Bettina Grein (39), die Gräfin Cosel des Dresdner Hoftheaters

Stehenbleiben ist Zurückbleiben!

Sie nimmt an Internetauktionen teil, schneidert gern, kocht mit Freunden und liebt es, im Waldpark mit ihrer Familie spazieren zu gehen.

Sie ist die Chefin des Dresdner Hoftheaters, wo sie auch auf der Bühne steht und lustwandelt in der Rolle der Gräfin Cosel mit Touristen durch das barocke Dresden.

Ihre Träume für die Zukunft sind ein schönes, langes und gesundes Leben für sich, ihre Familie und Bekanntenkreis: „Das ist der einzige Wunsch, den ich habe. Alles andere kommt von alleine.“ Das  kann nur jemand sagen, der mit sich und seinem Leben zufrieden ist. Der glücklich ist. Und das ist sie.

Zu Bettina Greins Glück gehören ein Job, in dem sie ihr Hobby zum Beruf machte, ihre 3-jährige Tochter Anna und eine 18-jährige, glückliche Beziehung mit Ihrem Freund Dieter .

Er war es auch, der 1998/90 ihren Weg nach Dresden führte. „Ich kam der Liebe wegen nach Dresden.“ Er hatte auch die Idee mit dem Hoftheater. „Das war 1993. Wir richteten die Audienzräume auf der Königstraße ein und mit viel Unterstützung seinerseits konnte ich in fünf Jahren den Bankkredit tilgen.“

Im gleichen Jahr legte sie auch ihre Gästeführerprüfung ab und ihr erster Kunde damals war der König von Nigeria. Bevor die attraktive Frau ihren „Traumjob“ fand, machte sie in Bensheim eine Hotelausbildung, arbeitete in Frankfurt in einer Büroraumvermittlung, in der amerikanischen Bank und bei Pro 7, wo sie ihren Schatz kennen lernte.

Die Entwicklung des Hoftheaters entspricht genau ihrer Lebensphilosophie. „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom, sobald man anhält, treibt man zurück.“  Nach dieser Art versucht sie zu leben und zu arbeiten. „Es hat sich in meinem Leben schon oft bestätigt. Offen sein ist ganz wichtig, den eigenen Blickwinkel nicht nur geradeaus richten, sondern auch mal nach links und rechts. So sieht man mehr. Ständig spuken Ideen in meinem Geist und wenn die Zeit reif ist, setze ich sie um, wie z.B. die Modenschau, wo nicht nur historische Kostüme durch die Epochen führen, sondern auch die schauspielerische Leistung.“

So denkt sie sich neue Rollen aus, überarbeitet Texte, schreibt sie um ... Inzwischen ist zu dem Hoftheater der Kostümverleih hinzugekommen,  mit dem sie sich eigentlich auch einen Traum erfüllte. Sie kommt aus einer Schneiderfamilie, ist zwischen Stoffen und Nadeln aufgewachsen und schneidert selbst gern.

Ihre berufliche Zukunft stellt sie sich weiterhin sehr facettenreich vor. Ihre Sprachausbildung möchte sie vertiefen, da Vertonungsarbeiten sie sehr reizen. Neue Rollen für das Hoftheater sollen entstehen und „ich will die Möglichkeiten des Internets mehr nutzen. Das ist total spannend.“ Ab und zu schaut sie auch mal bei ebay rein, eine Büste hat sie z.B. schon ersteigert und einen Hut. „Ich leide unter der typischen Frauenkrankheit: Hüte. Schuhe und Hüte. Die Hüte muss ich nicht unbedingt selbst tragen, es reicht,  wenn ich sie sehe. Die meisten kaufe ich eh für den Kostümverleih.

Job und Familie zu vereinbaren, ist zwar eine Herausforderung aber „Dank des guten Teams am Hoftheater ist es kein großes Problem. Wir ziehen alle an einem Strang und es ist nur eine Frage der Organisation. Mein Freund macht viel zu Hause und wir kümmern uns beide um Anna. Zudem haben wir eine super Kinderfrau, die ist sehr flexibel und da, wenn ich Hilfe brauche. Sie ist wie eine ‚Ersatzoma‘, da die Großeltern beide weit weg sind.“

Zum Thema „Entspannen“  sagt sie zuerst (das aber genussvoll und fast ein bisschen sehnsüchtig): „Schlafen“. Oder: „Urlaub. Wenn ein bisschen Zeit ist,  fahren wir meist spontan weg.“ Der letzte Urlaub war im März, es ging nach London.

Und Freizeit? Bettina Grein antwortet wie alle Selbstständige: „Es ist wenig Zeit.“ Und gerade deshalb nutzt sie sie sehr intensiv mit ihrer kleinen Familie. „Wir spielen mit Anna, gehen mit Bassi im Waldpark spazieren. Er ist ein italienischer Hütehund, sagten sie uns, als wir ihn aus dem Tierheim holten. Ein Abendspaziergang durch den Park genießen wir sehr, zwar eher selten, aber wenn wir dazu kommen, ist es herrlich. Ich liebe das. Am liebsten essen wir dann im „Restaurant am Waldpark.“ Sie mag dort die gutbürgerliche Küche, die lockere Atmosphäre, den Wald, der Spielplatz ist toll für Anna. Oder sie laden Freunde zum Kochen ein, trinken ein Glas Wein und haben ein paar schöne Stunden zusammen - was bei der Wärme, die diese wunderschöne Frau ausstrahlt, wohl auch nicht schwer fällt.

Die „Gräfin“  ist sehr glücklich über ihren Freundeskreis, der neben Dresdnern aus Neudresdnern und Ausländern besteht. Viele Freundschaften haben sich auch über den Job ergeben. Das ist ein Grund dafür, dass Dresden für sie „einfach eine tolle Stadt zum Leben ist. Ich kann mir schon vorstellen, für immer hier zu bleiben.“                                            

 

(Anke Mittelhäuser, Disy Sommer 2006)