Der Analytiker - Jan Harm, der neue Chef der Centrum-Galerie hat große Pläne

Ich bin ein Mensch, der den Überblick hat, gern über den Tellerrand hinaus blickt, Teams und Netzwerke mag und gern große Projekte angeht“, so Harm über sich. Groß genug ist das Projekt Centrum-Galerie durchaus und eine Herausforderung aufgrund der Dinge, die bis jetzt gelaufen sind, allemal.„Es gilt, die Mauern einzureißen, die in der Vergangenheit gebaut worden sind“, analysiert er gleich richtig. Die Akzeptanz in der Stadt hat die Centrum-Galerie noch nicht erreicht, weder bei den Entscheidern, noch bei den Dresdnern selbst.

„Ich will einen Neuanfang, bin offen und unvoreingenommen und hoffe, dass sich die Partner darauf einlassen.“ Seine Hauptaktionspunkte, um das Ruder herumzureißen: Vernetzung, Akzeptanz und Zusammenarbeit mit den Nachbarn in der Innenstadt. „Ich bin überzeugt, für das Center ist hier genau der richtige Standort und diese Architektur gehört auch hierher.“ Diese Überzeugung muss er jetzt nur noch auch auf einen großen Teil der Dresdner übertragen, die das Gebäude zu modern und kühl finden.Doch genau das passt zu Jan Harm. Schon sehr früh, während seiner Kindheit in Kaiserslautern, war er ehrgeizig und focusiert, wie er es nennt. „Ich hatte ein Ziel, und da bin ich auch zielstrebig hin.“

Physik und Mathematik waren seine Lieblingsfächer. Seine Stärke: die Analyse. Er war ein guter Schüler und vom Elternhaus her, seine Mutter Romy war Hausfrau, ließ man dem Einzelkind viel Freiraum zur Selbstbestimmung. Seine Freizeit wurde dominiert durch den Handball. Er mag diesen Sport, denn er sei ehrlich, hart und habe feste Regeln. „Man muss sich im Team durchsetzen, kann aber nur mit der Mannschaft gewinnen.“ Wie im Leben, so im Job. Fest stand für den jungen Mann aber stets, dass er sein Leben nicht in Kaiserslautern verbringen wollte.Nach dem Abitur ging er mit einem Freund für drei Monate nach Brighton in England, um an einer Privatschule das Cabridge Certificat abzulegen. „Ich mochte diese lebendige Stadt mit ihren Studenten.“ Trotzdem entschied er sich für ein Studium in Deutschland. Aber die Affinität zu England geblieben ist. „Irgendwann einmal, wer weiß …“, lächelt er zum ersten Mal.Doch das Studium absolvierte er in Dortmund. Neue Stadt, neues Glück.Er belegte den Projektstudiengang Raumplanung. „Mein Focus lag bei den großen Projekten, interdisziplinär.“ Focus, Research, Analyse – wieder gebraucht Jan Harm seine Lieblingswörter. Zeit für ein bisschen Studentenleben hatte er dennoch. Etwas. Manchmal. „Doch zum Ende des Studiums war ich logischerweise wieder focusiert“, erklärt er mit ernster Miene. Seine Frau Eva hat Jan Harm auch beim Studium kennengelernt.Gleiche Richtung: Raumplanung. Gleicher Abschluss. Doch das Paar hat ein Abkommen getroffen. Sie stellt ihre Karriere hinter seine und will mit ihm durch die Lande ziehen. „Eine Wochenendbeziehung wollten wir beide nicht.“Es folgte Jan Harms Anschlussstudium und der Abschluss als Immobilienökonom.Danach war der Focus endgültig klar: Einzelhandel, Centermanagement.Los ging es bei der DB Station und Service. Der Chef ein Profi im Centermanagement. Von ihm bekam der junge Harm vieleTipps und Kontakte, die ihn recht schnell zum Einzelhandelsriesen „Metro“brachten. Nach 11 Monaten Trainee-Zeit und Einsatzorten im ganzen Bundesgebiet bekam er gleich die Verantwortung für ein eigenes Center in Ludwigshafen übertragen mit rund 30 Mietern. Jan Harm war gerade 31 Jahre alt. Obwohl es ein „schwerer Standort“ war, war er recht erfolgreich, bekam zeitweise parallel die Verantwortung für vier weitere Center im Ruhrgebiet.

Trotzdem gab es manchmal Fruststage, die er mit Sport und Gesprächen mit seiner Frau kompensierte. „Sie kennt mich, kann mir menschlich helfen und sagt oft, ich soll verschiedene Dinge nicht so an mich rankommen lassen.“ Gibt es also doch etwas, was seine Barriere durchdringt, ihn trotz Analyse und Focus menschlich bewegt? „Manchmal ist es der kleine Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“, gibt Harm zu. Ganz selten kommt es dazu, dass er laut wird. Wenn die Grenze überschritten ist, würde es das Gegenüber am Tonfall merken. Was die Grenze auf jeden Fall überschreitet, ist ungerechtfertigtes Verhalten. Mein Motto auch fürs Business ist ein ehrliches und offenes Miteinander. Wenn das ausgenutzt wird, dann, ja dann hilft auch kein Focusieren mehr.

Anfang 2010 begannen dann die Gespräche mit dem holländischen Unternehmen Corio. „Ich wollte eine andere Perspektive“, so Harm. Ihn reizte die andere Unternehmensphilosophie im Gegensatz zur hierarchischen Struktur bei „Metro“ und die internationale Ausrichtung des Unternehmens.
Richtig konkret wurde der Wechsel dann mit dem Angebot, die Dresdner Centrum-Galerie zu übernehmen. „Ich kannte die Lebensqualität der Stadt schon von einem Besuch als Tourist vor drei Jahren“, erinnert sich der heutige Center-Chef. Dann, nach ein paar weiteren Besuchen in Dresden und dem Kennenlernen des Teams, entschied er sich zu dem Job und kam mit seiner Frau und der gerade geborenen Tochter Meike nach Dresden, zog nach Striesen. Sein erster Arbeitstag war der erste Oktober, und seitdem
ging es turbulent und arbeitsreich zu. „Als Center-Manager ist man ein Kümmerer. Man muss vom Ansatz her alles betrachten von der Technik her, der Stadtplanung, den Medien, der Analyse …“ Und da ist er ja bekanntlich in seinem Element. Zwei umfangreiche Besucherbefragungen wurden durchgeführt und werden ausgewertet, eine Gesamtanalyse für die nächsten fünf Jahre ist abgeschlossen. Nun folgen die Konzeptionen. „Ich weiß, dass es auch zukünftig für uns nicht leicht werden wird. Gerade
mit der Erweiterung der Altmarkt-Galerie.“

Aber Harm will sein Objekt weder als Kopie, noch als Gegenstück zur AMG wissen. „Es wird ein eigenständiges Objekt. Mehr als ein Shopping-Center – ein Platz für soziale, gesellschaftliche und kulturelle Events. Das Bauliche wird überdacht, das Marketing, der Mieter- und Branchenmix. Schritt für Schritt werden wir die Dresdner an uns gewöhnen.“ Hat der Kaiserslauterer denn den Dresdner an sich, das besondere Wesen, schon erfasst? Die Dresdner brauchen
Zeit, meint Jan Harm, um sich auf neue Dinge einzustellen. Die besagte Gemütlichkeit sei einfach eine Einstellung, das Leben zu genießen. „Ein Dresdner ist nicht absolut offen, aber auch nicht absolut geschlossen.“ Das sollte dann ja zu Jan Harm besonders gut passen.

Sein Fazit: „Ich bin gern hier, habe die Herausforderung angenommen, und jetzt geht es los!“
„Ich hatte ein Ziel, und da bin ich auch zielstrebig hin. Man muss sich im Team durchsetzen, kann aber nur mit der Mannschaft
gewinnen.“