Revolution an der Semperoper?

Warum saß die Tuba rechts“, fragt sie die Herren, die
sich in Dr. Hesslers Interimsbüro einen Applaus für
die Vorstellung des letzten Abends abholen wollten.
„Irgendwas stimmt mit dem Orchestergraben nicht“,
geht sie in ihrer Kritik weiter. Charmant, freundlich,
aber sehr bestimmt tritt die neue Intendantin auf. „Wenn ich alles umstellen
würde, das wäre eine Revolution“, tönt der Verantwortliche, der die
Tuba am Abend auf links gesetzt hatte.
Doch eine Revolution will Dr. Hessler keineswegs anzetteln, erklärt sie
Disy anschließend.
„Ich möchte ein neues Kapitel in einer langen Tradition schreiben“, sagt
sie diplomatisch. Mehr Dresdner in die Oper, die Jugend begeistern, zum
exklusiven Semperopernambiente eine exklusive Küche bieten – das sind
einige Beispiele ihrer Vision.
Auf den inhaltlichen Plan, den sie Ende März der Öffentlichkeit vorstellen
wird, kann sich Dresden freuen. Auch hier spielen Frauen eine wichtige
Rolle. „Vier Regisseurinnen werden ans Haus kommen“, verrät sie vorab
und mit großen Namen können wir rechnen. Das Silvesterkonzert, das ab
diesem Jahr vom ZDF ausgestrahlt wird, wird ähnlich dem Opernball auf
dem Theaterplatz übertragen werden. Die Richtung ist klar: Die Dresdner
sollen mit ins Boot!
„Ich bin eben auch begeistert vom Mythos dieser Stadt“, schwärmt sie.
„Diese Schönheit, die Flussauen, die altmodische Art der Häuser auf den
Elbhängen – das gefällt mir.“ Besonders begeistert ist sie von den Menschen.
„Tolle Leute mit fantastischen Ideen“, meint sie und zählt dazu die
Museumsdirektoren, die Wissenschaftler vom Max Planck- und vom Leibnitzinstitut,
die von der TU. „Es herrscht ein besonderes Klima.“
Das möchte sie auch gern unter den Mitarbeitern der Oper erreichen. Sie
sei eine begeisterte Teamplayerin, erklärt sie. Dabei ist sie sicher, dass alle
mitspielen wollen, denn das Team der Oper sei für seinen hohen Arbeitsethos
bekannt.
Dann gerät sie ins Schwärmen und eine gewisse Euphorie über die neue
Aufgabe ist ihr anzumerken: „Die Dresdner Semperoper ist nicht nur eines
der schönsten Opernhäuser der Welt, es ist auch eines der besten mit einer
langen Tradition. Und es hat mit der Dresdner Staatskapelle eines der weltbesten
Orchester.“
Kein Wunder, dass dann über den Wechsel eines so weltberühmten Hauses
auch weltweit berichtet wird. Sogar die „New York Times“ vermeldet die
Ankunft der neuen Intendantin in Dresden.
Wobei so richtig neu ist Dr. Hessler in Dresden nicht. Schon 1998 kam sie
mit ihrem Mann, Professor Meurer, in die Stadt, der hier einen Lehrstuhl
erhielt und heute Chefarzt der Hautklinik am Uniklinikum ist. Doch Dr.
Hessler wollte ihren Beruf als kommisarische Intendantin und Direktorin
für Kommunikation und Marketing an der Bayrischen Staatsoper nicht
aufgeben. Also pendelte das erfolgreiche Paar. „So eine Beziehung funktioniert
dann nur, wenn man sich auch wirklich jedes Wochenende sieht.“
Es hat geklappt bis Dr. Hessler im Juni letzten Jahres der „berühmte Ruf“
nach Dresden ereilte. „Ich habe mich natürlich gefreut und fühlte mich geschmeichelt.“
Also hat Dresden eine neue Opernintendantin und Professor
Meurer seine Frau wieder bei sich.
Und die hat Energie und Tatendrang: „Dresden hat ein enormes Potenzial
und wird es in Zukunft noch sehr weit bringen.“ Wir sind sicher, dass Dr.
Hessler ihren Teil dazu beitragen wird. AnFlie


Vita
Dr. Ulrike Hessler, 1955 in Kassel geboren, studierte in München Germanistik,
Romanistik und Neuere Geschichte. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin
am Lehrstuhl für Didaktik der Deutschen Sprache und Literatur an der
Katholischen Universität Eichstätt und promovierte 1984 über deutsche
Exilliteratur (Clemens von Brentano). Als freie Journalistin arbeitete sie für
den Bayerischen Rundfunk, den Sender Freies Berlin und die Vogue. Sie war
seit 1984 an der Bayrischen Staatsoper München engagiert und wechselt an
die Dresdner Semperoper,