. Die im April 1991 eröffnete Autowerkstatt Meißen besteht noch heute. Sechs Jahre später wurde der heutige Hauptstandort des Autohauses in Radebeul eröffnet. Das jüngste Kind des Unternehmens Hahn & Schmidt ist seit Februar 2007 eine LKW-Werkstatt in Bodenbach bei Nossen, die gemeinsam mit dem Meißner Mineralölhändler Wolfgang Schneider betrieben wird. Auf dem Radebeuler Firmengelände stehen Autos für drei Millionen Euro. Heute rauben solche Zahlen Nantor Schmidt nicht mehr den Schlaf. Doch mit dem Wachstum der Firma stieg auch die Verantwortung. Arbeiteten hier im Gründungsjahr 14 Leute, beschäftigt das Unternehmen heute 67 Mitarbeiter, darunter 13 Auszubildende. Das Klima wirkt familiär und freundlich. 

Nantor Schmidt hält große Stücke auf seine Leute: „Es ist ein gutes Team, wir haben keine Fluktuation.“ Das mag nicht zuletzt an seiner ausgeglichenen Art liegen. Er denkt, als Chef gerecht zu sein. „Zumindest versuche ich es immer.“ Sein Partner Manfred Hahn sitzt in Münchberg und kommt einmal in der Woche nach Radebeul. „Er ist eher der Mann fürs Marketing, ich fühle mich im technischen Bereich wohl“, erklärt Nantor Schmidt die Aufgabenteilung im Hause Hahn & Schmidt. „Regelmäßig ist nichts“, beschreibt er seine Arbeitstage, „jeder Tag ist anders.“ Und lang. Er ist viel unterwegs, besucht Tagungen, Seminare, Weiterbildungen. Natürlich fährt Nantor Schmidt selbst Mercedes: „Seit 1991 immer das neueste Modell.“ Aktuell ein E 280 CDI T-Modell 4-matic, die Allrad-Variante. Doch auch wenn er ohne Zögern zugibt, dass ein Auto selbstverständlich ein Statussymbol ist, sieht er seinen Wagen eher als komfortablen Fahruntersatz zum Transport von Fahrrad oder Skiern. Sport ist ihm ein guter Ausgleich zur Arbeit. Seit 25 Jahren spielt er regelmäßig Tennis: „Immer donnerstags, manchmal auch sonntags.“ Und die Familie? Über Privates zu plaudern, fällt Nantor Schmidt schwer. Tief getroffen hat ihn und seine Familie der Unfalltod seines 25-jährigen Sohnes vor zwei Jahren. „Es ist unfassbar, wenn ein junger gesunder Mensch stirbt, ohne dass man eine Möglichkeit hat, sich zu verabschieden.“ Seit diesem Schicksalsschlag denkt Nantor Schmidt über viele Dinge anders: „Man arbeitet und tut immer, als würde man ewig leben. Wie verletzlich man ist, merkt man erst in so einer Phase.“ Letztlich hat ihm die Arbeit geholfen, seine Trauer zu überwinden. „Andere müssen reden, ich arbeite lieber.“ Er steckt sich etappenweise Ziele. Als er vom bevorstehenden Höhepunkt des Jahres, der Vorstellung des neuen C-Klasse-Wagens, spricht, leuchten seine Augen wieder und es ist zu spüren, Autos sind und bleiben Nantor Schmidts Leidenschaft. Seine Wünsche für die Zukunft muten bescheiden an: gesund bleiben, mit seiner Mannschaft weiter kundenorientiert arbeiten, den Umsatz steigern und eine bessere Marktdurchdringung erreichen. Ein spezielles Erfolgsrezept ist Geschäftsführer Schmidt nicht zu entlocken. Der Kunde muss im Mittelpunkt stehen und sich wie ein Mercedes als etwas Besonderes fühlen. Herz und Verstand brauche man dazu. Ungewöhnlich sei das aber nicht.