„Schnuppern von der Berühmtheit der Stadt"

Starkoch Horst Lichter kommt nach Dresden.

Der lebenslustigste Schnurrbartträger der Republik lässt im Kulturpalast beim mehrgängigen Unterhaltungs-Menü „Sushi ist auch keine Lösung!“ seinen Gästen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Disy hat sich deshalb ausführlich mit Horst Lichter unterhalten.

Sie werden im Herbst in Dresden sein?

Ja. Und da freue ich mich sehr drauf. Denn diese Stadt kenne ich bisher nur von wunderschönen Büchern, von Erzählungen, von Menschen, die aus Dresden bei mir waren.

Worauf freuen Sie sich in Dresden besonders?

Auf die Menschen, die da leben. Die haben so viel Geschichte miterlebt, die haben so eine schöne Stadt. Und für mich ist immer faszinierend, wie reagieren die Menschen selbst drauf? Nehmen sie das wahr? Oder erzählen die mir eher von den Problemen, die sie im täglichen Alltag haben? Oder sind das Menschen, die sagen: Du, ich bin mir sehr bewusst, wo ich hier lebe, wie ich hier lebe, und ich zeige dir mal, wie schön das ist.

Was werden Sie in Dresden machen?

Ich weiß das schon ganz genau. Das nehme ich mir nämlich generell vor, wenn ich irgendwo ankomme. Ich reise am Vorabend an und werde dann tagsüber erst einmal die Stadt angucken. Dann gehe ich irgendwo lecker speisen, in einer ganz normalen Dorfgaststätte oder einem kleinen Restaurant, um zu sehen, wie die Menschen da so essen, was sie kochen, was sie tun. Ein bisschen schnuppern von der Berühmtheit der Stadt. Ab 17 Uhr werde ich mich auf mein Bühnenprogramm vorbereiten.

Wer wird Ihnen Dresden zeigen?

Ich hoffe, dass sich einige meiner Gäste, die aus Dresden bei mir waren, bereit erklären und sagen: Horst, pass auf, ich nehm dich an die Hand und ich zeig dir mal ein paar schöne Sachen. Ich selbst kenne mich leider nicht aus. Das is dat Blöde.

Worauf haben Sie Appetit, wenn Sie an Dresden denken? Auf die Eierschecke?

Die werde ich auf jeden Fall probieren. Schließlich ist das was ganz Berühmtes. Und ich bin mal gespannt, wie man sie macht.

Was ist Ihr persönliches Lieblingsessen?

Das ist ganz schwierig. Ich mag so viele Dinge gern. Aber man kann es vielleicht runterdampfen und sagen: Das, was Mama macht, das ist immer das Geilste. Und egal, wo man hinkommt, sollte man erst mal probieren, was jeweils zu Hause gegessen wird. Dann weiß man, wie wirklich gekocht wird.

Was hat Mama gekocht?

Mama hat so richtig bodenständig gekocht. Das heißt: Gemüse aus dem eigenen Garten. Sie hat Obst eingemacht. Außerdem haben wir Kaninchen gezüchtet. Also gab es Kaninchenbraten in jeglicher Form. Sie hat mir den sogar als Schweinebraten verkauft. Wir hatten nicht viel Geld, und da musste das Kaninchen als Schweinebraten herhalten oder als Rinderbraten. Nur als Geflügel hat sie es nie durchgekriegt.

Wie würzen Sie den Hasen oder das Kaninchen?

Das wird schön in Rotweinsößchen gemacht. Rotwein war damals schon eine Sache, die man als Flasche für zwei, drei Mark bekam, die in einer Sauce aber eine Sensation ist. Gewürzt wird schön mit Wacholderbeeren, dann muss Lorbeer mit rein und jede Menge Röstgemüse, Porree, Zwiebelchen, Möhren, Sellerie – eine richtig schöne Bratensauce ansetzen. Dann im Backofen schmoren.

Dazu Kartoffeln, Reis oder Spätzle?

Kartoffeln. Ich liebe Kartoffeln. Ich bin ein Riesen-Kartoffel-Fan.

Im Herbst gehen Sie auf Comedy-Tour. Was ist das?

Ja, das darf ich noch nicht verraten? Ich freue mich wahnsinnig.

Wie würden Sie die Comedy-Tour jemandem beschreiben, der die noch nie gesehen hat?

Dort im Theater werden wir zwei Stunden richtig Spaß machen auf der Bühne. Ich werde Blödsinn erzählen und alles Erlebte und Gelebte rund um Restaurant, Trinken, alles, was damit zu tun hat. Das eigentliche Kochen, das tritt sehr in den Hintergrund. Da bin ich eher der Komiker.

Verraten Sie etwas mehr!

Es gibt einen größeren Teil, der geht ums Restaurant, wie ich das erste Mal in meinem Leben in einem Sterne-Restaurant war. Glauben Sie mir, das war sehr nett und sehr lustig. Dann geht es natürlich um all diese Dinge wie Niedrig-Temperatur-Garen, um Bio-Wahn, natürlich um Sushi, gar keine Frage. Es geht um all diese Dinge, um diesen Wahnsinn rund um Kochen, Essen und Trinken.

Ein Schwerpunkt der Show ist das Thema Gewürze ...?

Eigentlich gibt es nur einen, der sich mit Gewürzen wirklich auskennt. Und das ist unser Alfons Schuhbeck. Er arbeitet mit Gewürzen, die schon seit Jahrtausenden ausgestorben sind. Das zieht der trotzdem durch. Ich werde die Zeiten hochleben lassen, in denen es nur ein Sechser-Trommelchen mit Gewürzen gegeben hat. Heute geht man an einem Gewürzregal so lang, dass man wirklich die Erdkrümmung sehen kann. All diese Dinge, damit werde ich aufräumen.

Wir freuen uns darauf. Natürlich auch auf Ihren Besuch in Dresden.

Ich hoffe, dass Sie nach der Veranstaltung zu mir kommen und sagen: Hallo, Horst! Dann weiß ich, dann war‘s schön.

 

Horst Lichter wurde 1962 in Nettesheim im Kreis Neuss geboren, begann mit 14 Jahren eine Kochausbildung und arbeitete in mehreren Restaurants, bevor er in eine Fabrik der Rhein/Braunkohle ging. Als Mittzwanziger hatte er zwei Schlaganfälle und einen Herzinfarkt. „Diese Schicksalsschläge lehrten mich, dauerhaft bescheiden und demütig zu bleiben“, sagt Lichter. „Wenn du einmal dem Tod von der Schippe gesprungen bist, siehst du das Leben mit anderen Augen.“ Er mietete eine alte Halle im rheinischen Rommerskirchen-Butzheim an, gründete einen Club, der später zum Restaurant „Oldiethek“ wurde, und arbeitete wieder als Koch. Seit 1999 tritt Lichter im Fernsehen auf, seit 2004 auch auf den Brettern, die die Welt bedeuten.