• Januar 29, 2026
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Uwe Brendler           
Rechtsanwalt und Associated Partner

Gesellschaftsrecht, M&A, Private Equity – über Teamarbeit, Transaktionen im dreistelligen Millionenbereich und die Frage, warum es sich noch lohnt, Anwalt zu sein.

Vita:
Uwe Brendler studierte Rechtswissenschaften in Dresden. Nach dem Referendariat entschied er sich bewusst gegen den Richterberuf und für die anwaltliche Tätigkeit in einer Großkanzlei. Heute ist er als Partner tätig und begleitet insbesondere Unternehmensverkäufe und -zukäufe, häufig im Private-Equity-Umfeld. Er arbeitet am Standort Dresden in einer international tätigen Kanzlei.

 

Warum sind Sie Anwalt geworden?          
Brendler: Nach dem Studium hatte ich zunächst den Richterberuf im Blick, weil die juristische Ausbildung stark darauf ausgerichtet ist. In der Praxis hat mich das aber nicht überzeugt. Während des Referendariats habe ich einen Teil hier in der Kanzlei verbracht, und die Teamarbeit, das tiefgehende juristische Arbeiten sowie der Kollegenkreis haben mich sehr angesprochen. Es war weniger das klassische Bild vom Anwalt oder etwaige Vorurteile als vielmehr die Art, wie in einer Großkanzlei tatsächlich gearbeitet wird.

 

Warum haben Sie Dresden für Ihre Arbeit gewählt?     
Brendler: . Als komme aus Radebeul und bin mit meiner Familie in der Region verwurzelt. Nach dem Staatsexamen habe ich auch Erfahrungen in anderen Städten gesammelt – beispielsweise während meiner Tätigkeit bei einem Unternehmen in Berlin und meinem Masterstudium in London. Nicht zuletzt dadurch schätze ich die Lebensqualität, die Dresden bietet: Die Mischung aus hoher kultureller Vielfalt von der Semperoper bis zum Dresdner Stollen, wirtschaftlicher Dynamik und – als Radfahrer praktisch – kurzen Wegen.

 

Lohnt es sich heute noch, Anwalt zu sein?           
Brendler: Ja. Man arbeitet in einer sehr professionellen Umgebung und hat mit Entscheidern aus der Wirtschaft zu tun. Besonders reizvoll finde ich, dass wir nicht nur vergangene Konflikte bearbeiten, sondern an Zukunftsfragen wie technologischen Marktveränderungen mitwirken und strategische Entwicklungen wie bei der Energieversorgung begleiten.

 

Sehen Sie Alternativen für sich?    
Brendler: Die juristische Tätigkeit bietet ein breites Spektrum an Möglichkeiten und Schnittstellen zu anderen Bereichen – das macht den Beruf auch nach vielen Jahren noch sehr spannend für mich.. Aktuell bin ich in meinem beruflichen Setting sehr zufrieden, sodass ich mir über Alternativen keine Gedanken mache.

 

Wie sehen Sie die Zukunft der Anwaltschaft?     
Brendler: Durchaus mit großen Fragezeichen. Wir produzieren zumeist Texte, sind mithin unmittelbar von den KI gestützten Sprachmodellen betroffen. Künstliche Intelligenz wird unsere Arbeit verändern, insbesondere bei Routinetätigkeiten wie der Durchsicht umfangreicher Dokumente. Vor 10 Jahren haben bei uns in der Kanzlei die Berater noch in ein Diktiergerät gesprochen, das wirkt heute fast unvorstellbar. Videotelefonie gab es noch nicht. Letzte Woche wurden bei uns die Festnetztelefone abgebaut, das ist im ersten Moment durchaus ungewohnt. Das zeigt allein die technischen Veränderungen. Eine Glaskugel habe ich nicht, aber die feste Überzeugung: Strategische Beratung, Verhandlungsgeschick und Erfahrungswissen werden weiterhin eine zentrale Rolle für unsere Mandanten spielen.

 

Wie wichtig sind Netzwerke?         
Brendler:  Netzwerke sind ausgesprochen wichtig. Fachliche Exzellenz allein reicht heute nicht mehr aus. Bereits innerhalb der Kanzlei mit mehr als 500 Beratern ist eine gute Vernetzung unverzichtbar, weil komplexe Mandate wie ein Unternehmenskauf regelmäßig interdisziplinäre Zusammenarbeit von einem großen Team erfordern. Nach außen hin gilt es, Kontakte zu Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Verbänden auf- und stetig auszubauen.

 

 

Wie wichtig ist es für Sie, einen Fall zu gewinnen?         
Brendler: Der Begriff „Gewinnen“ passt im Bereich der Unternehmenskäufe eigentlich nicht. Es geht weniger um einen klassischen Sieg als vielmehr darum, für alle Beteiligten eine gewinnbringende Lösung zu schaffen. Mein Ziel ist, die zentralen Interessen unserer Mandanten bestmöglich durchzusetzen. Zugleich ist es wichtig, auch die Interessen der Gegenseite zu erkennen und zu respektieren – nur so lassen sich vertragliche Vereinbarungen treffen, die langfristig Bestand haben und von beiden Seiten getragen werden. 

Wie stellen Sie sich Ihren Ausstieg aus dem Berufsleben vor?  
Brendler: Ich bin jetzt 40 und sehr zufrieden mit meiner Arbeit. Einen konkreten Plan für den Ausstieg habe ich nicht, würde mir aber wünschen, dass es sich in dem Moment „richtig“ anfühlt. . Zunehmend wichtiger wird es mir, die Grundlagen für die hoffentlich dann noch vorhandene körperliche Fitness beim Ausstieg zu legen. 

Haben Sie Tipps für ein gut funktionierendes Back Office?      
Brendler: Das Wichtigste sind Vertrauen und gute Kommunikation. Man sollte nicht jedes Detail kontrollieren, sondern Aufgaben sinnvoll delegieren. Ich empfinde es als großes Privileg, mit einem gut eingespielten Assistenzteam arbeiten zu können.

Was war Ihr spektakulärster Fall?           
Brendler: Spektakulär sind Unternehmensverkäufe vermutlich eher weniger, da würde ein Dasein als Strafverteidiger vermutlich besser taugen. Spektakulär im Sinne von herausfordernd war die Beratung eines amerikanischen Private-Equity-Investors beim Verkauf einer Vermögensverwaltungsgesellschaft im dreistelligen Millionenbereich. Die Transaktion lief über mehrere Monate mit intensiven Verhandlungen, auch an Wochenenden, und wurde schließlich an einem Sonntagmittag per DocuSign abgeschlossen – mit rund 20 Beteiligten in der Videokonferenz.

 

Was würden Sie in Bezug auf die Justiz in Deutschland ändern?         
Brendler: Die Dauer der gerichtlichen Verfahren, die ich gelegentlich auch begleite. Ich habe ein z.B. aktuell ein Gesellschafterstreit mit der Klage aus August 2024 bei dem der erste Verhandlungstermin im Februar 2026 stattfindet. 

 

Was würden Sie in Ihrem Fachgebiet ändern?    
Brendler: Ich würde gern in Hochphasen der Transaktion die Flut an E-Mails eingrenzen. Außerdem dürften umfassende Überarbeitung von Verträgen nicht mehr erst Freitagabend von der Gegenseite zugesendet werden, weil das zumeist das Wochenende kostet. Im Ernst: Die (fehlende) Planbarkeit am Tag und insbesondere am Abend und an Wochenenden ist ein großes Thema im Unternehmenskauf, nicht zuletzt bei Mitarbeitergewinnung und -bindung.

 

 

Sehen Sie auch Absurdes in der Gesetzgebung?  
Brendler: Im Bereich Unternehmenskauf wird zumeist – soweit möglich – das Gesetz ausgeschlossen und sämtliche Rechtsfolgen im Vertrag selbst bestimmt – daher bin ich weniger von Änderungen in der Gesetzgebung betroffen. So manche formellen Compliance-Anforderungen, wie die mit Blick auf Geldwäschevorschriften, sind mitunter etwas skurril. 

 

Welche Art Mandaten passen zu Ihnen?  
Brendler: Mandate im Bereich Unternehmensverkäufe und -zukäufe sowie allgemeine gesellschaftsrechtliche Beratung, bei denen es um strategische Fragestellungen, langfristige Entwicklungen und professionelle Zusammenarbeit geht. 

 

Was sind Sie für eine Anwalts-Persönlichkeit?    
Brendler: Teamorientiert und wirtschaftlich denkend. Ich arbeite weniger konfrontativ, sondern lösungsorientiert.

 

Was sind Ihre bekanntesten Publikationen?        

Brendler: Im Bereich Unternehmensverkauf wird traditionell wenig veröffentlicht, daher wohl meine Dissertation zur Vertragsstrafe. Ein Buch, dass eher friedlich im Regal steht, als rege gelesen zu werden. 

Kontaktdaten
Dr. Uwe Brendler, LL.M.
Rechtsanwalt | Associated Partner 

Noerr Partnerschaftsgesellschaft mbB
Paul-Schwarze-Straße 2 | 01097 Dresden
+49 351 81660 90 I Uwe.Brendler@noerr.com