„Getroffene Hunde bellen – das ist so wahr!“

Rainer König (53), Pantomime, Clown und Schauspieler 

Mit der Rolle von „August der Schwache" wurde er bekannt. Seit 20 Jahren ist er Profi-Künstler, doch auf der Bühne stand er viel früher. Als Pantomime, das vom griechischen Wort pantomimos abstammt und „alles nachahmend" bedeutet, will er zum Lachen bringen. Die Welt zu verbessern ist nicht sein Ding. „Man kann sich nur selbst zum Besseren wenden", sagt der Mime Rainer König.

„Ich hing immer zehn Jahre hinterher. Als die anderen schon Bier trinken gingen, rannte ich noch mit dem Schmetterlingsnetz übers Feld", erzählt der gebürtige Dresdner und gestikuliert dabei, dass man es sich bildhaft vorstellen kann. Tiere liebte er schon als Junge. „Ach der König mit seinen Molchen", hieß es oft, wenn Terrarium und Schildkröten wichtiger waren als das Lernen. „Die Schule hat mich nur behindert", lacht er. „Natürlich war ich der Klassenkasper." Doch Rainer König malte auch viel, am liebsten Karikaturen. „Dabei grimassierte ich angeblich immer und spielte die Themen mit", erinnert er sich, und man ahnt erste unbewusste schauspielerische Impulse. Im Indianerclub Radebeul lernte er Reiten und stand mit 16 Jahren erstmals auf der Bühne: als indianischer Tänzer.

Wäre es nach ihm gegangen, hätte er nach der 10. Klasse einen Beruf „am liebsten im Zoo gelernt". Daraus wurde nichts und Rainer König fand sich auf Empfehlung seines Vaters in einer Lehre als Elektronik-Facharbeiter wieder, was ihn heute noch wundert: „Ich wusste nur, wenn man den Schalter anmacht, geht das Licht an." Dennoch arbeitete er insgesamt neun Jahre in dem Beruf. Bei der Armee lernte er den Musiker Lutz Kerschowski kennen und hatte das Glück, gemeinsam mit ihm Kultur in der Kaserne zu organisieren. Noch in der Armeezeit, 1972, fiel ihm ein Buch in die Hände, das nicht folgenlos bleiben sollte: „Sport und Yoga". Im Selbststudium erarbeitete er sich Hatha-Yoga-Übungen, Atemtechniken und verinnerlichte die ethischen Grundregeln des Yoga. Sieben Jahre lebte er streng danach.

Seine perfekte Körperbeherrschung ist also kein Himmelsgeschenk, sondern Ergebnis disziplinierten Trainings. Noch heute findet er diese Erfahrungen außerordentlich hilfreich, auch wenn er wegen des unregelmäßigen Künstlerlebens nur selten zu intensivem Üben kommt. Zurück im ungeliebten Elektronikerleben traf Rainer König eines Tages „einen von der FDJ", der ihn fragte, ob er nicht was anderes machen wolle. So begann er mit 27 Jahren ein Fachschulstudium als Klubleiter in Meißen-Siebeneichen. „Das war meine Welt", sagt er mit strahlenden Augen über diese Zeit. Nach dem Studium arbeitete er im Kabinett für Kulturarbeit Dresden und hatte dort seine erste Begegnung mit dem Pantomimen Ralf Herzog, der später sein Lehrer wurde. „Das isses!", durchfuhr es ihn.

Fortan ging er vier Jahre nach der Arbeit ins Pantomime-Studio. Ein Fernstudium an der Theaterhochschule Leipzig absolvierte er zusätzlich, bis die jahrelange Mehrfachbelastung ihren Tribut forderte: Rainer König wurde krank und beschloss: „So kann es nicht weitergehen." Er entschied sich für die Kunst. 1984 wurde er Leiter des neu gegründeten „theater 50" und tourte mit der Clowns-Truppe „Salto Vitale" durch zahlreiche Länder. 1987 erreichte er den Profistatus: „Damit war der Weg geklärt", lacht er. Es folgten Engagements bei „Panem et Circenses" im Circus Roncalli, bei „Pump duck und circumstance" und vielen anderen. In den 80ern lernte Rainer König auch seine Frau Raina, eine Psychologin, kennen. Ihr verdankt er viel. „Als sehr emotionaler Mensch habe ich lange ein chaotisches Leben, ohne Struktur, geführt." Seine Frau habe ihm vermittelt, dass man miteinander reden müsse. „Irgendwann habe ich angefangen zuzuhören. Das war, als ich erkannte, dass die Redewendung‚ getroffene Hunde bellen‘ so was von wahr ist."

In dem Moment, als er alle seine Probleme geklärt hatte, wurde er „total ruhig" und spürte viel mehr Energie in sich. Seitdem stieg die Erfolgskurve stetig. „Mit einer funktionierenden Ehe im Hintergrund kannst du viel besser arbeiten", betont er. Seine Familie, mit der er in einem Dorf bei Nossen lebt, bedeutet ihm viel. Es tut ihm leid, für seine heute 18-jährige Tochter Elisa kaum Zeit gehabt zu haben, als sie klein war. Seit sein Sohn Aaron (10) geboren wurde, ging er nicht mehr auf längere Tourneen, lehnte sogar ein Angebot des weltbesten Cirque du Soleil ab. „Ich wäre ein Jahr weg gewesen – undenkbar."

Rainer König ist längst nicht mehr „nur" Pantomime: Er gab der Hexe Baba Jaga eine Stimme und singt als Gefängniswärter Enterich in der Staats-operette. Texte zu lernen, fiel ihm schwer. Neue Herausforderungen suchte er nie: „Sie kamen immer zu mir." Er liebt entspannte Situationen: „Ich bin harmoniesüchtig. Ich will, dass die Leute lachen und ich auch." Gelegenheit dazu bot sich in vielen Genres. Nur auf einer Opernbühne stand er noch nie. „Vielleicht holen sie mich mal als Komparse? Das wär lustig", lacht er. Aber eigentlich hat Rainer König schon jetzt gut zu tun. In Bad Segeberg wird er bald einen reitenden Komiker verkörpern. Näheres darf er noch nicht verraten. In Dresden ist er unter anderem in wechselnder Besetzung an der Staatsoperette, in Merlins Wunderland, auf dem Theaterkahn oder im Juli open air als Hexe Baba Jaga (Foto) und am 8. August zur Pantomime-Nacht im Parktheater zu erleben.

Dagmar Möbius

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