• Januar 27, 2026
  • 8095 Aufrufe

„Im Wirtschaftsrecht kann man reale Transformationsprozesse begleiten.“

Hans Kenschke, Rechtsanwalt | Corporate & M&A

Corporate-Transaktionen, Heimatverbundenheit und ein nüchterner Blick auf die Zukunft des Anwaltsberufs

Kurzvita

Hans Kenschke, geboren 1990 in Dresden, studierte Rechtswissenschaften in Freiburg im Breisgau. Nach dem ersten Staatsexamen absolvierte er einen Master of Laws in Melbourne, Australien. Es folgten eine wissenschaftliche Tätigkeit an der Universität Freiburg sowie das Referendariat in Berlin mit dem zweiten Staatsexamen. Seit 2021 ist er als Rechtsanwalt im Bereich Corporate und M&A in Dresden tätig.

Warum sind Sie Anwalt geworden?     
Kenschke: Das war keine Entscheidung aus dem Kindesalter heraus. Ich habe Jura studiert und musste mir dann einen juristischen Beruf suchen. Im Referendariat durchläuft man viele Stationen, und ich habe an vielen Bereichen Gefallen gefunden. Am Ende waren es das Team hier und die Arbeit im Corporate-Bereich, die für mich ausschlaggebend waren.

Was für ein Anwalt sind Sie?
Kenschke: Ich arbeite im Bereich Corporate und M&A, also im Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht. Wir beraten Unternehmen bei Transaktionen, Umstrukturierungen und komplexen Veränderungsprozessen.

Warum haben Sie Dresden für Ihre Arbeit gewählt?  
Kenschke: Das war keine rein bewusste Entscheidung, sondern hat sich ergeben. Nach dem Referendariat, das stark von Corona geprägt war, bin ich hier gelandet. Dresden ist wirtschaftlich stark, bietet ein gutes juristisches Umfeld und eine hohe Lebensqualität. Außerdem komme ich ursprünglich aus Dresden.

Was spricht aus Ihrer Sicht für Dresden als Kanzleistandort?   
Kenschke: Dresden ist eine der zehn größten Städte Deutschlands und hat entsprechend Wirtschaftskraft. Es gibt ein funktionierendes juristisches Netzwerk mit Kanzleien, Notaren und Behörden. Hinzu kommt ein aus meiner Sicht sehr gutes Verhältnis von Arbeitsbelastung, Verdienst und Lebensqualität.

Lohnt es sich heute noch, Anwalt zu sein?   
Kenschke: Ja, definitiv. Die Tätigkeit ist anspruchsvoll, komplex und intellektuell fordernd. Im Wirtschaftsrecht kann man reale Transformationsprozesse begleiten und erhält Einblicke, die man in anderen Berufen so nicht bekommt.       

Sehen Sie Alternativen für sich jenseits des Anwaltsberufs?      
Kenschke: Ja, grundsätzlich schon. Der Arbeitsmarkt für Juristen ist derzeit gut. Denkbar wären Tätigkeiten als Unternehmensjurist oder auch im öffentlichen Bereich. Aktuell bin ich aber sehr zufrieden mit meiner anwaltlichen Tätigkeit.

Wie sehen Sie die Zukunft der Anwaltschaft?      
Kenschke: Der Bedarf an Beratung komplexer Sachverhalte wird bleiben. Gerade wenn rechtliche und wirtschaftliche Fragen immer komplizierter werden, steigt der Beratungsbedarf eher, als dass er sinkt.

Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz im Anwaltsberuf?    
Kenschke: KI wird bestimmte Tätigkeiten ersetzen, vor allem standardisierte Arbeiten. Sie wird den Anwalt aber nicht ersetzen. Ich glaube eher, dass Anwälte künftig diejenigen sind, die spezialisierte KI-Tools sinnvoll einsetzen und deren Ergebnisse bewerten.

Wie wichtig sind Netzwerke für Ihre Arbeit?      
Kenschke: Netzwerke sind sehr wichtig. Mandanten suchen nicht nur juristische Expertise, sondern auch Vertrauen. Persönliche Kontakte und das Gefühl, einen verlässlichen Ansprechpartner zu haben, spielen dabei eine große Rolle.

In welchen Netzwerken sind Sie aktiv?
Kenschke: Ich nehme regelmäßig an Fach- und Wirtschaftsveranstaltungen teil, etwa an den High Tech Venture Days. Eine andere Form des Netzwerkens ist meine ehrenamtliche Tätigkeit im Kammerchor der Frauenkirche.

Wie wichtig ist es für Sie, einen Fall zu gewinnen?     
Kenschke: In meinem Bereich gibt es selten klassische Gewinner und Verlierer. Entscheidend ist, dass der Mandant zufrieden ist und dass eine Transaktion oder ein Projekt funktioniert.

Wie stellen Sie sich Ihren Ausstieg aus dem Berufsleben vor?   
Kenschke: Nicht zu früh, aber auch nicht bis 70 in Vollzeit. Ich kann mir vorstellen, später selektiver zu arbeiten, mich auf bestimmte Mandate zu konzentrieren und mehr Zeit für Familie, Ehrenamt und Musik zu haben.

Haben Sie Tipps für ein gut funktionierendes Back Office?
Kenschke:  KI-Tools werden die Kollegen im Back Office nicht ersetzen, vielmehr wird das Back Office neue Tätigkeiten mit KI-Tools übernehmen. Entscheidend bleiben daher die Menschen, mit denen man täglich zusammenarbeitet – in diese und in die Zusammenarbeit sollte man investieren.

Was war bislang Ihr prägendster Fall?         
Kenschke: Sehr prägend war die Begleitung der Fusion von DREWAG und ENSO zur SachsenEnergie sowie der anschließende Integrationsprozess. In jüngerer Zeit war auch die Beratung der WTS-Gruppe bei der strategischen Partnerschaft mit EQT ein wichtige Fall.

Was würden Sie an der Justiz in Deutschland ändern?      
Kenschke: Änderungsbedarf sehe ich vor allem bei der weiteren Digitalisierung, insbesondere im Notariats- und Registerwesen, sowie bei der Vereinfachung von Prozessen.

Was würden Sie in Ihrem Fachgebiet ändern?
Kenschke: Die grade von Mandanten mit internationaler Ausrichtung gern gewünschten, aber in der Praxis oft sehr unhandlichen, zweisprachigen Verträge gehören hoffentlich bald der Vergangenheit an und man entscheidet sich für eine Sprache samt Convenience-Translation.

Sehen Sie Absurditäten in der Gesetzgebung?      
Kenschke: Ja, die gibt es immer wieder. Ein bekanntes Beispiel ist § 919 BGB, der vom „verrückt gewordenen Grenzstein“ spricht – ein sprachlicher Fehler, der regelmäßig für Schmunzeln sorgt.

Welche Mandanten passen besonders gut zu Ihnen?  
Kenschke: Unternehmen – sowohl größere, etablierte Gesellschaften als auch Start-ups, die rechtliche Begleitung bei Wachstum, Transaktionen und Umstrukturierungen benötigen.

Was für eine Anwaltspersönlichkeit sind Sie?     
Kenschke: Ich sehe mich klar als Berater und Teamplayer. Mandanten suchen keinen reinen Vertragstext, sondern einen Ansprechpartner, der rechtliche und wirtschaftliche Aspekte gemeinsam denkt.

Können Sie gut abschalten?   
Kenschke: Grundsätzlich ja. Schwieriger wird es bei starkem Zeitdruck oder engen Fristen. Dann ist man gedanklich sehr bei der Sache, aber insgesamt ist mir wichtig, Berufliches nicht dauerhaft ins Private zu tragen.

 

Kontaktdaten

Hans Kenschke   
Rechtsanwalt | Corporate & M&A
Noerr Partnerschaftsgesellschaft mbB
Paul-Schwarze-Straße 2 | 01097 Dresden

www.noerr.com/de/professionals/kenschke-hans