Astrid Lindgren (1907 - 2002)

Nicht nur Kindern ist Astrid Lindgren bekannt. Sie begeisterte mit ihren frechen Romanhelden wie „Pippi Langstrumpf", „Karlsson vom Dach" oder „Die Kinder aus Bullerbü" auch Erwachsene.

Astrid Lindgren wuchs gut behütet in dem kleinen schwedischen Dorf Näs in Småland mit ihren drei Geschwistern auf. Ihre Eltern schenkten den Kindern viel Liebe, und Astrid ihr erstes Buch „Schneewittchen, ein Weihnachtskalender für Kinder 1911", als sie 4 Jahre alt war. Mit 12 stellte sie erschreckt und traurig fest, zu groß zum Spielen geworden zu sein. Die Realschule beendete sie mit einem guten Zeugnis und verdiente sich ihr erstes Geld als Volontärin in einer Zeitungsredaktion. Als sie schwanger wurde, zog sie nach Stockholm, um eine Ausbildung als Sekretärin zu beginnen. Ihren 1926 geborenen Sohn Lars gab sie zu Pflegeeltern nach Kopenhagen und erhielt eine Anstellung im „Königlichen Automobil Club". Dort traf sie ihren späteren Ehemann, Sture Lindgren. 1934 erblickte Astrids erste Tochter Karin das Licht der Welt. Als das Mädchen 1941 mit einer Grippe das Bett hütete, erfand Lindgren Pippi Langstrumpf. Als sie das Manuskript 1944 einem Verleger zeigt, ist dieser nicht sehr begeistert. Er sorgte sich um die Vorbildwirkung einer solchen Figur, die nicht zu Schule gehen will, macht, was sie will, Räuber wie Polizisten gleichermaßen durch die Luft schleudert. Doch Astrid hat Freude am Schreiben gefunden und bewirbt sich mit ihrem zweiten Kinderbuch „Britt-Mari erleichtert ihr Herz" bei einem Autorenwettbewerb. Sie gewinnt den zweiten Platz und findet einen Verleger für ihre Pippi. Der Verleger Oetinger publiziert den ersten Band 1949 in Deutschland.

Das freche, rothaarige Mädchen Pippi Langstrumpf lebt ohne ihre Eltern in einer großen Villa mit ihrem Affen Herr Nilsson und dem Pferd Großer Onkel. Sie verbringt den Tag mit Dingen, zu denen sie Lust hat, und hält sich an keinerlei Regeln. Sie kauft fünf Tonnen Naschwerk und geht auf große Schatzsuche am Straßenrand.
Karlsson vom Dach (erschienen 1955) ist kein gewöhnliches Kind. Er wohnt unter dem Dach und hat am Bauch einen kleinen Knopf. Drückt er ihn, kann er mit dem Motor auf seinem Rücken über Stockholm fliegen. Er landet bei Lillebror, einem ganz gewöhnlichen Kind, das gern anders wäre.
Lindgren verlieh ihren Figuren realistische Charaktereigenschaften. Sie sind mutig oder fürchten sich, sind verträumt oder rebellisch. Sie sind nie heroisch oder verniedlicht dargestellt, sondern lernen aus ihren eigenen Erfahrungen. Wer zum Beispiel nur im Wald herumtobt, kann sich nicht davor hüten, ins Wasser zu fallen.
Astrid Lindgren verlor nie das Kind in sich selbst. Sie schrieb nicht nur über Kinder, sondern spielte auch mit ihren eigenen im Park und kletterte auf Bäumen herum, wenn andere Mütter still auf der Bank saßen und ihren Sprösslingen zusahen. Sie sagt selbst: „Ich will nicht für Kinder schreiben. Ich will für Leser schreiben, die noch Wunder erfinden können. Kinder erfinden Wunder, wenn sie lesen." 

In über 50 Jahren schriftstellerischer Tätigkeit entstanden unzählige Bücher, Kolumnen und Beiträge. Ihre Werke wurden in der ganzen Welt übersetzt und teilweise für Kino und TV-Serien verfilmt. Noch immer erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Das Astrid-Lindgren-Museum ist Pilgerort für Kinder mit ihren Kindern und Kindeskindern. Ihr Engagement für das Leben und das Mitgefühl für Schwächere ist in jedem ihrer Texte zu erkennen. Aus dem politischen Leben hält sie sich weitestgehend heraus, sie nutzt ihre Popularität für den Tierschutz und gegen Gewalt gegen Kinder.
Lindgren erhielt hohe Auszeichnungen wie den „Friedenspreis des Deutschen Buchhandels" (1978) oder 1994 den Ehrenpreis des Alternativen Nobelpreises. 1999 wurde sie zur Schwedin des Jahrhunderts gewählt. 2002 starb sie in Stockholm. 

Die populärste Kinderbuchautorin der Welt wäre im Januar 2007 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass schrieb der Oetinger Verlag einen mit 10 000 Euro dotierten „Astrid-Lindgren-Preis 2007" aus. Diese Auszeichnung wird jedes Jahr an schwedische Autoren vergeben. Deutsche Kinderbuchautoren haben die Chance, mit einem unveröffentlichten Manuskript an der Auswahl teilzunehmen.

Sabine Mai