Mary Wigman (1886-1973)

Gret Paluccas Lehrerin

Karoline Sofie Marie Wigman wurde 1886 in eine wohlhabende Kaufmannsfamilie geboren. Sie besuchte in Hannover eine höhere Töchterschule, an der sie Gesangs- und Klavierunterricht bekam. Nach dem Tod ihres Vater ging die Mutter eine Zweckehe mit dem im Haus lebenden Zwillingsbruder ein, um der Familie die soziale Sicherheit gewährleisten zu können.

Die kleine Karoline Sofie Marie Wigman wurde gegen ihren Wunsch auf ein englisches Mädchenpensionat geschickt.

Sie schloss sich voller Kummer und Traurigkeit in ihrem Zimmer ein, um dem inneren Schmerz freien Lauf zu lassen. Dabei bemerkte sie, dass sie sich ihren Gefühlen nach bewegen konnte. Dass sie sich von nun an einen künstlichen Schmerz zufügt, um das Glück zu spüren. Seit dieser Entdeckung fand sie Zuflucht und Trost in diesen Bewegungen.

Nach zwei Verlobungen trennte sie sich von den Männern wieder. Dann verließ siemit dem ausgezahlten Erbe ihres Vaters die Familie. Mary entschloss sich, eine Ausbildung zur Gymnastik-Lehrerin zu machen. Dazu ging sie an die rhythmischen Bildungsanstalt von Emilie Jaques Dalcroze in Dresden. Doch durch das streng gegliederte rhythmische System fühlte sich Mary Wigman schon bald gelangweilt und eingeengt. Mary wollte mit dem Tanz nur ihre Gefühle ausdrücken.

Durch Erzählungen von Freunden erfuhr die junge Frau von Rudolf von Laban, der Unterricht in einer Münchner Schule für Kunst gab. Er gab auch Kurse für Bewegungskunst in der legendären Stätte der Lebensformen auf dem Monte Verità über Ascona am Lago. 1913 zog Mary dorthin und fühlte sich gleich wohl.

„Du bist eine Tänzerin“, sagte Rudolf von Laban. Er erkannte, was für eine Bewegungsenergie in ihr steckt. Daraufhin gab er ihr den Rat, sich den Künstlernamen Mary Wiedemann zu geben.

Ihren ersten Auftritt auf der Bühne mit ihrer ersten eigenen Choreografie „Hexentanz“ feierte sie 1914 mit 28 Jahren. Weitere Auftritte mit ihren eigenen Choreografien folgten und sie unterrichtete nun auch Labans Schüler. Laban leitet die Gesetze der körperlichen Harmonie anhand der täglichen vorgeführten Tänze von Mary Wigman ab. Diese flossen in seiner Bewegungslehre „Die Welt des Tänzers“ mit ein.

1920 eröffnete Mary in Dresden ihre erste eigene Schule. Diese etablierte sich in nur wenigen Jahren zum Zentrum des neuen deutschen Ausdruckstanzes und wurde hauptsächlich von Frauen besucht. Mary glaubte, dass in den damaligen jungen Frauen eine starke und gesunde Freude am reinen Sich-Bewegen lebendig sei. Sie trainierte ihre Schülerinnen so, dass diese ihren eigenen Rhythmus des Körpers fanden.

Nach dem Beenden der Beziehung zu Hans Benkert, einem führenden Rüstungsindustriellen der NS- Kriegswirtschaft, fiel sie als Repräsentantin der „entarteten Kunst“ in Ungnade, da sie durch Hans Benkert zunächst geschützt gewesen war.

Durch das Scheitern der Beziehung und angeschlagen von den Repressalien der Nazis schloss Mary Wigman ihre Tanzschule in Dresden, beendete ihre Karriere als Tänzerin und zog nach Leipzig.

1949 wurde sie sesshaft in Westberlin, wo sie das „Tanzstudio Mary Wigman“ eröffnete.

Mit fast 87 Jahren starb sie 1973.

 

(Disy Herbst 2005)