Die Dresdner Powerfrauen

"Wozu brauchen wir Gleichberechtigung in der Wirtschaft?", fragte die Headhunterin Elin Orjaster und wurde mit ihrer Behauptung berühmt, Frauen fehle der „Killerinstinkt" im Job. Ob und wie sich die Unterschiede im Wesen, Denken und Fühlen der Frauen im Gegensatz zu erfolgreichen Männern auswirken und wann Frauen die Art zu leben akzeptieren, die es braucht, um geschäftlich, politisch oder wissenschaftlich führend zu sein, wollten wir von Dresdner Frauen wissen, die die Spitze in ihren Branchen repräsentieren wie Rechtsanwältin Karin Meyer-Götz. „Killerinstinkte sind Steinzeit. Frauen sind erfolgreich mit Kompetenz, Beharrlichkeit und Teamgeist", so die dreifache Mutter, Vizepräsidentin der Rechtsanwaltskammer Sachsen, Mitglied des Familienrechtsausschusses der Bundesrechtsanwaltskammer, Dozentin und Buchautorin. Frauen an der Spitze der Geschäftswelt – Dresdner Powerfrauen, das Geheimnis des weiblichen Erfolges.

Powerfrauen - von Prof. Artur Friedrich

Welche Besonderheiten kennzeichnen die wirtschaftliche Leistungserstellung in frauengeführten Unternehmen? Welche Erfahrungen sammeln Gründerinnen zu Beginn ihrer Selbstständigkeit? Diese und ähnliche Fragen motivierten den Kommunikationspool Dresdner Unternehmerinnen, zusammen mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH) eine umfangreiche international angelegte Analyse durchzuführen.

Nach der Häufigkeit der Antworten zu urteilen ist die sächsische Unternehmerin zwischen 30 und 50 Jahre jung, war vor der Gründung erwerbstätig (85%), überwiegend im Vollzeitjob, ist verheiratet (2/3 der Befragten) und hat 1 bis 2 Kinder (75% der Befragten). Die viel beschriebene Mehrfachbelastung wird damit dokumentiert. 20% sind „zugewandert". 20% erarbeiten mit ihren MitarbeiterInnen mehr als 250.000 Euro Umsatz im Jahr, 25% bleiben unter 50.000 Euro.

Während den Unternehmerinnen in der Literatur eine regionale Bindung aufgrund ihrer Familienverantwortung zugeschrieben wird, überrascht es, dass mehr als jede vierte Unternehmerin Märkte im gesamten Bundesgebiet bearbeiten. Dennoch ist die regionale Tendenz deutlich, denn jede dritte konzentriert ihre unternehmerischen Aktivitäten auf ihr regionales Umfeld und sogar jede zehnte allein auf die Stadtgemeinde. Dies ist jedoch vor allem der Geschäftsidee geschuldet.

Die Unternehmerinnen sind hoch qualifiziert. Knapp 60% haben einen Berufsabschluss, etwas über 35% einen Hochschulabschluss. Meisterinnen und Technikerinnen sind 23%. Fast ein Viertel der Befragten beendeten ihre Schulausbildung während der DDR-Zeit. Etwas über 50% bringen Führungserfahrung mit in ihr Unternehmen ein.

Jede zweite Unternehmerin beschäftigt zwischen 1 und 4 Angestellte, jede fünfte Befragte 5 bis 15 Angestellte. Knapp 30% der befragten Unternehmerinnen sind Einzelkämpferinen. Der Anteil der Frauen an den Beschäftigten ist bei Unternehmen, die zwischen 1 bis 4 Angestellten beschäftigen, bei 91%, in Unternehmen mit 5 bis 15 Angestellten immerhin noch knapp über 80 Prozent. „Frauen stellen Frauen ein."

 

Die Motive der frauen

An erster Stelle ist das Motiv für die berufliche Selbstständigkeit als Alternative zur abhängigen Beschäftigung zu nennen. Dabei schneiden die Männer nicht gerade gut ab. Denn ihrem „Chefgehabe" verdanken wir viele selbstständige Frauen im Berufsleben. Dem Imponierverhalten gehen engagierte Frauen aus dem Weg, entscheiden sich – trotz Risiko – dazu, eine eigene Idee zu verwirklichen. Der Freiheitsdrang wird von Kolleginnen und noch stärker von den direkten Vorgesetzten angestoßen und verstärkt. Kommentare wie „hatte die Nase voll" und „geben Befehle ohne Ahnung" ermutigten die befragten Unternehmerinnen, den Sprung in die berufliche Selbstständigkeit zu wagen. Doch nicht nur solche Zumutungen waren von Bedeutung. Den Kern bildete eine bestimmte Geschäftsidee (61%), die nur als Unternehmerin zu verwirklichen war.

 

Weniger bedeutende Motive waren der Wunsch nach mehr Freizeit, oder „es ergab sich die Notwendigkeit durch die Trennung vom Lebenspartner". Auch nach vielen Jahren beruflicher Selbstständigkeit kommen Sätze wie „keinen Vorgesetzten haben" und „die eigene Chefin sein" als Vorzüge.

 

Belastungen

Ein besonders spannendes Kapitel ist die Frage, mit welchen Belastungen werden Unternehmerinnen in welchem Ausmaß konfrontiert, und wie werden sie mit der Vielfachbelastung fertig?

Haushalt und Familie nehmen in der Belastung im Vergleich zum Unternehmen mittlere Plätze ein. Das Unternehmen hat höchste Prioriät. Deshalb erscheinen die Probleme in den übrigen Lebensbereichen nicht so drängend. Weitere Lebensbereiche wie z.B. Netzwerkarbeit sind weniger belastend. 53 Wochenarbeitsstunden sind für das Unternehmen durchschnittlich zu leisten. Es bleibt also nicht viel Zeit für Familie und Haushalt, umso wichtiger ist eine gute Organisation.

 

Das Stehvermögen

Nach der Existenzgründung war der Weg gespickt mit Widerständen, die es erst einmal zu übewinden galt. So hinterließen die Bankerfahrungen tiefe Spuren. Auch wenn 69% der Befragten nur einen Kapitalbedarf von bis zu 12.500 Euro hatten, mussten die durchschnittlich 50% Fremdkapital mühsam gewonnen werden.

Immer wieder wurden Beispiele genannt, die zum Teil bis zum Befragungszeitpunkt noch „wurmten". „Bei der Bank musste ich als Frau, noch dazu als geschiedene, wesentlich mehr Sicherheiten einbringen als meine männlichen verheirateten Geschäftsnachbarn." Oder „die größeren Banken beschäftigten sich mit mir Kleinexistenzgründerin gar nicht erst". Gespeichert bleiben auch solche Erlebnisse „... man wird schnell in die ‚Emanzen-Schublade‘ gesteckt". Mit anderen Worten: mit der Existenzgründung begannen erst die eigentlichen Probleme.

Einige Branchen scheinen dabei ein besonderes „Ablehnungspotenzial" zu besitzen: „Frauen und Autos" und „Frauen und Bauen". In diesen Branchen – und diese haben Gewicht in Sachsen – muss Kunden und Lieferanten gegenüber besonders die Kompetenz belegt werden. Ähnlich also wie bei den Finanzierungsgesprächen mit Banken. „Von manchen wurde ich nicht ernst genommen, da ich zum einen jung und dazu noch Frau bin." Stoßseufzer wie „meine Branche ist eine typische Männerbranche" lassen die Geschäftspartner nicht im fairsten Licht erscheinen. „Ja, es war schwer."

Neben den Akzeptanzproblemen bei der Finanzierung, bei Lieferanten und Kunden wurde eine Vielzahl weiterer Schwierigkeiten benannt: Behörden, Rechtsfragen, Steuern. Erstaunlich ist z.B., dass es bei der Suche nach qualifiziertem Personal auch außerordentliche Hemmnisse gibt. Chefinnen tun viel, um Arbeitsuchende zu interessieren? Selbst bei Bewerberinnen stießen Angebote von frauengeführten Betrieben auf Skepsis.

 

Sparsamkeit

Ein Drittel der Befragten gab an, ihren Lebensunterhalt im ersten Jahr nach der Gründung stark eingeschränkt zu haben. Einige wenige nehmen ihre frühere abhängige Beschäftigung zusätzlich wieder auf, um finanziell über die Runden zu kommen. In der Regel helfen jedoch Partner, und es wird auf Erspartes zurückgegriffen.

Trotz dieser Engpässe in der Startphase bewerteten im Durchschnitt alle befragten Unternehmerinnen ihre jetzige Tätigkeit als Unternehmerin besser als ihre vorhergehende Tätigkeit. Selbst wenn die erste Zeit nach der Existenzgründung sehr schwer war, hätten selbst in dieser harten Phase 70 Prozent den Schritt in die Selbstständigkeit wiederholt.

 

Lösungswillen

Warum gibt es diese frauengeführten Unternehmen immer noch? Der Erfolg auf dem steinigen Weg wurde nicht durch auftrumpfendes Verhalten, sondern durch nachhaltige Überzeugungsarbeit erzielt. Beispiel: „Akzeptanzprobleme im Markt, ja, da die Werkzeugbranche eine klassische Männerbranche ist. Aber Lieferanten sind lernfähig." Mit Durchsetzungswillen und langem Atem kombiniert mit permanenter eigener Weiterbildung wird die Überzeugungsarbeit geleistet. Mehrfach kommen Sätze wie: „Es wird oft vermutet, dass bei einer Frau zu wenig Verständnis für Technik vorhanden ist, und man fragt sich, was passiert, wenn sie Kinder kriegen." Doch gerade hier sind die befragten Frauen voller Ideen und lösen selbst schwierigste Fragen in kleinen Netzwerken. Aus diesen Netzwerken kommen Vorbilder, an denen sich die Befragten insbesondere in schweren Zeiten aufrichten.

Auf wen können sich Unternehmerinnen bei Schwierigkeiten verlassen?

An erster Stelle wird der Partner oder die Partnerin genannt, und zwar mit deutlichem Vorsprung. Dagegen nehmen Eltern und Geschwister hintere Plätze ein. Große Bedeutung haben bereits selbstständige Freundinnen und Bekannte. Die Not schweißt solche Freundeskreise zusammen einschließlich der Betreuung der Kinder.

Unter den institutionalisierten Unterstützungseinrichtungen nimmt den besten Platz der/die Steuerberater/in ein, mit Abstand gefolgt von Rechtsanwältinnen. Die Steuerberaterinnen werden nicht nur zu Buchhaltungs- und Steuerrechtsfragen angesprochen, sondern haben für viele Befragte die Funktion eines/r „Rundumhelfers/in". Erstaunlich war, dass alle durch Steuergelder finanzierte Einrichtungen zur Unterstützung von KMU hintere Plätze erhielten. Dazu gehören auch die Hochschulen, die nur von 6% als Partner eingesetzt werden.

Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass Unternehmerinnen zu wenig Netzwerkarbeit betreiben. Ja, 57% sind nicht in Unternehmensverbänden aktiv. 17% tragen sich jedoch mit dem Gedanken, das zu ändern.

Die aktiven Frauen nutzen gezielt die Möglichkeiten, um vor allem neue Geschäftskontakte herzustellen. Skepsis wird laut, wenn es um Netzwerkarbeit während der Gründungsphase geht. Dies hält nur jede zweite im Nachhinein für sinnvoll, Es ist einfach zu wenig Zeit dafür. Diese Vorsicht verwundert kaum, hat doch nur jede vierte Befragte während der Gründungsphase Coachingangebote genutzt.

 

Zukunftsorientierung

Die wichtigsten Zukunftspläne lauten „finanzielle Unabhängigkeit erreichen", „Zufriedenheit der Kunden verbessern", „Gewinnen neuer Kundenschichten", „Verbesserung des Unternehmensimages und der Arbeitsbedingungen". Keine Befragte dachte daran, das eigene Unternehmen zu liquidieren, selbst wenn das Wasser bis zum Hals stand. Die Unternehmerinnen haben gelernt, mit ungewöhnlichen Problemem fertig zu werden.

Wenn Ängste vor neuen Entwicklungen entstehen, wird gelernt, und dies auf unterschiedliche Art und Weise: Tagungen, Workshops, neue Medien und immer wieder „von anderen Unternehmerinnen". Soweit die Unternehmensentwicklung es möglich macht, wollen die meisten Befragten „mehr Zeit für Familie und mehr Freizeit".

 

Fazit

Es ist höchste Zeit, das Bild der Unternehmerin in Sachsen attraktiver zu zeichnen. Beginnend in den Schulbüchern, in denen noch häufig das traditionelle Unternehmerinnenbild beschrieben wird, weitergehend in der Öffentlichkeit, in der Unternehmerinnen ein Nischendasein fristen. Dies kann nur von den Unternehmerinnen selbst gelöst werden, durch Zusammenhalt und gut begründete Interessensvertretung.

Die hier referierte Vorstudie belegt den Unsinn der alten Klischees. In Sachsen ist ein Unternehmerinnentypus entstanden, der ständig auf der Suche nach Marktnischen ist, sich in chancenreichen Branchen etabliert hat und mit seiner guten Qualifikation Problemlösungen anzubieten hat.

Häufig haben Unternehmerinnen eine schwere Existenzgründungsphase überstanden. Dies war nur durch eine starke Motivation und Entbehrungen möglich. Mehrfachbelastungen wurden durch akribisches Arbeiten und Stehvermögen bewältigt, wobei auch vielfache Unterstützung aus Partnerschaften und Netzwerken genutzt wurden. Für die Zukunft bleiben diese Unternehmerinnen im Geschäft wie in der Familie und Freizeit ideenreich.

Wozu brauchen wir Gleichberechtigung in der Wirtschaft?", fragte die Headhunterin Elin Orjaster und wurde mit ihrer Behauptung berühmt, Frauen fehle der „Killerinstinkt" im Job. Ob und wie sich die Unterschiede im Wesen, Denken und Fühlen der Frauen im Gegensatz zu erfolgreichen Männern auswirken und wann Frauen die Art zu leben akzeptieren, die es braucht, um geschäftlich, politisch oder wissenschaftlich führend zu sein, wollten wir von Dresdner Frauen wissen, die die Spitze in ihren Branchen repräsentieren wie Rechtsanwältin Karin Meyer-Götz. „Killerinstinkte sind Steinzeit. Frauen sind erfolgreich mit Kompetenz, Beharrlichkeit und Teamgeist", so die dreifache Mutter, Vizepräsidentin der Rechtsanwaltskammer Sachsen, Mitglied des Familienrechtsausschusses der Bundesrechtsanwaltskammer, Dozentin und Buchautorin. Frauen an der Spitze der Geschäftswelt – Dresdner Powerfrauen, das Geheimnis des weiblichen Erfolges.