"Das Ziel im Leben ist gewinnen"

Daniel Werner (38), neuer Direktor des The Westin Bellevue Dresden

Es waren nur drei Zehntelsekunden. Drei Zehntelsekunden, die Daniel Werner fehlten, um mit seinem 4er-Doppel-Ruderboot zu siegen. Die Konsequenz: 18 Monate harter Armeedienst, statt privilegierter Sport Company. „In den Monaten habe ich mir jeden Tag geschworen, im Leben immer ein Quentchen mehr zu geben“, gesteht Daniel Werner, der neue Chef vom The Westin Bellevue Dresden.

Statt eines ungewissen Ausgangs des Jurastudiums entschied er sich für eine Ausbildung als Hotelfachmann. „Ich wollte gleich Geld verdienen“, erinnert er sich. Er lernte den Job von der Pike auf, begann als Magazinverwalter, Chief Stewart, arbeitete im F&B, ging mit einem Stipendium in die USA, dann in den Sales nach Berlin, letztlich nach St. Gallen, bevor ihn sein Weg nach Dresden führte.

„Das Ziel im Leben ist, zu gewinnen“,  kommt er auf den Leistungssport zurück, der auch ohne Ruderboot richtungsweisend für seine Karriere war. „Der Körper muss jeden Tag Maximales leisten, dann bekommt man auch den Preis“, erklärt er. Dabei hat der große Mann im Windsor-Anzug gelernt, wie wichtig Teamarbeit ist. „Man muss sich blind verstehen, aber wenn der Schlag erhöht wird, muss auch jeder mit. Wer nicht im selben Takt mithält, bekommt zwei bis drei Anweisungen. Dann muss er mitziehen können.“

Er selbst macht immer ein bisschen mehr als andere und erwartet ähnliches Engagement von seiner Umgebung. Bei der Bundeswehr brachte ihm das einen Sonderurlaub ein, in seiner Karriere geschäftliche Erfolge. „Ich liebe den tagtäglichen Wettbewerb. Das ist doch das spannende Spiel des Lebens.“

So sieht er das auch seinen Mitbewerbern gegenüber. „Ich bin dankbar, dass ich mich mit ihnen messen darf“, erklärt er. Kempi, Hilton, Dorint – das sind tolle Produkte und tolle Direktoren. Er liebt es, in die anderen Hotels zu gehen, zum Essen und zum Beobachten. „Es ist doch schön, wenn man von anderen lernen und vergleichen kann.“ Außerdem sei die Hotellerie eben seine Passion. „Ein Hotel ist ein Feld der Sinne“, schwärmt er und möchte, dass seine Angestellten diese Leidenschaft teilen. Bei aller Euphorie ist er im Geschäft rational und überlegt. Beim derzeitigen Boom bei den Auslastungen der Dresdner Hotels plädiert er dafür, die „Bälle flach zu halten“. Das Blatt könne sich auch schnell wenden. Er prognostiziert noch ein geringes Wachstum und dann hoffentlich eine Stabilisierung. „Ich wünsche mir, dass die Stadt so viel Feingefühl hat, nicht noch mehr neue Hotels zuzulassen.“

Er weiß, wovon er spricht, schließlich hat er in den letzten zwölf Jahren mit zehn Umzügen viele Städte dieser Welt erlebt. Mit ihm unterwegs: seine Frau, sie ist selbstständig. „Sie ist noch erfolgreicher als ich“, lacht Daniel Werner. Eine Perfektionistin in Sachen Wohndesign, was sich auch zu Hause in der alten Villa in Dresden Plauen auswirkt. Die Wohnung, in der Werners wohnen, ist mit einer Mischung aus Stilelementen und Designerstücken eingerichtet. Miete. Ein Haus kaufen wollten sie nicht. „Schließlich sind wir Zigeuner.“ Ein wenig bedauert Daniel Werner allerdings schon, dass er die Pflanzen immer gut in den Boden setzt, aber nie die Ernte miterleben kann. Deshalb plant er seinen Dresdenaufenthalt für mindestens vier Jahre. Nicht zuletzt auch, weil im Februar Familienzuwachs erwartet wird. Dennis Cedric soll der Sohn heißen. Begleitend will der zukünftige Vater da sein, hat keine Erziehungspläne,  baut lieber  traditionell auf die Fähigkeiten seiner Frau.

Das ruhige Familienleben plant er später. Irgendwann, wenn er sich den Traum vom Holzhaus auf einem zwölf Hektar großen Seegrundstück in Kanada erfüllt. Nun genießt der 38-Jährige erst einmal Dresden.  „Eine extrem schöne Stadt. Dorfcharakter mit Großstadtfeeling. Man kann in Ruhe leben und ist trotzdem nicht anonym.“ Seine Frau liebt es, ins Theater oder Konzert zu gehen. „Ich gehe mit“, meint er und schwärmt von der Premiere des „Faust“ im Großen Haus. „Mir hat das gefallen so pur. Ich schätze den Mut zu Neuem.“

Den hat er selbst auch mit seinem The Westin Bellevue Dresden. „Die Basis ist sensationell“, gerät er wieder ins Schwärmen. „ Die Lage am Fluss, drei Minuten zur Innenstadt.“ Ihm schwebt ein Event- und Resorthotel vor. Er möchte den 20.000 qm großen Garten nutzen, den „Elbsegler“ optimieren, die Wiesen und Innenhöfe konzeptionell integrieren und die Sinne der Gäste ansprechen. „Wir werden das Licht in der Halle dimmen, Kerzen und White-Tea-Duft einsetzten. Wir wollen dem Gast zeigen, dass wir ihn lieben.“ Hotellerie sei Theaterspiel auf hohem Niveau. Und im Gegensatz zu seinen Hobbys Golfspielen und Motorradfahren zählt für den gebürtigen Gießener in seinem Job nur eines: der Sieg. Hundert Prozent gewinnen, ohne eine einzige Zehntelsekunde Abzug.

Autorin: Adriane Schmid (Disy Winter 2006/07)