- Januar 26, 2026
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Jan Weidemann
Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verwaltungsrecht in Dresden
Warum Verwaltungsrecht mehr ist als Paragrafenarbeit
Vita:
Jan Weidemann absolvierte nach dem Abitur 1987 zunächst einen Zivildienst und studierte anschließend Rechtswissenschaften in Kiel, Lausanne und Trier mit dem Schwerpunkt Europarecht. Sein Referendariat leistete er am Landgericht Chemnitz ab. Seit 1998 ist er als Rechtsanwalt tätig, seit 2001 in Dresden. Nach Stationen in Kanzleien in Chemnitz und Dresden gründete er 2005 seine eigene Kanzlei in der Dresdner Neustadt. Er arbeitet als Einzelanwalt mit dem Schwerpunkt Verwaltungsrecht.
Warum sind Sie Anwalt geworden?
Ursprünglich wollte ich in den diplomatischen Dienst. Jura war dafür die Grundlage. Anwalt bin ich zunächst aus einer sachlichen Entscheidung heraus geworden, unter anderem wegen eines guten Angebots nach dem Referendariat. Mit der Zeit ist daraus eine echte Berufung geworden, die ich heute mit voller Überzeugung ausübe.
Warum haben Sie Dresden für Ihre Arbeit gewählt?
Die Entscheidung fiel gemeinsam mit meiner Frau, die sowohl in Leipzig als auch in Dresden Jobangebote hatte. Dresden hat uns aufgrund seiner Lebensqualität und des besonderen Umlands überzeugt. Inzwischen ist es auch für unsere Familie der richtige Ort geworden.
Lohnt es sich heute noch, Anwalt zu sein?
Ja, davon bin ich überzeugt. Die Zahl der Anwälte ist in den letzten Jahren eher zurückgegangen, während der Beratungsbedarf weiterhin hoch ist. Wer eine fachliche Nische hat und nicht beliebig arbeitet, wird auch künftig gut bestehen können.
Sehen Sie Alternativen für sich?
Gedanklich ja, mit dem Herzen nein. Ich könnte mir vorstellen, auch andere juristische Tätigkeiten auszuüben. Wenn es um einen früheren Lebenstraum geht, hätte ich mir auch vorstellen können, Architekt zu werden, weil mich die Gestaltung unserer Umwelt interessiert.
Wie sehen Sie die Zukunft der Anwaltschaft?
Grundsätzlich positiv. Der Beruf wird sich technisch weiter verändern, aber nicht verschwinden. Menschen werden auch künftig rechtliche Beratung brauchen, weil sie der Komplexität von Gesetzen allein nicht gewachsen sind.
Wie wichtig sind Netzwerke?
Sehr wichtig. Netzwerke sind fachlich hilfreich, etwa beim Austausch oder bei der Weitervermittlung von Mandaten, aber auch menschlich eine große Bereicherung. Ich erlebe den Austausch mit Kollegen überwiegend als kollegial.
Wie wichtig ist es für Sie, einen Fall zu gewinnen?
Für den Mandanten ist der Ausgang eines Verfahrens natürlich entscheidend. Für mich steht im Vordergrund, den Mandanten professionell durch eine schwierige Situation zu begleiten. Die Entscheidung trifft letztlich das Gericht, nicht ich.
Wie stellen Sie sich Ihren Ausstieg aus dem Berufsleben vor?
Nicht abrupt, sondern schrittweise. Ideal wäre eine Übergabe der Kanzlei an meinen Sohn, der derzeit Jura studiert. Ob dieser Weg tatsächlich so umgesetzt wird, wird sich zeigen.
Haben Sie Tipps für ein gut funktionierendes Back Office?
Man muss bereit sein, sich auf digitale Prozesse einzulassen. Der elektronische Rechtsverkehr ist verpflichtend, daher ist eine gut organisierte digitale Aktenführung unerlässlich. Offenheit für technische Entwicklungen und kontinuierliches Mitlernen sind entscheidend.
Was war Ihr spektakulärster Fall?
Im Rahmen eines beamtenrechtlichen Gerichtsverfahrens ging es unter anderem darum, ob der damalige Generalstaatsanwalt gegenüber meinem Mandanten beleidigend aufgetreten sei. Dass ein Jurist dieses Ranges sich deshalb vor Gericht erscheinen und sich befragen lassen musste, war schon etwas Besonderes. Hätte die Presse das gewusst, wäre es sicherlich ein spektakulärer Fall geworden.
Was würden Sie in Bezug auf die Justiz in Deutschland ändern?
Aus dem Interview ergibt sich hierzu keine konkrete Reformforderung. Wichtig erscheint mir jedoch, dass die Justiz mit gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen Schritt hält.
Was würden Sie in Ihrem Fachgebiet ändern?
Hierzu habe ich im Gespräch keine konkrete Änderung benannt. Entscheidend ist für mich eine praxisnahe und nachvollziehbare Anwendung des Verwaltungsrechts.
Sehen Sie auch Absurdes in der Gesetzgebung?
Gerade in jüngerer Zeit habe ich Gesetzesvorhaben beobachtet, die gegen die Warnung der Fach-Experten durchgezogen wurden oder zu erheblichem Verwaltungsaufwand trotz eher kleiner Zahl an Anwendungsfällen (im konkreten Fall bundesweit nicht einmal 25.000) führten.
Welche Art Mandate passen zu Ihnen?
Mandate, bei denen es um sorgfältige rechtliche Abwägung, strukturiertes Vorgehen und realistische Zielsetzungen geht. Ich arbeite gern mit Mandanten, die offen für eine ehrliche juristische Einschätzung sind.
Was sind Sie für eine Anwalts-Persönlichkeit?
Sachlich, empathisch, aber mit professioneller Distanz. Ich versuche, mich nicht emotional mit der Sache gemein zu machen, ohne den Mandanten aus dem Blick zu verlieren.
Kontaktdaten
Anwaltskanzlei Dr. Weidemann
Rechtsanwalt Jan Weidemann
Bautzner Straße 113
01099 Dresden
www.raweidemann.de