Das Haus Castell

Die Erwartungen, die die Menschen von einem Grafen haben, sind immer sehr ausgeprägt.

Die Grafen und späteren Fürsten zu Castell sind auch den Menschen ein Begriff, die sonst kein Faible für den Adel haben. Disy-Chefredakteurin Anja K. Fließbach sprach mit Ferdinand Graf zu Castell-Castell über seine Banklehre in Dresden, seine Familie und die Verantwortung für die Castell‘schen Unternehmenszweige ...

Beim Namen Castell fällt mir ein „altehrwürdig“. Ist das so?
Alt - ja. Ehrwürdig – selbstverständlich. Die Geschichte unserer Familie ist seit 1057 dokumentiert.  

Was für eine Rolle spielt Ihre Familie heute?
Unsere Familie beschäftigt sich seit Jahrhunderten mit mehreren Unternehmenszweigen. Wir haben eine Bank, ein Weingut, Forst und Landwirtschaft. 

Vor elf Jahren übergab Ihnen Ihr Vater, Albrecht Fürst zu Castell-Castell, das Weingut zur Weiterführung in der 26. Generation. War die Übernahme des Weingutes für Sie eine reine Verpflichtung oder verbindet Sie wirklich die Liebe zum Wein mit Ihrer Arbeit?
Seit vielen Generationen widmet sich unsere Familie dem Weinbau. Deshalb kann ich mir im Bewusstsein dieser Geschichte keine schönere Aufgabe vorstellen, als daran mitzuwirken, diese Tradition fortzusetzen. 

Nehmen Sie es mir nicht übel, aber das klingt nicht nach Spaß.
Es ist eine Aufgabe, die ich bewusst und mit Freude erfülle. Bei meinem Besuch hier in Dresden repräsentiere ich zum Beispiel die Vereinigung „Die Güter“, ein Zusammenschluss von neun Familienbetrieben aus unserer Region, die alle verschieden sind im Stil, aber auf Qualität achten. Es ist angenehm, nicht gegen, sondern miteinander zu arbeiten. 

Arbeiten andere gegen Sie?
Nicht mehr oder weniger als in anderen Wirtschaftszweigen. Wir haben ja noch die Bank und die Landwirtschaft. Mit Qualität und Stil kann man am besten überzeugen. 

Hat ein Graf mehr Stil als andere?
Die Erwartungen, die die Menschen von einem Grafen haben, sind immer sehr ausgeprägt. Man muss sie überzeugen und versuchen, ihr Wohlwollen zu gewinnen. 

Haben Sie das mit den Leuten geschafft, als Sie in Dresden lernten?
Sie kommen von hier und kennen die Dresdner doch gut. Was denken Sie, wie sie reagierten, wenn sie gehört haben: „Graf“ und „Wessi“? 

Ich tippe auf „zurückhaltend“? Wie würden Sie die Dresdner charakterisieren?
Sie haben eine ganz eigene Mentalität, sind selbstbewusst und stolz. 

Was haben Sie an den Dresdnern geschätzt?
Die Schönheit der Stadt.

Was genau haben Sie eigentlich hier gemacht?
Eine Banklehre. Unserer Familie gehört die Fürstlich Castell’sche Bank. Das ist eine unabhängige Privatbank und ich sollte Anteile übernehmen und Eigentümer werden. Darauf habe ich mich in Dresden vorbreitet. 

Warum geht ein Graf als Lehrling ausgerechnet in eine Dresdner Bank?

Ich wollte den Osten kennenlernen. 

Wie oft kommen Sie heute nach Elb-Florenz?
Natürlich bin ich beruflich sehr eingebunden. Aber wenn ich es zum Beispiel mit einer Weinprobe im Romantik Hotel Pattis verbinden kann, dann komme ich gern, wohne im Zschoner Grund und genieße die Zeit hier. 

Ohne Groll?
Selbstverständlich! Mit Freude!

Die Bank
Die Fürstlich CASTELL’SCHE BANK, CREDIT-CASSE AG hat ihren Sitz in Würzburg. Ihre Tätigkeit wird so beschrieben: Nachhaltigkeit von Erträgen und weitreichende Werterhaltung sind die Ziele der Bank eigenen Vermögensanlagekonzeption und Schwerpunkt bei der Begleitung und Zukunftssicherung der mittelständischen Unternehmen und vermögender Privatpersonen.

Das Weingut
Das FÜRSTLICH CASTELL’SCHE DOMÄNENAMT ist sehr erfolgreich und erhält immer wieder Preise. Schon im 13. Jahrhundert wurde der Weinbau in Castell aktenkundig erwähnt. Damit ist das Gut eines der ältesten in ganz Deutschland.

Die Familie
Die Spur der Familie Castell lässt sich bis ins Jahr 1057 zurückverfolgen. In den Archiven wird Rupert de Castello als Erster des Geschlechts genannt. In einer bischöflichen Urkunde aus dem Jahr 1202 führt die Familie erstmals den Grafentitel, seit 1228 auch als „Dei gratia" – von Gottes Gnaden. Fast 700 Jahre später war es Prinzregent Luitpold von Bayern, der die Linien Castell-Castell und Castell-Rüdenhausen in den Fürstenstand erhob. Die Grafen besaßen ein ausgedehntes, reichsunmittelbares Territorium und trugen die politische Verantwortung für die Grafschaft Castell, bis diese 1806 bayerisch wurde. Die heutigen Eigentümer der Castell’schen Unternehmen, Johann-Friedrich Erbgraf zu Castell-Rüdenhausen und Ferdinand Graf zu Castell-Castell, sind Unternehmer und Verwalter in eigener Sache. Treuhänderisch verwalten sie ihr Erbe, um es weiter zu führen, zu entwickeln und eines Tages weiterzugeben. Unabhängigkeit, persönlicher Stil und Wertorientierung bestimmen hierbei ihr geschäftliches Handeln.

Mehr Infos unter: www.castell.de