Clara Josephine Schumann (1819-1896)

Als Wunderkind wurde Clara zur Klaviervirtuosin gedrillt. Sie wehrte sich erst gegen ihren Übervater, als er ihr die Ehe mit Robert Schumann verbot. Nachdem sie sich durchgesetzt hatte, bekam sie mit Robert zwischen ihren zahlreichen Konzerten acht Kinder.

Trotz ihrer Aufgaben als Mutter und Hausfrau trug sie durch zahlreiche Konzerte maßgeblich zum Familienunterhalt bei. Doch Roberts Nähe wurde für
Clara bald ähnlich erdrückend wie die ihres Vaters. Beide nötigten Clara, ein gemeinsames Tagebuch zu führen – eine Dresdner Geschichte.

Robert und Clara hatten aus Liebe geheiratet und ihre Ehe erkämpfen müssen. Nach der Heirat bot sich Clara die Freiheit, die unter der Dominanz ihres Vaters vernachlässigte Allgemeinbildung nachzuholen. Sie beschäftigte sich mit Goethe, Shakespeare und Jean Paul, befasste sich intensiver mit Ludwig van Beethoven, Johann Sebastian Bach, Frederic Chopin und vor allem mit den Werken ihres Mannes.

Doch die damals übliche Rollenverteilung in der Ehe richtete neue Schranken für sie auf. Robert war zwar nicht despotisch wie Vater Wieck, aber er wollte Claras dienende Unterstützung. Sie sollte weniger Klavier üben, das störte ihn
beim Komponieren. Wäre es nach ihm gegangen, hätte sie seltener Konzerte gegeben und mehr mit ihm zusammen komponiert. Roberts Ziel war eine „musikalische Zweisamkeit in Einheit“.

Diese Zweisamkeit wollte er so sehr in die Kompositionen einfließen lassen, dass den Stücken nicht mehr anzumerken war, wer von beiden sie geschrieben hat. Bei einem Liederzyklus von 1841 sind die Vertonungen tatsächlich nicht Robert oder Clara zuzuordnen. Eine Selbstaufgabe aus Liebe lehnte Clara aber ab. Sie bestand darauf, ihre Konzert-Laufbahn fortzusetzen.

Das war auch nötig, denn die größer werdende Familie war auf die Einkünfte aus den Konzerten angewiesen. Es zeigte sich, dass Clara Robert auf diese Weise helfen konnte, in ganz Europa bekannt zu werden und seinen Ruhm als Komponist zu begründen. Ihre Tourneen führten sie nach Dänemark und Russland (Sankt Petersburg, Moskau). Clara wurde sogar von der Zarenfamilie empfangen. Im Schatten der umjubelten Virtuosin stehend erkrankte Robert Anfang 1854, bekam Gehöraffektionen, verfiel von Syphilis gezeichnet in Halluzinationen und versuchte sich umzubringen.

Daraufhin widersprach Clara nicht, als man Robert in eine Nervenheilanstalt einlieferte. Erst vier Tage vor seinem Tod besuchte sie ihn dort. Noch mit 71 Jahren schenkte sie ihren Zuhörern besonders den Genuss von Werken Beethovens, Bachs und Chopins und öffnete die Herzen der Menschen für die Musik ihres unglücklichen Mannes.