Musiker mit Leib und Seele

Bernd Aust

Am 20. Mai tritt er mit der Band im Kulturpalast auf. Drei Sänger werden dabei sein: Peter Ludewig, Stephan Trepte und Gisbert Koreng. Neben Bernd Aust werden Wolfgang Riedel am Bass, Andreas Leuschner am Keyboard, Eckehard Lipske an der Gitarre und Falk Möckel am Schlagzeug zu hören sein. Handgemachte deutschsprachige Rockmusik erwartet das Publikum. Verstärkt wird die Band durch die Neue Elbland Philharmonie, die unter anderem die vor dreißig Jahren entstandene Rocksuite „Die Sixtinische Madonna" begleiten wird.

Als ihre Band entstand, wollten die Musiker gar nicht so berühmt werden, wie sie hinterher wurden. Damals produzierten sie ihren ersten großen Hit „Tritt ein in den Dom", der von den damaligen Kulturfunktionären als „Tritt ein in die Kirche" gedeutet wurde und dadurch auf den Index kam und von den Radiostationen abgesetzt wurde. Das war die größte Werbung, die sich die Band vorstellen konnte, denn „Verbotenes ist besonders attraktiv", so Bernd Aust. „Es war der Beginn unserer provinziellen, aber damals doch relativ großen Karriere. Als wir unseren ersten Schallplattenvertrag bekamen, durfte der ‚Dom‘ nicht drauf, erst auf die dritte Platte. Da war er schon etwas ausgelutscht." Live-Fernsehauftritte folgten und eine Adaptions-LP, die sich außerordentlich gut verkaufte. Ein weiteres Highlight war der Sieg beim Internationalen Schlagerfestival in Dresden. „Wir hangelten uns von Verbot zu Begeisterung durch." 150 bis 200 Konzerte gab die Band jährlich in ihrer Glanzzeit. Die führten sie durch die Sowjetunion, Frankreich, Ungarn, Dänemark, Polen über die Tschechoslowakei bis nach Kuba. Dabei kam es auch durch die Armee und durch Unstimmigkeiten zu Umbesetzungen für einige Musiker. Jetzt ist die Band acht Mann stark.

„1989 fuhren die Trabis alle nach München, und niemand interessierte sich mehr für die hiesige Musik", begründete Bernd Aust den Beginn seiner Karriere als Konzertveranstalter, nachdem man ihm auch Jobs wie Versicherungsmakler angeboten hatte – eine Entscheidung, die ihm letztendlich Erfolg brachte. Nach kurzer Starthilfe durch eine Hamburger Agentur stand er schnell auf eigenen Beinen, finanzierte Konzerte selbst vor, fuhr die großen Tournee-Agenturen wie die von Fritz Rau ab, stellte sich als „höflicher Sachse" vor, sprach von seinen Plänen und stieg allmählich in das Geschäft ein. Inzwischen hat er gute Kontakte mit den Agenturen und bekommt die Künstler angeboten, die in Deutschland auf Tournee sind. Gefragt, wie das mit den Buchungen funktioniert, sagt Bernd Aust: „Wir kriegen eine E-Mail-Künstler XY ist auf Tournee, habt Ihr Interesse? Und wenn Interesse, was bietet ihr? Das hört sich einfach an, aber man muss jahrelang erfolgreich, souverän und ehrlich mit den Leuten zusammengearbeitet haben." Das sei die Grundlage dafür, dass man das Vertrauen geschenkt bekommt, dass ein Künstler hier gut und würdig umsorgt und aufgenommen wird. Was es kostet, ist unterschiedlich. Darüber kann er nicht reden, zumal es so in den Verträgen stehe. Rechnet man die Konzertkosten selber aus, beginnt man mit dem Kartenpreis: Bei Robbie Williams waren das ca. 70 Euro bei 150 000 Zuschauern in zwei Tagen, also ca. 10,5 Millionen Euro.

„Es gibt natürlich auch Konzerte, die wir im kleinen Saal im Alten Schlachthof veranstalten, da haben wir eine Einnahme von 4000 Euro, die Spanne ist groß. Wir scheuen uns nicht, diese kleinen Konzerte zu veranstalten und Künstler, die im Begriff sind, erfolgreich zu werden, in ihren Anfängen zu begleiten." So begeisterte sich Bernd Aust auch für die Wise Guys, die ihm vor acht Jahren, als er sie noch nicht kannte, eine CD schickten und fragten, ob sie bei ihm auftreten können. „Wie das so ist, man arbeitet bis in die Nacht, denkt, jetzt legst du die CD mal ein und hörst mal, was die machen … Und das hat mich also fasziniert - die singen a cappella mit witzigen und treffenden Moderationen. Da dachte ich: Egal, was jetzt passiert, die musst du mal nach Dresden holen. Am ersten Tag habe ich 125 Tickets verkauft. Da haben wir die Sparkasse angesprochen: Habt ihr nicht Lust, euren Stammkunden Tickets zu verschenken? Dann war der kleine Saal voll, aber nur 125 hatten tatsächlich Tickets gekauft. Es ist wichtig, dass ein Publikum die Künstler hört. Wenn man von etwas überzeugt ist, kann man nicht davon ausgehen, dass das auch andere kennen und wissen." Ein Jahr später war das Konzert ausverkauft. An diese Entwicklung zu glauben, dazu gehört Mut und Gespür.

Bernd Aust ist Musiker mit Leib und Seele. Das füllt ihn auch in seiner Freizeit aus. Im Winter fährt er gern Ski: „Aber natürlich altersgerecht", sagt er lachend. „Auf der Seiser Alm in Südtirol."

Sein Sohn Rodney arbeitet in der Agentur, Sascha in der Konzertkasse am Schillerplatz und ist Gitarrist bei den „Admirals". „Meine Frau hält den ganzen Laden zu Hause zusammen", schließt er. Christine Salzer